Freitag , 2. Oktober 2020
Auch die Untersuchung von Spielwaren gehört zum Aufgabenfeld des Instituts, das Astrid Rohrdanz viele Jahre geleitet hat. Foto: t&w

Chefin der Kontrolleure

Lüneburg. Ihr Dienstzimmer ist stattlich. Über 52 Quadratmeter erstreckt es sich und dürfte damit wohl einen der obersten Plätze im Dienstzimmer-Ranking Niedersachsens einnehmen, vermutet Astrid Rohrdanz mit einem Augenzwinkern. Lange aber wird sich die Leiterin des Instituts für Bedarfsgegenstände (IfB) in Lüneburg daran nicht mehr erfreuen können. Ende August tritt sie ihren Ruhestand an.

Wichtig sei ihr die Größe nie gewesen, sagt Rohrdanz. Die Raummaße habe einer ihrer Vorgänger festgelegt, als das Institut noch Staatliches Medizinaluntersuchungsamt hieß und 1987 wegen Platzmangels vom Wilschenbrucher Weg in das Gebäude im Behördenzentrum Auf der Hude wechselte.

Fünf Jahre später kam die promovierte Lebensmittelchemikerin zum IfB, zunächst aber nur mit einer halben Zeitstelle. Ihr Aufgabenschwerpunkt war die Untersuchung von Fetten, Ölen und Gemüse nach möglichen Schadstoffen. Aus der halben wurde eine volle Stelle, sie selbst 1999 zur stellvertretenden Leiterin. 2006 schließlich übernahm sie die Leitung des Instituts, das dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) zugeordnet ist.

„Bekannt wie die Stiftung Warentest waren wir nie“, sagt Rohrdanz und erklärt es mit anderen Aufgabenstellungen ihres Hauses. Zwar informiert das Ins-titut regelmäßig über neue Erkenntnisse und durchgeführte Untersuchungen an Produkten – zuletzt im Juli über Sonnenschutzmittel für Babys und Kinder –, der Schwerpunkt liege aber in der Gefahrenabwehr.

Dazu überprüft das IfB nicht nur die Einhaltung von Grenzwerten, sondern ist auch an deren Festlegung beteiligt. Als jüngste Beispiele nennt Rohrdanz die inzwischen auch in Deutschland verbreiteten Bienenwachstücher oder Becher und Bestecke aus Bambus. Bei Letzteren wurde im Rahmen einer IfB-Untersuchung Melaminharz nachgewiesen, ein Kunststoff, der das krebserregende Formaldehyd abgeben kann.

„Spannend waren die Castor-Transporte“

17 000 Untersuchungen fanden in den IfB-Laboren jährlich statt, wovon auch andere Bundesländer profitieren. Denn im Rahmen der Norddeutschen Kooperation übernimmt das Institut wichtige Schwerpunktuntersuchungen auch für Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Bremen. Weil Untersuchungen und Geräte immer teurer würden, trage das Institut so dazu bei, die Kosten nicht ausufern zu lassen.

Auch wenn die Arbeit am Institut eher wissenschaftlich geprägt ist, spannende Zeiten habe es auch gegeben. „Etwa bei den Castor-Transporten“, erinnert sich Astrid Rohrdanz. Ihre Mitarbeiter mussten das Trinkwasser in den Unterkünften für die Polizei untersuchen, „das musste damals alles sehr schnell gehen“.

Rückblickend freut sie sich, dass dem Aufgabengebiet ihres Instituts in den vergangenen 27 Jahren mehr und mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Allerdings gebe es noch einiges zu tun, etwa bei der Kontrolle von Produkten, die per Internet aus dem außereuropäischen Markt eingeführt werden. Zwar laufe die Zusammenarbeit mit dem Zoll gut, „aber das Thema ist noch nicht zuende“.

Das darf ab September dann ihr bisheriger Stellvertreter Oliver Schmidt übernehmen. Sie selbst will dann „erstmal zu Hause ankommen“.

Von Ulf Stüwe