Donnerstag , 24. September 2020
Ab der Brücke Soltauer Straße beginnt der erste Sanierungsabschnitt und reicht bis Melbeck. Foto: t&w

Heidebahn in Lüneburg wird saniert

Lüneburg. Es ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Vollsanierung der Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Soltau: Die Trasseneigentümerin, die Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) mit Sitz in Celle, hat nach eigenen Angaben jetzt vom Bund den Zuwendungsbescheid über 2,8 Millionen Euro Fördermittel erhalten, um den ersten Abschnitt zu sanieren, und zwar in der Stadt Lüneburg. Dabei sollen auch mehrere Bahnübergänge modernisiert werden. Im Fokus des Vorhabens steht zunächst die Streckennutzung durch den Güterverkehr. Gleichwohl ist es auch eine vielversprechende Ausgangsposition, um den Personennahverkehr auf der Strecke wiederzubeleben.

Beginn der Baumaßnahme ab Soltauer Straße in Lüneburg bis Melbeck soll im Frühjahr 2021 sein, sagt Sebastian Schülke, OHE-Geschäftsbereichsleiter Infrastruktur, auf LZ-Nachfrage. Insgesamt rechnet die OHE für den ersten Bauabschnitt mit Kosten in Höhe von 5,6 Millionen Euro. Mit 2,8 Millionen Euro übernimmt der Bund 50 Prozent der Summe gemäß dem Schienengüterfernverkehrsnetzförderungsgesetz (SGFFG), wonach der Bund auch Investitionen in das Bestandsnetz von nicht bundeseigenen Eisenbahnen fördern kann. Analog dazu erwartet die OHE nun auch die Förderzusage des Landes Niedersachsen in Höhe von 40 Prozent. Somit müsste die OHE selbst nur noch zehn Prozent der Kosten als Eigenanteil stemmen.

Sicherung der Bahnübergänge überfällig

Insgesamt rechnet die OHE mit voraussichtlichen Kosten in Höhe von rund 40 Millionen Euro für die Vollsanierung der Heidebahn-Strecke Lüneburg-Amelinghausen-Bispingen-Soltau bis 2025 (LZ berichtete). Nach dem ersten Sanierungsabschnitt in Lüneburg würden laut Schülke die Förderanträge für die weiteren Teilbereiche in den nächsten drei bis vier Jahren folgen. Und das soll auch durchgezogen werden, wenn einmal der Anfang gemacht ist, denn „ohne die weiteren Abschnitte wäre auch der erste Abschnitt sinnlos“, sagt Schülke.

Laut Rainer Garbers, bei der OHE zuständig für die technische Anlagenplanung, sollen im Zuge des ersten Sanierungsabschnitts auch gleich mehrere Bahnübergänge grundlegend überarbeitet werden in den Stadtteilen Oedeme, Rettmer und Häcklingen. So soll neben den Bahnübergängen an der Kreisstraße bei Rettmer und der Straße Am Wischfeld auch an der Straße Kunkelberg eine neue Lichtzeichen- und Halbschrankenanlage eingerichtet werden. Dass der Bahnübergang aber nur jeweils halbseitig beschrankt werden soll, sorgt bei Oedemes Ortsbürgermeisterin Christel John indes nur für begrenzte Freude.

Eine zusätzliche Sicherung der Bahnübergänge sei laut John überfällig, allein schon wegen des Schulwegs zum Schulzentrum Oedeme. „Ich habe immer gesagt, wenn wir wieder mehr Bahnverkehr bekommen, brauchen wir eine vernünftige Beschrankung.“ Eine halbseitige Beschrankung erscheint ihr aber zu kurz gegriffen. Zuletzt hat der Güterverkehr auf niedrigem Niveau auf der Strecke wieder Fahrt aufgenommen. Vor allem in den Morgenstunden schlängeln sich einzelne Zugverbände über die alte Heidebahnstrecke. Keimzelle ist ein Logistikdienstleister in Soltau, der für den Autohersteller Audi den Überseetransport organisiert und zunehmend auf die Schiene setzt. Die Güterzüge aus Soltau fädeln dann in Lüneburg auf die Hauptstrecke ein Richtung Hamburger Hafen.
Mit der Vollsanierung der Heidebahn hofft die OHE auf weitere gewerbliche Nutzer der Trasse. Zugleich würden mit der Erneuerung der Strecke auch die verbleibenden Kosten für die Reaktivierung des Personennahverkehrs vergleichsweise gering ausfallen, heißt es. Eine Wiederbelebung des Nahverkehrs sieht Ortsbürgermeisterin John indes auch weniger kritisch, als die Zunahme des Güterverkehrs. Doch die OHE hat nach eigenen Angaben bei der Sanierung auch den Anliegerschutz im Blick.

Kunststoff soll Lärm für Anlieger mindern

Schülke sagt: „Besonders froh sind wir, das wir im Bereich Oedeme auch die Erlaubnis bekommen haben, auf 900 Metern Länge im Bereich naher Wohnbebauung besonders vibrationsoptimierte Betonschwellen mit Kunststoffsohlen beziehungsweise komplette Kunststoffschwellen einzubauen.“ Das mindere die Übertragung von kurzwelligen Vibrationen nach dem Stand der Technik. Auch die Bahnübergänge in dem Umbaubereich zwischen Oedeme und Melbeck erhielten „modernste Beläge aus Gummi, die im Fußgänger und Radfahrerbereich ohne Spurrillen auskommen“, sagt Schülke. Dies mindert auch die Überrollgeräusche von Straßenfahrzeugen beim Überqueren der Schienen auf das technisch Machbare, heißt es.

Von Dennis Thomas