Donnerstag , 24. September 2020
Im Laufe des zweiten Quartals 2021 soll die dann fertige Halle an den Landkreis übergeben werden. Derzeit liegen die Baukosten weiterhin bei 21,4 Millionen Euro. Foto: be

Arena weiter im Plan

Lüneburg. Im Kreishaus blickt man in diesen Tagen gespannt auf den täglichen Posteingang. „Wir rechnen jeden Tag mit einer Nachricht vom Amtsgericht“, sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann. Der begehrte Inhalt des Kuverts: Die amtliche Bestätigung der kreiseigenen Betreibergesellschaft für die Arena Lüneburger Land.

Sobald diese eingetroffen ist, setzt sich eine Kette in Bewegung, die für das künftige „Innenleben“ der Sport- und Eventhalle ganz entscheidend ist. „Sobald die Handlungsfähigkeit der Gesellschaft offiziell hergestellt ist, wird die europaweite Ausschreibung innerhalb von einer Woche veröffentlicht“, erläutert Holzmann. Ab diesem Zeitpunkt läuft dann die 30-tägige Ausschreibungsfrist. Danach müssen die unterschiedlichen Angebote bewertet werden.

Die Zeit drängt. Ende Mai hatte der Kreisausschuss die Ausschreibungsunterlagen für den Dienstleistervertrag des Hallenbetriebs und den Pachtvertrag für die Gastronomie bestätigt. Schon zu diesem Zeitpunkt war man im Zeitverzug, denn ursprünglich sollten die Verträge vor der Sommerpause unterschrieben werden, da ein Jahr Vorlaufzeit für eine Halle als branchenüblich gilt.

„Noch bewegen wir uns im Zeitplan“

Zuletzt hieß es, der Kreistag werde in seiner Sitzung am 28. September die endgültigen Partner für den Betrieb und das Catering beschließen. „Noch bewegen wir uns im Zeitplan“, betont die Kreissprecherin. Falls der aus den Fugen gerät, wäre eine weitere Sondersitzung wegen der Arena nötig, denn regulär kommen die Kreistagsmitglieder erst wieder Mitte November zusammen.

Die Zeitverzögerung sieht man im Kreishaus auch angesichts der Corona-Pandemie noch gelassen. Derzeit ist an Großveranstaltungen ohnehin nicht zu denken. Was deren Zahl angeht, sind in den Vertragsunterlagen – auch vor dem Hintergrund von Corona – zunächst einmal niedrigere Zahlen angesetzt als im ersten Betreibervertrag.

Die Frage, ob damit das jährliche Kostenrisiko für den Landkreis als Betreiber der Halle dadurch steigen würde, beantwortet die Kreisverwaltung so: „Die Verträge sind so gestaltet, dass das Risiko des Landkreises auf ein Minimum begrenzt wird. Unabhängig davon gibt es Marktrisiken, die weder vom Betreiber noch vom Landkreis beeinflusst werden können.“

21,4 Millionen Euro Baukosten

Es dürfte die nächste spannende Frage sein, wer sich an der europaweiten Ausschreibung beteiligt. In Teilen der Kreispolitik geht man davon aus, dass die Campus Management GmbH, mit der der Landkreis ja den inzwischen gekündigten ersten Betreibervertrag geschlossen hatte, aus wettbewerbsrechtlichen Gründen kein Angebot abgeben dürfe. Dem widerspricht Holzmann: „Das Unternehmen darf sich selbstverständlich wieder bewerben, es gibt hier keine wettbewerbsrechtlichen Hinderungsgründe.“

Im Laufe des zweiten Quartals 2021 soll der fertige Bau an den Landkreis übergeben werden. Diese Terminkette könnten derzeit nach Ansicht der Projektsteuerer lediglich eine zweite Corona-Welle oder weitere Forderungen nach Nachbesserungen gefährden.

Auch die 21,4 Millionen Euro Baukosten (ohne Steuern) sollen gehalten werden. Allerdings gibt es aktuell einen Fall, wo ein Gewerk eine mittlere sechsstellige Summe nachfordert. Die Verwaltung hat den Fall inzwischen geprüft. „Die Verhandlungen laufen“, sagt Holzmann dazu und unterstreicht: „Es handelt sich weiterhin nur um ein Budgetrisiko, über das wir den Kreisausschuss aus Transparenzgründen informiert haben.“ Das bedeutet übersetzt: Noch ist alles im Kostenrahmen, es kann aber auch anders kommen.

Von Marc Rath

34-Jähriger erleidet viele Knochenbrüche

Verletzungen nicht lebensbedrohlich

Der Dachdecker, der am Dienstag auf der Arena-Baustelle 17 Meter in die Tiefe gestürzt ist, schwebt offenbar nicht in Lebensgefahr: Er habe zwar eine Vielzahl von Knochenbrüchen erlitten, jedoch keine lebensbedrohlichen Verletzungen, informierte Hans-Richard Maul, Servicebereichsleiter in der Kreisverwaltung, am Donnerstagnachmittag die Mitglieder des Kreis-Hochbauausschusses. Offenbar hatte der 34-Jährige Glück im Unglück: Er fiel nicht auf die harte Betonplatte, sondern einen ausgelegten weicheren Untergrund.

Nach dem Sturz, den zwei Kollegen mit ansehen mussten, waren die Bauarbeiten am Dienstag zunächst abgebrochen worden, das Gewerbeaufsichtsamt übernahm die Ermittlungen. Die Aufsicht habe einen „zufriedenstellenden Eindruck von den vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen“, erklärte Maul im Ausschuss, die Kontrolleure sahen keine Veranlassung, die Bauarbeiten vorübergehend zu untersagen. „Es war alles gewährleistet, was erforderlich war“, sagte Maul. Seit Mittwoch läuft der Betrieb wieder planmäßig. tm

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