Freitag , 7. August 2020
Dechant Carsten Menges wünscht sich eine Versachlichung der Debatte um den neuen Limburger Bischofssitz. Er richtet unter anderem den Blick darauf, dass der größte Teil des Gebäudeensembles ein Begegnungszentrum ist. Foto: A/be

„Ich finde nichts protzig“

as Lüneburg. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst steht seit Monaten in der Kritik wie kein anderer kirchlicher Würdenträger wegen angeblicher Falschaussage an Eides statt und weil er neben dem Limburger Dom das Diözesane Zentrum St. Nikolaus als „Protzbau“ errichten ließ. Die Diskussion um den vermeindlichen „Skandalbau“ sieht Lüneburgs Dechant Carsten Menges, Pfarrer in St. Marien, kritisch. „Ich möchte sie versachlichen“, sagte er gestern zur LZ, die ihn um eine Stellungnahme bat. Er habe das Gefühl, „dass hier einige Hetze betreiben, um den Bischof aus dem Amt zu vertreiben“. Kirchenaustritte im Zusammenhang mit der Debatte um Tebartz-van Elst verzeichnet die Lüneburger katholische Gemeinde nicht.

Menges hat im Internet zum Diözesanen Zentrum recherchiert. Sein Fazit: Hier entsteht ein geistliches Zentrum, im wesentlichen ein Begegnungszentrum. „Ich finde nichts protzig.“ Ursprünglich habe nur ein Bau für den Bischof entstehen sollen, der habe dann vorgeschlagen, dass ein Begegnungszentrum entstehen solle. „Zwei historische Gebäude sind saniert worden, die Platz für die Verwaltung und Wohnraum für Ordensschwestern bieten“, schildert Menges. Den weit größeren Teil des Gebäudeensembles nehme das Begegnungszentrum mit Konferenz-, Veranstaltungs- sowie Arbeitsräumen für Gruppen ein. Im rückwärtigen Teil des Gebäudes befinde sich die künftige Drei-Zimmer-Wohnung für den Diözesanbischof und seine Nachfolger.

Bezüglich der Einrichtung der Bischofs-Wohnung berichteten Medien von einer 15 000 Euro teuren Badewanne und Schreinerarbeiten, die mit 350 000 Euro zu Buche schlagen sollen. Auf solche Meldungen beziehungsweise Gerüchte gibt Dechant Menges wenig. „Ich würde dazu gerne erst einmal die Bistumsvorlage sehen.“ Es sei abzuwarten, was die Sichtung der Bischofskonferenz ergebe, ob zu viel ausgegeben worden sei. „Derzeit gibt es keine offiziellen Belege.“

Dechant Menges nimmt auch Stellung dazu, wer die Baukosten in Höhe von derzeit 31 Millionen Euro schultern muss. Zum einen gebe es den Bistums-Etat, der sich aus Kirchensteuern und anderen Einnahmen zusammensetzt. Daraus werden unter anderem Ausgaben für den Erhalt von kirchlichen Einrichtungen und Personalkosten bezahlt. 2,5 Millionen Euro sollen für das Diözesan-Zentrum bereitgestellt worden sein. Zum anderen gibt es den Bischöflichen Stuhl. Dieser wurde bei Gründung des Bistums im Jahr 1827 vom Herzog von Nassau mit Vermögenswerten ausgestattet, die den Grundstock für das heutige Vermögen bilden und zur Unterhaltung des Bischofs dienen.

Laut des Vermögensverwaltungsrates übernimmt der Bischöfliche Stuhl die Kosten für das Diözesane Zentrum beziehungsweise den Bischofssitz. Menges: „Für mich heißt das, dass der Bischof den Kirchengemeinden keine Gelder nimmt.“

Ein wesentliches Problem sieht Menges allerdings in der Kommunikation, die während des Baus schlecht gelaufen sei, wenn es um Mehrkosten ging. Anders beim Hildesheimer Dom, wo die Kosten im Laufe der Sanierung auch explodierten. Unter anderem, weil die angrenzende Kirche zum Diözesan-Museum ausgebaut werden sollte und man dabei auf eine 1000 Jahre alte Stadtmauer stieß. Die sollte für die Museumsbesucher sichtbar gemacht und erhalten werden. „Das hat zu zwei Millionen Euro Mehrkosten geführt, wurde aber auch öffentlich kommuniziert“, sagt Menges. In Limburg habe es einen ähnlichen Sachverhalt gegeben, allerdings habe man das wohl nicht transparent gemacht.