Montag , 28. September 2020
Der Nabu möchte die entlaufene Kuh möglichst einfangen und auf einen Gnadenhof bringen. Foto: privat

Hilfe für die entlaufene Kuh

Lüneburg. Der entlaufenen Kuh in der Samtgemeinde Ostheide will nun Lüneburgs Nabu-Kreisvorsitzender Thomas Mitschke zu Hilfe eilen. Nach dem LZ-Bericht am Wochenende startete er auf seiner Facebook-Seite zunächst einen breit angelegten Aufruf für eine Rettungsaktion, um die Rot-Bunte vor dem Abschuss zu bewahren. Zuletzt kündigte Mitschke sogar an: „Die Kuh wird durch erfahrene Westernreiter, welche sich auf das Einfangen spezialisiert haben, in den nächsten Tagen geborgen werden.“ Eigentümer und Landwirt Hans-Günter Meyer freut sich über die Unterstützung, bleibt aber skeptisch. An einer bereits vorliegenden Sondergenehmigung zum Abschuss will er als Plan-B festhalten.

Doch da dem Nutztier im Falle einer Rückkehr auf den heimischen Hof ohnehin die Schlachtbank droht, sucht Mitschke auch noch nach einem Gnadenhof, der das Tier aufnimmt. Es gäbe bereits erste Angebote, das Tier zu übernehmen, hieß es am Montag auf Mitschkes Facebook-Seite. Der Weg ist in jedem Fall vorgezeichnet, dass die Kuh nicht mehr in ihr altes Leben zurückkehren wird, da das Tier nach der relativen langen Zeit im Wald für die normale Weidetierhaltung nicht mehr geeignet ist.

Wie berichtet, streift die zwei Jahre alte Kuh seit Wochen durch den Forst zwischen Reins­torf und Volkstorf. Erst am Montagwurde sie laut Meyer erneut gesichtet, von einem Autofahrer bei Volkstorf in der Nähe zur Bundesstraße. Ein Abschuss wird in Betracht gezogen, da bisherige Versuche zum Einfangen fehlschlugen und das mehrere Hundert Kilo schwere Tier eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellt.

Landwirt bleibt skeptisch

Mitschke teilte nun auf seiner Facebook-Seite mit, dass sich Vertreter des Vereins Rinderhirten aus Hagen in NRW bei ihm gemeldet hätten. Sie betreiben im Ruhrgebiet Weidetierhaltung zu Pferd, und seien bereit, in der Ostheide zu helfen, heißt es. „Die sind spezialisiert auf das Einfangen von Kühen. Deswegen wird es keine Menschenketten in dem Wald geben, um die Kuh einzufangen. Sondern die werden sich behutsam zu Pferd dem Tier nähern“, sagte Mitschke am Montagabend auf LZ-Nachfrage.

Landwirt Meyer bleibt skeptisch. „Noch bin ich als Halter haftbar. Ich habe nichts dagegen, dass Herr Mitschke eine Rettungsaktion organisiert. Aber dann müssen wir vorher klären, wer die Kosten übernimmt und er kann nicht einfach fremden Grund und Boden betreten. Dafür müssen wir vorher mindestens ein klärendes Gespräch führen.“ Und: „Er kann das Rind retten, aber dann übernimmt er auch alle Rechte und Pflichten, wenn er da mit seinen Westernreitern durch die Gegend bürsten will. Und das will ich dann vorher schriftlich haben.“ Mitschke will das Gespräch suchen und nach eigener Auskunft „gegebenenfalls Spenden sammeln, um die Kuh nachher auf einem Gnadenhof unterzubringen“. Auf seiner Facebook-Seite machte Mitschke deutlich, welche Bedeutung das Ganze für ihn und andere Tierschützer hat: „Es geht nicht mehr nur ganz banal um eine Kuh, denn diese hat jetzt einen Namen: Waldfee.“

Von Dennis Thomas

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