Samstag , 24. Oktober 2020
Mit so einer dynamischen Rückkehr des Wolfes habe niemand gerechnet, staunen Jäger. Selbst vor den Toren Lüneburgs wurden Isegrims Spuren entdeckt. Foto: nh

DNA-Analyse überführt Wolf

kre Melbeck. Der Wolf ist zurück: Doch die anfängliche Freude über Isegrims Rückkehr schwindet zusehends. Stattdessen häufen sich die Meldungen über gerissene Rehe und Angriffe auf Nutztiere. Landwirt Karl Heinz Vogelsang etwa hat in den vergangenen Tagen gleich 15 Schafe auf seiner Weide an der Gemarkungsgrenze in Melbeck verloren. Der 65-Jährige geht davon aus, das die Tiere von einem Wolf gerissen wurden – letzte Sicherheit muss jetzt die DNA-Analyse im niedersächsischen Umweltministerium in Hannover erbringen.

Im Fall der gerissenen Schafe in Radegast liegt die nun vor. Hier ist die Vermutung zur Gewissheit geworden: „Die DNA-Analyse hat ergeben, dass die Tiere von einem Wolf gerissen wurden“, bestätigt auf LZ-Anfrage Inka Burow, Sprecherin des Umweltministeriums. So grotesk das klingt – für Schäfer Stefan Erb ist das die gute Nachricht: Denn so bekommt er den Verlust der Tiere wenigstens finanziell ersetzt.

Wie schnell die Wölfe den deutschen Wald zurückerobern, beeindruckt auch die Jäger: „Diese Dynamik haben alle unterschätzt“, gibt Torsten Broder, der Vorsitzende der Lüneburger Jägerschaft unumwunden zu. Gestern erreichte die LZ-Redaktion ein Foto, das mit einer sogenannten Fotofalle Anfang Oktober in der Nähe von Amelinghausen gemacht wurde. Zusehen ist ein Rudel mit sieben Wölfen, die ganz entspannt die nähere Gegend erkunden.

Wölfe

Gestern hat ein Jagdpächter zwischen Eitzen und Grünhagen – an der Landkreisgrenze zu Lüneburg- gleich fünf gerissene Rehe gefunden. Und Ende August wurde sogar vor den Toren Lüneburgs – in der Nähe der Roten Schleuse, ein gerissenes Reh entdeckt. Förster Arno Meyer hatte den Wolfsberater Matthias Holsten vom Landkreis eingeschaltet – „das Ergebnis liegt aber noch nicht vor“, berichtet gestern auf LZ-Anfrage der Landkreis.

„Die Wolfspopulation nimmt zu, daran besteht überhaupt kein Zweifel“, sagt Guido Kiesewetter, der in Melbeck eine Jagdschule betreibt: Er bestätigt die Erfahrung anderer Jäger: „Dort, wo der Wolf ist, zieht sich das Wild aufgeschreckt immer weiter in den Wald zurück.“

Trotzdem sagt Inka Burow: „Einen Wolf in freier Natur zu sehen, ist wie ein Sechser im Lotto!“ Angst bräuchten Menschen nicht zu haben – „weil der Wolf sehr scheu ist“, sagt die Ministeriumssprecherin.