Samstag , 24. Oktober 2020
Ein Bremssattel wie kein zweiter: Patrick Folkert zeigt das Prunkstück aus dem Hause Bionic Production GmbH. Foto: t&w

Mit Bugatti einen Schritt weiter

Lüneburg. Nach fünf Minuten kommt Patrick Folkert ins Schwitzen. „Auf Dauer wird das Teil schwer“, sagt der 28-Jährige. In seinen Händen hält er einen Bremssattel, den sein Unternehmen, die Lüneburger Bionic Production GmbH, für die Luxusmarke Bugatti fertigt. Dort soll das im 3D-Druck hergestellte Teil helfen, Gewicht einzusparen. Nun hat Bugatti grünes Licht für die Vorserienfertigung gegeben. Von dem Know-how der Lüneburger sollen künftig aber auch andere profitieren.

Rund zehn Kilogramm spare der Autohersteller durch den Einbau des Bionic-Bremssattels ein, „im Automobilbau sind das Welten“, sagt Folkert. Er ist Leiter Manufactoring bei dem 2015 gegründeten Unternehmen, das 2018 seinen Sitz von Hamburg nach Lüneburg verlegt hat und jetzt in den früheren Hallen der Universität in Volgershall entwickelt und produziert.

Sättel komplett aus Titan gefertigt

Dort stehen inzwischen drei Drucker, schrankgroße Maschinen, in denen Bionic unter anderem auch für Porsche oder Airbus produziert. Auch sie nutzen den Gewichtsvorteil, der durch den 3D-Druck erzielt wird. Dass dadurch auch der CO₂-Ausstoß sinkt, sei für Bugatti mit seinen 1500-PS-Motoren „eher weniger entscheidend“, wie Folkert bemerkt. Dass die Sättel aber komplett aus Titan gefertigt werden – „das kann kein anderer Hersteller außer uns“ –, sei für das Image des High-tech-Flitzers weitaus wichtiger: „Die wollen immer ganz vorn dabei sein.“ Die Entscheidung für die Vorserienfertigung sei deshalb ein „wichtiges Signal“.

Große Stückzahlen sind für Bionic dabei weniger entscheidend, das Unternehmen sieht seinen Vorteil vielmehr in der Produktion kleinerer Mengen. Wie bei der Firma Franatech, die Sensoren für einen möglichen Methan-Austritt auf Bohrplattformen herstellt. Ein Bauteil davon kommt aus Lüneburg, weil es wegen der geringen Stückzahlen letztlich günstiger ist, es im 3D-Druck herzustellen.

Beratung für den 3D-Druck

Stolz ist Folkert aber auch auf die von seinem Unternehmen entwickelte „Mobile Container-Fabrik“, ein 3D-Drucker, der in einem Container Platz findet. Die Anlage – „die erste funktionsfähige weltweit“ – ist vor allem für die Produktion wichtiger Bauteile vor Ort entwickelt, deren tagelanger Ausfall wie etwa auf Bohrplattformen immense Kosten verursachen würde. „Mit der mobilen Fabrik können die Teile je nach Größe direkt an Ort und Stelle in wenigen Stunden hergestellt werden.“

Das Know-how der Lüneburger 3D-Drucker soll nun auch anderen Unternehmen zugute kommen. So beteiligt sich Bionic an dem Förderprogramm „Produktion+“, das von der Wirtschaftsförderung Lüneburg GmbH (WLG) angeboten wird. Das Programm gibt es zwar schon länger, „es richtet sich jetzt aber vor allem an Unternehmen, die von der Corona-Krise unvorbereitet getroffen wurden und sich im Markt mit neuen Produkten oder Produktionsprozessen behaupten müssen“, erläutert WLG-Geschäftsführer Jürgen Enkelmann.

Fördermittel und neue Arbeitsplätze

36 Projekte konnten damit bereits in und mit Lüneburger Unternehmen unterstützt werden, die Mittel – rund 34.000 Euro stehen dafür pro Jahr bereit – können für technische und externe Beratung beantragt werden. Ein weiterer Effekt: „Damit konnten weitere Fördermittel des Landes und des Bundes in Höhe von 440.000 Euro eingeworben werden, die Unternehmen konnten zudem ein Umsatzpotenzial von rund 10 Millionen Euro erzielen“, sagt Enkelmann. Und: Rund 53 zusätzliche Arbeitsplätze seien damit in der Region entstanden.

„Wir stehen dabei als Berater zur Verfügung“, sagt Patrick Folkert. „So können wir der Region helfen.“ Ganz selbstlos aber ist das Engagement indes nicht. „Natürlich wollen wir damit auch die zum Teil noch vorhandenen Hürden zum 3D-Druck senken.“

Auch wenn das Unternehmen derzeit einen weiteren Gebäudetrakt für zusätzliche Büros umbaut, bleibt Folkert realistisch. Die für dieses Jahr eigentlich angepeilten 6,5 Millionen Euro Umsatz könnten sich „vielleicht auch auf das nächste Jahr verlagern“ – was aber immer noch ein deutlicher Sprung gegenüber 1,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr wäre.

Von Ulf Stüwe