Samstag , 24. Oktober 2020
Im Rahmen eines Ferienangebotes vom Museum Lüneburg „pilgerten“ zehn Kinder von Lüneburg nach Bardowick. Foto: t&w

Pilgern für Anfänger

Lüneburg. Ihre erste Tour mussten die kleinen Nachwuchs-Pilger aus Lüneburg gleich unter extremen Bedingungen absolvieren: Bei mehr als 30 Grad Celsius wanderten zehn Kinder im Alter von neun bis dreizehn Jahren mit dem Stadtarchäologen Edgar Ring vom Museum Lüneburg zum Nikolaihof in Bardowick. Um 9.30 Uhr stapften sie los und erreichten ganz nach Zeitplan um 12 Uhr unter Begleitung einer feierlichen Dudelsack-Fanfare ihr Ziel. Abgekämpft sahen sie aus, aber glücklich.

Anlass für die Odyssee war ein Ferienangebot des Museums Lüneburg. Seit Ende Juli ist dort die Ausstellung „Von Lüneburg an das Ende der Welt“ zu sehen. Die Ausstellung widmet sich den Pilgerreisen zu den berühmten Fernwallfahrtsstätten in Santiago de Compostela, Rom und Jerusalem. Museumspädagogin Ursula Detje und Edgar Ring nahmen sich nun eine Woche Zeit, um Kindern die Hintergründe des Pilgerns und das, was die Menschen im Mittelalter bewegte, spielerisch näherzubringen. „Das ist ja heute schwer vorstellbar, was damals an einer Pilgerreise dranhing, welche Gefahren so eine Reise barg“, sagt Detje. „Da haben die Pilgerer zuvor ihr Testament gemacht, weil sie davon ausgehen mussten, nicht wieder heil zurückzukommen. Inzwischen setzen sich viele Menschen ins Flugzeug nach Frankreich, wandern dort ein bisschen auf dem Jakobsweg wie es ihnen beliebt und setzen sich ins Flugzeug zurück.“

Die Kinder konnten sich im Laufe der Woche nicht nur nach Lust und Laune in der Ausstellung umschauen und den Experten Löcher in den Bauch fragen, sondern in Workshops auch selbst die Ausrüstung für ihre eigene Pilgerreise herstellen. So schnitzten sie zum Beispiel Pilgerstöcke und benähten Stofftaschen mit Muscheln.

Wanderung als Wochen-Höhepunkt

Höhepunkt war für viele die Tour nach Bardowick. „Bei der Hitze haben wir natürlich viel Rast gemacht, uns auch mal an der Ilmenau erfrischt.“ Dem Zwölfjährigen Frederic reichte es nicht, nur seine Füße im Wasser baumeln zu lassen, er sprang direkt hinein ins Wasser. Mit einem halben Köpper, wie die anderen Kindern anerkennend berichten.

Ein tolles Projekt sei das gewesen, alles wunderbar, sagt der mutige Schwimmer. Die zehnjährige Bianca freut sich am meisten über ihre schicke Tasche und den Pilgerstock, für die neunjährige Mina war die Wanderung das größte Highlight. „Ich bin noch nie gepilgert. Es war ganz schön anstrengend, aber hat auch richtig Spaß gemacht mit den Päuschen und den Erfrischungen.“

Nachdem die tapferen Wanderer die Kühle im Dom genossen und sich unter anderem in der Bücherei Stempel für ihren Pilger-Pass abholten, ging es mit dem Bus zurück nach Lüneburg.

Eigentlich hätten mehr Kinder an der spannenden Woche teilnehmen sollen, wegen der Corona-Krise musste die Zahl reduziert werden. Auch die übliche Einladung der Eltern ins Museum am letzten Tag, musste in diesem Jahr ausfallen. Detje: „Als Ersatz dafür bekommen die Eltern einen Gutschein, um sich noch einmal von ihren Kindern alles zeigen zu lassen.“

Die Kosten für das einmalige Programm schulterte das Museum Lüneburg ganz allein, für die Teilnehmer wurde nur ein Unkostenbeitrag für das Essen in Höhe von 25 Euro pro Nase für die ganze Woche fällig.

„Diese Woche war ein voller Erfolg“, lautet Edgar Rings Fazit. „Den Kindern hat es richtig Spaß gemacht und für uns alle war es ein kleines Abenteuer.“

Die Pilger-Ausstellung ist noch bis zum 1. November 2020 im Museum Lüneburg zu sehen.

Von Lea Schulze