Samstag , 24. Oktober 2020
Sven Kiefer, sportlicher Leiter des RFV Echem-Scharnebeck, freut sich auf das „Scharnebeck International“ vom 19. bis 23. August. Neben ihm absolviert Hannah Könemann auf Copacabana einen Sprung. Foto: be

Große Sprünge in Scharnebeck

Scharnebeck. Der RFV Echem-Scharnebeck feiert in diesem Jahr sein 100. Vereinsjubiläum. Dementsprechend sollten die Scharnebecker Reitertage über Himmelfahrt ein rauschendes Pferdesportfest für die Region und darüber hinaus werden. Doch dann kam Corona. Die Reitertage wurden in der geplanten Form abgesagt. Andere Veranstalter wären jetzt in eine Schockstarre verfallen, nicht so der RFV Echem-Scharnebeck. Der Verein um seinen vor Ehrgeiz und Tatendrang sprühenden sportlichen Leiter Sven Kiefer ersann neue Ideen und Konzepte. Ergebnis: Scharnebeck wird international.

Vom 19. bis 23. August geht auf der Anlage am Schiffshebewerk ein zwar numerisch kleineres Springturnier über die Bühne, dafür aber sportlich umso hochwertiger. Das „Scharnebeck International“, ein CSI**, ist ein reines Springturnier mit drei Weltranglistenprüfungen. „Das ist die maximal große Lösung, die wir unter den aktuellen Corona-Bestimmungen anbieten können“, sagt Kiefer.

Das Event ist mit 100 000 Euro dotiert

Und diese „maximal große Lösung“ sieht folgendermaßen aus: Die gesamte Veranstaltung ist mit 100.000 Euro dotiert und umfasst insgesamt 27 Prüfungen vom A-Springen bis zur höchsten Klasse. Gut 200 Reiterinnen und Reiter sind gemeldet, die Organisatoren rechnen zusammengenommen mit etwa 1200 Starts an allen Tagen. Das sind kleinere Zahlen als bei den regulären Reitertagen, zumal „Scharnebeck International“ nur Springreiten beinhaltet, keine Dressur. „Das hätten wir wegen der Abstandsregeln nicht anders hinbekommen“, erklärt Kiefer.

Für die Dressurreiter plant der Verein vom 10. bis 13. September eine größere Veranstaltung. Beim Springturnier vom 19. August an sind drei Weltranglistenprüfungen der kleinen, mittleren und großen Profi-Tour integriert. Höhepunkt ist am Sonntag, 23. August, der mit 30.000 Euro dotierte Grand Prix von Scharnebeck (gegen 14 Uhr). Nationale Top-Reiter haben gemeldet, darunter die Brüder Toni und Felix Hassmann, der amtierende Derbysieger Nisse Lüneburg und Holger Wulschner.

Kiefer stolz: „Das sind alles Leute, die schon Nationenpreise für Deutschland geritten sind. Wir haben die Derby-Sieger der vergangenen fünf Jahre bei uns. Und das bei erheblicher Terminkonkurrenz. Aber die Profireiter sind darauf angewiesen, Weltranglistenpunkte zu sammeln. Das ist gut für uns.“ Im Grand Prix will auch Mette Samuli vom gastgebenden Verein starten.

Auch die Amateure kommen zu ihrem Recht

Hinzu kommen zahlreiche Spitzenreiter aus dem Ausland, laut Veranstalter aus 12 Gastnationen. „Sogar eine Meldung aus Bahrain haben wir“, sagt Kiefer. Aber es kommen nicht nur die Profis zu ihrem Recht, sondern auch die Amateure. L- bis S-Springen sind vorgesehen. Für die Jüngsten ist ein A-Springen in das Programm eingebunden und soll rund um den Grand Prix stattfinden. „Eine tolle Bühne für unsere Jüngsten“, meint Kiefer.

Aus der Corona-Not hat der RFV Echem-Scharnebeck also eine Tugend gemacht. Weniger Masse, aber internationale Klasse. 100.000 Euro Preisgeld legen den Schluss nahe, dass die Sponsoren diese Idee voll und ganz mittragen. Die Corona-Auflagen einzuhalten wird eine Herausforderung für die Veranstalter.

500 Zuschauer pro Tag wohl erlaubt

„Wir haben Temperaturtester wie am Flughafen“, erzählt Kiefer, „bei jedem Check-In werden Reiter und Begleitpersonen geprüft. Außerdem kommt uns zu Gute, dass bei einem CSI die Pferde immer auf der Anlage bleiben müssen. Damit haben wir deutlich weniger Fluktuation.“ Pro Tag dürfen Stand jetzt maximal 500 Zuschauer auf der Anlage sein, Abstandsregeln etc. inklusive. Die bekannten Regeln.

Doch wer bislang die gewiss nicht niedrigen Hürden genommen, dürfte auch das schaffen. Groß denken, der RFV Echem-Scharnebeck tut in diesen schwierigen Zeiten genau das.

Von Matthias Sobottka