Donnerstag , 24. September 2020

Vergeuden nicht erlauben

Die Sache ist klar, es gibt keine Grauzone: Trinkwasser ist die wichtigste Ressource der Welt. Kein Wasser, kein Leben. In immer mehr Regionen der Erde wird diese Ressource mit Waffengewalt verteidigt. Oder in Kriegen erobert. In Deutschland ist es dagegen noch einfach: Wasser gehört den Kommunen, den Städten. In der Region Lüneburg sollte es noch einfacher sein: Das qualitativ herausragende Wasser ist ein Schatz, den es zu hüten gilt. Und nicht zu verscherbeln. Oder zu verschwenden.

Es stimmt zwar, dass die Trinkwasserversorgung der Stadt auch im dritten Hitzesommer hintereinander unbedenklich ist. Es stimmt aber auch, dass die Lage in manchen anderen Nachbar-Kommunen bereits angespannt ist. Ausgerechnet in dieser Situation bereitet die Coca-Cola-Tochter Apollinaris Brands den „Pumpversuch“ für den dritten Vio-Brunnen vor. 118 Millionen Liter Wasser sollen gefördert werden. Und dann im Bachlauf des „Kranken Hinrich“ Richtung Lüneburg versickern. Krank daran ist nicht Hinrich, sondern die extreme Wasserverschwendung. 118 Millionen Liter Wasser entsprechen bei einem durchschnittlichen täglichen Pro-Kopf-Verbrauch von 126 Litern dem Jahresverbrauch einer Kommunen mit mehr als 2500 Einwohnern.

Was den Pumpversuch nicht besser macht, sind Befürchtungen von Experten, dass sich eine größere, dauerhafte Wasserentnahme in einem Umkreis von rund 30 Quadratkilometern unterirdisch auswirken und schlimmstenfalls in sogenannten hydraulischen Fenstern zu Absenkungen führen könnte. Gut, Lüneburg mag Erfahrungen mit Absenkungen haben. Und natürlich wird erst im Herbst fleißig Wasser hochgepumpt, um es versickern zu lassen. Vielleicht regnet es bis dahin ja noch ein paar Mal, damit das Entsetzen nicht ganz so groß ausfällt.

Vielleicht hilft aber auch eine kleine Rechnung: Ein Liter Vio still kosten im Supermarkt um die 77 Cent, 1000 Liter also 777 Euro. Der Konzern selbst bezahlt für diese Menge 9 Cent. Man muss die Gewinnspanne nicht ausrechnen, um das Verlustgeschäft für die Gesellschaft zu dokumentieren. Niemand sollte solche Geschäfte zulassen. Keiner sollte die lebenswichtige Ressource Wasser verschwenden. Das gilt übrigens nicht nur für einen Konzern, sondern für jeden Bürger. Pools im Garten sollten nicht mit Trinkwasser gefüllt werden. Man kann schließlich auch Vio still nehmen. Ist der Pool zwei mal vier Meter groß und 1,5 Meter tief, passen 12 000 Liter rein. Das ergibt 9240 Euro. In Vio-Währung. Für eine Füllung.

Von Werner Kolbe