Donnerstag , 24. September 2020
Das Wasserwerk Adendorf kam zuletzt an seine technische Leistungsgrenze. (Foto: phs)

Was wird aus dem Wasser?

Lüneburg. Die Stimmen mehren sich, die Kritik an der Grundwasserförderung durch Coca-Cola im Raum Lüneburg wird immer lauter. Am LZ-Lesertelefon beispielsweise meldete sich jetzt Gerd-Dieter Ebeling aus Adendorf zu Wort: „Es kann nicht sein, dass bei uns ein wertvolles Allgemeingut einfach verschleudert wird, und Coca-Cola vergoldet sich das.“ Angesichts drohender Trinkwasserknappheit sei das „Diebstahl an uns Bürgern“. Ebeling wünscht sich in der Sache mehr Engagement von der Politik. Das dachte sich auch die Lüneburger Bürgerinitiative „Unser Wasser“ um Bettina Schröder-Henning und Cornelia Höllger. Sie schrieben jetzt die Fraktionen im Lüneburger Kreistag an und fordern sie auf, das Thema Wassermanagement und Ressourcenschutz anzugehen. Auch im Lüneburger Stadtrat soll in die Sache nun Bewegung kommen.

Bislang zog sich die Lüneburger Kreisverwaltung auf die Position zurück, als Genehmigungsbehörde nach dem Gesetz zu prüfen, ob dem Förderantrag der Coca-Cola-Tochter Apollinaris-Brands andere Rechte entgegenstehen. Ansonsten habe der Konzern einen Rechtsanspruch auf die beantragte Fördermenge von bis zu 350 000 Kubikmetern pro Jahr am neuen Brunnen­standort bei Gut Brockwinkel in der Gemarkung Reppenstedt. Das ist die Sicht der Verwaltung. Eine breite politische Diskussion hat bislang dazu auch auf lokaler Ebene kaum stattgefunden. Das wandelt sich nun.

Die Rahmenbedingungen sind dramatisch. Die Landwirtschaft sieht sich dem dritten Dürrejahr in Folge gegenüber. Der öffentlichen Trinkwasserversorgung im ländlichen Raum droht teilweise der Kollaps, weil die Infrastruktur mit der erhöhten Wassernachfrage privater Haushalte immer schwerer mithalten kann. Und gleichzeitig stellt sich die Frage: Wie schonend gehen wir als Gesellschaft mit den wohl noch üppigen, aber in der Qualität endlichen Grundwasserressourcen rund um Lüneburg um?

Forderung nach mehr Regulierung bei Entnahme

Schröder-Henning von der Bürgerinitiative schreibt in einer E-Mail an die Kreistagsabgeordneten: „In dieser Lage einem Weltkonzern das Recht zu geben, jährlich 700 000 000 Liter fossiles Grundwasser für weitere 25 Jahre abzupumpen, halten wir für völlig unverständlich. Deshalb fordern wir eine vordringliche Befassung des Kreistages mit dem Thema neues Wassermanagement und Schutz der Trinkwasserressourcen, so wie es im WHG (Wasserhaushaltsgesetz) verankert ist.“ Die Zahl von 700 Millionen Litern ergibt sich übrigens aus der Summe der beantragten Fördermenge von 350  Millionen Litern am dritten Brunnenstandort zuzüglich der vorhandenen Wasserrechte der bereits im Betrieb befindlichen zwei Brunnen im Lüneburger Stadtgebiet. Die LZ bat die Kreistagsfraktionen nun ebenfalls um Stellungnahme.

Als Erste reagierte Petra Kruse-Runge von der Grünen-Fraktion: „Wir Grüne haben bereits mehrfach die Wasserthematik zur Sprache gebracht. Immer hieß es zu unseren Anträgen, das sei überzogen und das Wassermanagement sei unproblematisch. Dies stellt sich ja nun deutlich anders dar.“ Es führe kein Weg daran vorbei: „Die Politik muss Wasserentnahme und Wasserrückhaltung klar regulieren“. Und: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn die anderen Fraktionen sich endlich einen Ruck gäben und die Sicherung des Grundwassers einen anderen Stellenwert bekäme. Dies schließt eine kritischere Haltung zur Erlaubnis an Coca-Cola ein!“

Auf die Eingabe der Bürger­initiative antwortete für die CDU-Fraktion Günter Dubber. Dem Kreistag sei das Problem des Wassermanagements fraktionsübergreifend durchaus bewusst. Er verweist auf einen Runden Tisch, der auf Anregung des Umweltausschusses eingerichtet wurde, um mit Landwirten, Wasser- und Bodenverbänden das Thema aufzuarbeiten. Dubber weiter: „Ein anderes Problem stellt die Wasserentnahme für die bekannte Firma auf Kreisgebiet dar.“

Dubber: „Der Landkreis ist hier nur im Auftrag des Landes tätig, sodass für eine Beschlussfassung durch den Kreistag eigentlich kein Raum bleibt.“ Das Niedersächsische Wassergesetz regele die Voraussetzungen für eine Entnahme abschließend. Dubber weiter: „Hier wäre eine Gesetzesänderung erforderlich, um eine Entnahme zu gewerblichen Zwecken zumindest zu erschweren. Die Gesetzgebung hat auf die aktuellen Entwicklungen bisher nicht wirklich reagiert.“ Und: „Ich persönlich darf anmerken, dass hier außerdem eine Änderung im Verhalten der Verbraucher überfällig und wünschenswert wäre.“

Markus Graff von der Linksfraktion betont hingegen: „Die Forderungen der BI werden von uns voll umfänglich geteilt und unterstützt.“ Aber: „Hier gilt es, dicke Bretter zu bohren – wir sind bereit, und hier ergibt Bohren dann auch Sinn.“

Auch der Lüneburger Rat soll sich damit befassen

Indes kommt auch in der Lüneburger Stadtratspolitik das Thema demnächst auf die Agenda. Dafür sorgt jetzt Ulrich Blanck (Grüne) mit einer umfangreichen Anfrage an die Stadtverwaltung für die kommende Ratssitzung am 27. August. Blanck sagte jetzt gegenüber der LZ: „Jetzt reicht es. Vor dem Hintergrund von Wasserknappheit, zusammenbrechender Trinkwasserversorgungen in Niedersachsen und dem dritten Dürrejahr in Folge ist es nicht mehr nachvollziehbar, wenn Politik die Grundwasserförderung durch Coca-Cola unwidersprochen hinnimmt.“ Und er fügt an: „Der gesellschaftliche Mehrwert dieser Praxis erschließt sich mir nicht.“

Von Dennis Thomas