Samstag , 24. Oktober 2020
Heidelinde und Christian Puttin genießen den Ausblick auf der Luhebrücke beim Mühlenhof in Wohlenbüttel. (Foto: t&w)

Der Blick der anderen

Wohlenbüttel. Wie viele Lüneburger wohl in diesen Tagen zu Hause sitzen und sich angesichts der Corona-Krise grämen, nicht in die Ferne reisen zu können? Doch das Gute liegt so nah, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe. Das belegen aktuell auch wieder Tausende Touristen, die in der Region zwischen Flusslandschaft Elbe und der Lüneburger Heide derzeit ihren Sommerurlaub verbringen. Zum Beispiel ein Ehepaar aus Brandenburg, dass seit nunmehr 25 Jahren regelmäßig im idyllischen Wohlenbüttel bei Amelinghausen seine Ferien verbringt und einen ganz anderen Blick auf die Lüneburger Urlaubsregion hat, in der andere nur wohnen.

Seit 1993 bietet der Mühlenhof Stegen im Oldendorfer Ortsteil Wohlenbüttel Ferienunterkünfte an. Seit 1995 sind Heidelinde und Christian Puttin aus Straußberg Stammgäste auf dem Wohlenbütteler Hof mitten im Wald, direkt am Heidefluss Luhe und verbringen dort regelmäßig eine 14-tägige Auszeit. Anfangs mit ihren beiden Kindern, jetzt mit ihrer Enkeltochter.

Zwischen Freizeitparks, Bücherlesen und Natur

Die Gäste in den insgesamt fünf Ferienwohnungen sind Selbstversorger. Doch fünf Mal die Woche kommt ein Bäckerwagen vorbei und frische Eier gibt es von den hofeigenen Hühnern. An der Luhe, die auch die Möglichkeit zum Kanuwandern bietet, lässt sich das Ehepaar Puttin hin und wieder am Ufer nieder und lässt die Seele baumeln. Christian Puttin, Angestellter bei der Bundeswehr, sagt: „Uns gefällt die Lokation hier sehr gut. Kinder können hier ausreiten und man selbst hat auch mal die Ruhe, ein Buch zu lesen.“ Wenn denn nicht einer der vielen Tagesausflüge ansteht. Heidelinde Puttin sagt: „Es ist ein guter Ausgangspunkt, um die vielen Angebote im Naturpark Lüneburger Heide zu nutzen. Wir fahren aber auch mal nach Hamburg, Lüneburg oder Lauenburg.“

„Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen: Denn das Glück ist immer da.“
Johann Wolfgang von Goethe

Auf die Urlaubsregion rund um Amelinghausen war die Familie einst aufmerksam geworden wegen der vielen Freizeitparks in der Nähe, vom Heide-Park, über den Vogelpark Walsrode bis hin zum Serengeti-Park bei Hodenhagen. Er sagt: „Und auch der Weg nach Bispingen mit seinen vielen Freizeitangeboten ist nicht weit. Wir fahren aber oft auch in die ruhigeren Heidedörfer wie Döhle, dort ist es nicht so überlaufen.“ Zudem wissen sie die gastronomischen Angebote in und rund um Amelinghausen zu schätzen. „Wir gehen gerne in den Landgasthöfen zum Essen“, sagen beide unisono. Zudem unternehmen sie gerne Spaziergänge rund um den Lopausee bei Amelinghausen, gehen im Waldbad Amelinghausen schwimmen oder besuchen das von Heide umrahmte Steingräberfeld in der Oldendorfer Totenstatt. Er sagt: „Die Heide fängt schon prächtig an zu blühen.“ Und ihnen ist bereits jetzt klar: der nächste Urlaub in Wohlenbüttel ist schon wieder reserviert.

Gastgeberin Ulrike Stegen freut sich über die immer wiederkehrenden Stammgäste aus Straußberg: „Sie gehören schon zur Familie, über die Jahre ist eine tolle Freundschaft entstanden“, sagt sie. Insgesamt machen Stammgäste grundsätzlich einen Großteil der Buchungen auf dem Hof aus. Und tatsächlich sind die Ferienwohnungen aktuell ausgebucht bis Anfang September. Das ist zumindest ein Lichtblick, nachdem die zurückliegende Ostersaison wegen der Corona-Einschränkungen komplett ausgefallen war.

Mehr junge Leute entdecken die Heideregion für sich

Da wegen der Corona-Krise Auslandsreisen vielfach Beschränkungen unterliegen, entdeckt derweil auch eine jüngere Zielgruppe gerade die Lüneburger Heide neu. Ulrich von dem Bruch, Cheftouristiker der Lüneburger Heide GmbH, sagt: „Wir stellen in der Heideregion jetzt einen ganz anderen Gästemix fest. Wir haben deutlich mehr junge Leute in der Altersgruppe zwischen 18 und 34.“ Allerdings sei es noch zu früh, zu beurteilen, ob die Beherbergungsbetriebe in der Heide von dem Trend für Deutschlandreisen profitieren, „denn die Öffnung kam zu einer Phase, in der wir sowieso immer ausgebucht sind“.

Von Dennis Thomas