Sonntag , 25. Oktober 2020
Der Gründungsrektor der Universität Lüneburg, Prof. Dr. Helmut de Rudder, in seiner Studierstube. (Foto: t&w)

Er schlug ein neues Kapitel auf

Lüneburg. So bewegt die Jahre auch waren, auf die Prof. Helmut de Rudder zurückblicken kann – er ist froh, dass er nie die Auswirkungen einer Seuche bewältigen musste, als er an der Spitze der Universität stand. Gestern feierte der Gründungsrektor der Uni Lüneburg seinen 90. Geburtstag. „Ruhig, denn 90 ist schon ein ganz schönes Alter“, sagte er. Am Nachmittag kamen „alte Freunde zu Kaffee und Kuchen vorbei“.

Am Hochschulleben in Zeiten von Corona findet der Geburtshelfer der Uni Lüneburg „erstaunlich, dass die Universitäten es ganz gut hinbekommen“. Wie sehr alles auf digitale Lehre umgestellt wird, erfährt er von seinem Sohn Steffen, der in Weimar an der Bauhaus-Uni eine Professur für Städtebau innehat. Er vermutet: „Die Lehre wird nie wieder so sein wie vorher. Digitale Vorlesungen und Seminare dürften der neue Standard sein.“

Besondere Beziehung zum Wilschenbrucher Weg 84

Helmut de Rudders Name bleibt in Lüneburg auf ewig verbunden mit dem Aufschlagen eines ganz neuen akademischen Kapitels. Er leitete die Uni von 1985 bis 1989, hob sie als Gründungsrektor maßgeblich aus der Taufe. „Es war meine große Aufgabe, dass die Hochschule überhaupt Universität wird.“

Zwar nimmt der 90-Jährige immer noch Anteil am Schicksal seiner Uni, liest etwa die Pressemitteilungen der Leuphana. „Aber natürlich rückt das Ganze immer weiter weg.“ So antwortet Helmut de Rudder auf die Frage, was er denn von den Plänen hält, das historische Uni-Gebäude am Wilschenbrucher Weg zu vermieten, zunächst: „Das kann ich schlecht beurteilen.“ Um dann doch zu ergänzen: „Ich wundere mich schon etwas, dass sie das als Hochschulgebäude aufgeben, weil es doch sonst immer heißt, sie bräuchten Platz.“ Zum Gebäude der Uni am Wilschenbrucher Weg 84 hat Helmut de Rudder eine besondere Beziehung: „Dort hatte ich mein Amtszimmer als Rektor – im Erdgeschoss.“ Ein Zimmer, in dem er zu Zeiten der Studentenbewegung heftigen Gegenwind abwettern musste. „Eines Tages waren Scheiben kaputt und auf meinem Stuhl lag ein Stein.“ Das war meine schlimmste Zeit.“

Befragt, wie es ihm heute geht, antwortet er: „Mir geht es gut. Aber meine Knie sind kaputt, und meine Frau sitzt im Rollstuhl.“

Ist die Mobilität als 90-Jähriger auch eingeschränkt, so bleibt der Stolz Helmut de Rudders doch ungebrochen, in der Geschichte der Uni den Staffelstab in einer entscheidenden Phase getragen und erfolgreich weitergereicht zu haben.

Von Joachim Zießler