Donnerstag , 24. September 2020
Noch ist der Imbiss vor den Produktionshallen im Industriegebiet Hafen nicht für den Dreh eingerichtet, doch er wird Arbeitsplatz für Ludger Burmann werden. Die Rosen-Texte sind auch einfacher als die von Günter Grass, findet er: „Bei ihm gibt es schon mal Sätze, bei denen erst nach drei Seiten der Punkt kommt.“ Foto: Michael Behns

Das bewegte Leben nach dem Serientod

Lüneburg. Dafür, dass er vor wenigen Monaten gestorben ist, macht Ludger Burmann einen höchst vitalen Eindruck. Wenige Wochen, nachdem er als Geist eine Quasi-Wiederauferstehung erlebte, ist er nun ganz zurück in Lüneburg – quicklebendig, mit Leib und Seele. Möglich macht es sein Beruf. Der 64-Jährige musste lediglich den Serientod als Willy Berger sterben, im realen Leben erfreut sich der Schauspieler bester Gesundheit. Davon können sich bald auch die Rosen-Fans überzeugen, denn Burmann ist jetzt in die Serie zurückgekehrt– als Walter Berger, Bruder des Verstorbenen.

Autoren müssen Fehler eingestehen

Es war wohl nicht die beste Entscheidung, den Mann, den Fernsehzuschauer auch aus Serien wie „Der Fahnder“ oder Filmen wie „Fußball ist unser Leben“ kennen, aus der Serie zu schreiben. Er hatte seit 2016 zwar immer nur kurze Gastspiele, doch Burmann kam gut an bei den Zuschauern. In den Fanforen und auf den offiziellen Rosen-Seiten in den sozialen Medien gab es unmittelbar nach dem Serientod viele Stimmen, die das Ruhrpott-Original vermissten. Die Macher der Telenovela räumten ihren Fehler ein und klingelten bei Burmann an. In gewohnt klarer Sprache gibt der den Kern des Dialogs wieder: „Sie haben gesagt, es war scheiße, dass wir Dich haben sterben lassen.“ Doch die Fernsehwelt bietet schließlich andere Möglichkeiten als die reale. Das zeigten einst schon die Macher von Dallas, als sie Patrick Duffy als Bobby Ewing erst sterben ließen, ehe er später wieder mit seinem Bruder J.R. streiten durfte – die ganze Staffel war plötzlich nur ein Traum.

Zwischengastspiel als Geist

Die Rosen-Macher wählen einen etwas anderen Weg, hier darf Burmann nun – nach einem ersten Zwischengastspiel als Geist – in einer neuen Rolle wieder mitwirken. Mit Vollbart und weniger Pott-Sprache wird er zu dessen Bruder, der mit 20 in die USA ausgewandert war und den es nun wieder nach Deutschland zieht. „Er ist aber ganz anders als der bodenständige Willy“, beschreibt Burmann seine neue Rolle: „Er war fünfmal verheiratet, hat sechs, sieben oder acht Kinder und baggert trotz seines Alters immer noch an den Mädels.“

Burmann wird zudem mehr Präsenz bekommen als in seiner alten Rolle, unter anderem wird eine Imbissbude sein Arbeitsplatz – so viel darf an dieser Stelle schon verraten werden.

Für seine Rückkehr in neuer Rolle hat sich der BVB-Fan extra einen Bart stehen lassen. „Zwar erschrecke ich mich inzwischen nicht mehr morgens beim Blick in den Spiegel, aber gerne trage ich den nicht. Dabei sagen mir viele: ,Der Bart steht Dir‘.“

Die vielen Cafés und Kneipen gefallen ihm

Lüneburg kennt Ludger Burmann, der auch als Trauerredner arbeitet, Seminare für Priester anbietet, Texte von Günter Grass vorträgt oder spezielle Weihnachtslesungen veranstaltet, zwar schon ganz gut, doch gerade erst hat er sich wieder mal umgesehen in der Stadt und für sich Neues entdeckt. „Ich war in Schröders Garten direkt an der Ilmenau, das hat mir – wie überhaupt viele Cafés und Kneipen hier – sehr gut gefallen.“

Sein Vertrag gilt zunächst mal für die nächste Staffel. Doch wenn er weiter so gut ankommt bei den Zuschauern, scheint ein längeres Serienleben diesmal nicht ausgeschlossen.

Von Alexander Hempelmann