Samstag , 26. September 2020
Amke Baum und Bert Pein sind unterwegs in der Natur. Foto: privat

Eine Frage der Einstellung

Lüneburg. „Was ist möglich und was geht?“ Amke Baum und Bert Pein stellen sich diese Frage nicht – sie beantworten sie. Gemeinsam sind die beiden querschnittsgelähmten Berater der unabhängigen Teilhabeberatungsstelle (EUTB) aus Lüneburg jetzt an die Elbe gefahren, um Menschen mit und ohne Behinderung zu zeigen, welche Wege der Selbstbestimmung sich bieten können und welche Aktivitäten auch in Corona-Zeiten umsetzbar sind. Gut zehn Kilometer haben sie mit ihren Handbikes bezwungen – und viel für sich gewonnen.

„Inmitten der Natur zu sein, ist ein Erlebnis, was sich mir nicht immer bietet“, sagt Amke Baum, „aber hier auf dem Deich ist der Weg eben, auch ich habe trotz meiner sitzenden Position einen guten Blick, kann mich auspowern und trotzdem mit allen anderen mithalten. Das tut gut.“ Vor gut 20 Jahren hatte die junge Mutter einen Verkehrsunfall, ist seitdem auf Assistenz und Rollstuhl angewiesen. Das Schicksal hat sie stark beeinträchtigt, aber nicht aus der Bahn geworfen – ihren Weg ist sie trotzdem gegangen. Wie Bert Pein. Im Alter von 23 Jahren legte ein Motorradunfall seine Mobilität lahm – aber nicht seine Zielstrebigkeit: Ob beruflich, sportlich oder privat, der Barendorfer ist überall aktiv, reist um die Welt, arbeitete als Handicap-Tourenplaner in Kanada, machte später eine Ausbildung zum Fahrsicherheitstrainer für Offroad Pkw und Handicaped All Terrain Vehicel, ist selbstständig als Mobilitätsberater tätig und unterstützt die EUTB ehrenamtlich bei Fragen rund um das Thema Umrüstung von Fahrzeugen.

Wie Amke Baum ist auch Bert Pein gerne in der Natur – und gerne mit dem Handbike unterwegs, und auch für ihn spielt Selbstbestimmung eine wichtige Rolle: „Teilhaben bedeutet, in einer Lebenssituation nicht ausgeschlossen zu werden, sondern Zugang zu ihr zu bekommen“, sagt er. Deshalb kümmert er sich.

Ehrenamtliche Hilfe für andere Menschen

Gemeinsam mit anderen sogenannten Peers, Personen, die sich in vergleichbaren Situationen befinden und ähnliche Erfahrungen gemacht haben, engagiert sich der Barendorfer bei der EUTB, Amke Baum hat hier eine Teilzeitstelle. Beide wollen anderen Menschen, die mit Behinderungen leben, oder auch deren Angehörigen helfen, sie beraten. Die Lüneburgerin erklärt: „Wir sind Ansprechpartner für jede Thematik der Teilhabe. Bei uns ist jeder richtig, der Fragen hat.“ Denn das ist das Konzept der neuen Beratungsstellen: Sie sind unabhängig, von keinem Kostenträger finanziert oder unterstützt und schließen seit ihrer Gründung vor zwei Jahre die Lücke zwischen Ämtern und Trägern. „Ob es um die Beantragung von Rollstühlen oder Handbikes geht, um Pflegestufen oder Assistenzen, um die kostenfreie Nutzung von Bus oder Bahn oder Möglichkeiten der Rehabilitation – wir sind immer auf der Seite der Ratsuchenden“, sagt Amke Baum.

Gut 500 EUTBs existieren in Deutschland, allein zwei in der Stadt Lüneburg. „Wir hier Beim Benedikt sind ein gutes Team, wir bringen verschiedene Erfahrungshintergründe und Fachwissen durch unterschiedliche Berufserfahrungen mit ein“, sagen beide. Das Team, das sind neben ihnen auch die hauptamtlich tätigen Frank Bock und Beate Schlüter.

Wer Fragen zum Thema hat, wendet sich an die EUTB unter (04131) 2687194 (dienstags in der Zeit von 10 bis 12 und donnerstags von 14 bis 16 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung). Bei Bedarf sind auch Hausbesuche möglich.

Von Ute Lühr