Montag , 26. Oktober 2020
Zum Vorstand der Landjugend Amelinghausen gehören (v.l.) Gerrit Hassebrauck, Wienke Köhler, Christopher Müller, Leonie Laryea, Mareike Borkowsi, Hannes Dittmer und Lennart Koch. Auf dem Bild fehlen: Arne Beecken und Lea-Sophie Gellermann. Foto: t&w

Dorfbewohner bevorzugt

Amelinghausen. Die „Landjugend Amelinghausen“ erlebt seit einiger Zeit einen Aufschwung: Mehr als 80 junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren zählen derzeit zu der lockeren Organisation, die vor allem das gesellschaftliche Miteinander der jüngeren Generation auf den Dörfern fördert. Und zwar über Amelinghausen hinaus. Dabei ist der Name „Landjugend Amelinghausen“ auch ein Versprechen: Legendär waren die Feten der 1970er-Jahre, als noch Tanzkapellen über die Dörfer tingelten. Und ohne diese Kontaktbörsen würde es vermutlich manchen Vertreter der aktuellen Landjugend-Generation gar nicht geben, die heute übrigens nicht nur Party im Kopf haben – aber auch.

Im Kreis Lüneburg werden vom Landesverband der Niedersächsischen Landjugend derzeit vier aktive Ortsgruppen verzeichnet: Neben Amelinghausen und der auch in den vergangenen Jahren immer wieder recht agilen Gruppe in Radegast mehren sich wieder die Lebenszeichen der Landjugend Bardowick, die im vorigen Herbst nach dem Neustart ihre erste größere Veranstaltung im Forsthaus abhielt. Weitere geplante Feste mussten zuletzt wegen Corona aber ausfallen. Allein die Landjugend Thomasburg-Ellringen hielt sich zuletzt wieder mit einer gemeinsamen Bierverkostung und später mit einem Wein-Tasting bei Laune.

Auch die Amelinghausener trauern noch ihrer abgesagten „Tanz in den Mai“-Party nach. Aber sie blicken bereits nach vorne. Die erste gemeinsame Aktion wird die Beteiligung an dem dieses Jahr coronabedingt reduzierten Heideblütenfest in Amelinghausen sein. Leonie Laryea (20), Vorstandsmitglied bei der Landjugend, sagt: „Wir werden einen kleinen Motivwagen gestalten.“ Sie selbst ist aktuell Amelinghausens amtierende Heidekönigin und als Erzieherin der lebende Beweis, dass Mitglieder nicht zwangsläufig in der Landwirtschaft arbeiten müssen. „Aber man sollte vom Dorf kommen“, sagt sie. „Wir sehen viele Dinge anders.“

Andere Sichtweisen als Gleichaltrige aus der Stadt

Christopher Müller (29) aus Südergellersen sagt zur unterschiedlichen Sichtweise: „Junge Erwachsene aus der Stadt empfinden zum Beispiel Regen erstmal als schlechtes Wetter. Wir freuen uns aber, weil wir ein Bewusstsein dafür haben, was das für die Natur und damit für die Landwirte bedeutet.“

Für Hannes Dittmer (23) aus Westergellersen ist zudem der Zusammenhalt besonders wichtig und das gemeinsame Wissen, dass Landleben mehr bedeutet als schlechte Busverbindungen. Wienke Köhler (25) aus Dachtmissen sagt: „Außerdem haben wir alle einen Führerschein und können uns im Zweifelsfall gegenseitig einsammeln, wenn wir irgendwo hinwollen.“

Vor allem in der jüngeren Vergangenheit erfreut sich die Landjugend Amelinghausen zunehmender Beliebtheit. Gerrit Hassebrauck (27) aus Rehlingen ist damals mit 16 Jahren eingetreten: „Da waren wir gerade mal zu zwölft.“ Aktuell tummeln sich in der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe der Landjugend rund 80 Mitglieder. In Corona-Zeiten ist der digitale Austausch über den Messenger-Dienst besonders wichtig.

Viele von ihnen hoffen auf ein baldiges Ende der Corona-Krise, um wieder durchstarten zu können. Sie wollen sich einsetzen, sei es ehrenamtlich bei der Mitorganisation beim Tag des offenen Hofes bis hin zur Repräsentation der Region bei der Grünen Woche in Berlin. Und vielleicht klappt es auch bald wieder mit einer großen Party, um gemeinsam anzustoßen auf den Zusammenhalt auf dem Dorf.

Von Dennis Thomas