Sonntag , 20. September 2020
Der Feuerwehr-Flugdienst überwacht seit vorigem Freitag Wälder, Felder und Heideflächen aus der Luft. Foto: phs

Die Gefahr der trockenen Wälder

Lüneburg. Warnstufe vier wurde im Landkreis Lüneburg ausgelöst, die zweithöchste beim Waldbrandgefahrenindex. Doch die Situation ist derzeit noch gefährlicher, als es dieser anzeigt. Das sagt Helmut Beuke, Beauftragter für die Waldbrandfrüherkennung der Landesforsten.

„Wir haben seit über einer Woche 30 Grad und mehr, trockene Luft mit unter 30 Prozent Luftfeuchtigkeit und Wind. Das macht es so gefährlich“, erklärt er. Das finde sich momentan in dem täglich vom Deutschen Wetterdienst neu erstellten Index nicht wieder. „Die Parameter sind derzeit nicht scharf genug berechnet“, meint er.

Besonders trocken sei es im Kreis Lüneburg auf den Heideflächen bei Amelinghausen sowie an der Elbe im Bereich der Gemeinde Amt Neuhaus. Stufe 5 wurde unterdessen in einigen Regionen in den Nachbarkreisen ausgerufen: in Uelzen, Faßberg, Wittingen und Celle.

Obwohl die Vegetation in Wäldern, auf Feldern und an Bahndämmen knüppeltrocken ist, jeder Funkenflug den Bewuchs wie Zunder brennen lassen würde, sei bislang erstaunlich wenig passiert, erklärt Beuke. Dennoch herrsche die gleiche Gefährdungslage wie in den beiden vorigen Sommern, die trockener waren. „Allerdings mit weniger Bränden.“

Waldbrand in Rosche

Die regelmäßige Medienpräsenz der Waldbrandzentrale Lüneburg, wo die Aufnahmen von 20 Überwachungskameras ausgewertet werden, scheine zu wirken. Die Leute seien sensibilisiert für das Thema und entsprechend vorsichtig in der Natur unterwegs. „Außerdem sind wohl alle alten Mähdrescher bereits in den Vorjahren verbrannt, sodass es aktuell bei Erntearbeiten nur zu wenig Stoppelfeldbränden kommt“, ergänzt er augenzwinkernd. Und wegen Corona übe die Bundeswehr weniger, sodass es infolgedessen auf den Truppenübungsplätzen nicht so oft brennt.

Auch Kreisbrandmeister Torsten Hensel berichtet trotz starker Trockenheit von einer eher ruhigen Einsatzlage. Er ist Stützpunktleiter des Feuerwehrflugdienstes in Lüneburg. „Das Feuerwehrflugzeug startet seit vergangenem Freitag vom Lüneburger Flugplatz zu Überwachungsflügen zwischen Elbe und Heide“, sagt er.

Einen Waldbrand in Rosche (Landkreis Uelzen), ansonsten ein paar brennende Stoppelfelder und Strohpressen, unter anderem in Hankensbüttel im Kreis Gifhorn und Hitzacker im Kreis Lüchow-Dannenberg, seien seither aus der Luft entdeckt worden.

Der Feuerwehrflieger ist wegen des schon recht trockenen Frühjahrs in diesem Jahr bereits zu 15 Flügen gestartet. „23 waren es 2018, fünf im vergangenen Jahr“, berichtet Hensel. Wenn die Prognose eintreffen sollte, dann entspanne sich die Lage ab kommenden Freitag etwas, sagt er. „Es ist Regen angekündigt. Allerdings müssen wir abwarten, ob dieser auch tatsächlich fällt – und zwar flächendeckend“, ist er noch skeptisch.

Jedes Jahr wird trockener

Beim Blick auf die Statistik wird für Helmut Beuke klar, dass der Klimawandel an den Einsatztagen der Waldbrandzentrale in Lüneburg abzulesen sei. Sie wird besetzt ab der dritten Warnstufe. Zwischen 2011 und 2017 seien im Durchschnitt 50 Einsatztage mit 130 Alarmierungen notiert worden. „2018 waren es 130 Tage mit 500 Alarmierungen, 2019 dann 100 Tage mit 314 Alarmierungen und in diesem Jahr sind es jetzt schon 84 Tage mit 170 Alarmierungen. Daran lässt sich gut ablesen, dass es jedes Jahr trockener wird.“

Von den 20 Überwachungskameras an 17 Standorten, die ihre Bilder nach Lüneburg senden, stehen zwei im Landkreis Lüneburg: in Neetze und Kirchgellersen, zudem eine an der Kreisgrenze Uelzen in Bienenbüttel.

„Zwei weitere Kameras werden künftig dazugeschaltet, eine aus Mecklenburg-Vorpommern und eine aus Sachsen-Anhalt“, sagt Beuke, der sich freut, dass die Kameras dann länderübergreifend eingesetzt werden. „Sie können Dinge, die das menschliche Auge nicht sehen kann – nämlich Wald- und Flächenbrände in einer Entfernung von rund 80 Kilometern – entdecken.“

Von Stefan Bohlmann

Wer kommt für die Schäden auf?

Lüneburg. Die anhaltende Trockenheit hat die Gefahr von Waldbränden stark steigen lassen. Laut Umwelt-Bundesamt gibt es durchschnittlich 1000 Waldbrände pro Jahr. Aber wer zahlt eigentlich, wenn der Wald brennt? Und wie können sich Waldbesitzer schützen? Experten von Arag und Gothaer erläutern die Sachlage:

Waldbesitzer müssen sich selbst versichern

Waldbesitzer können sich mit einer Waldbrandversicherung gegen Feuerschäden absichern. Diese ersetzt auch bereits geschlagenes Holz, wenn es sich noch im Besitz des Forstwirtes befindet. Auch Jagdeinrichtungen wie Hütten oder Hochsitze werden ersetzt. Für Folgekosten, etwa eine Wiederaufforstung, muss man sich extra versichern.

Schäden in der Landwirtschaft

Ein Waldbrand kann auch auf Feldern überspringen. Oft sind Landwirte aber nur gegen Ernteausfälle versichert. In Ermangelung spezieller Waldbrandversicherungen springen die Agrar-Policen einiger Versicherer ein.

Schäden am Haus

In so einem Fall kann sich der Eigentümer an seine Wohngebäudeversicherung wenden. Sie ersetzt ihm Schäden am Gebäude und unter Umständen auch fest eingebaute Gegenstände wie Türen und Fenster. Die Schäden, die an Einrichtungsgegenständen entstanden sind, übernimmt die Hausratversicherung.

Schäden am Auto

Wer eine Teil- oder Vollkaskoversicherung für das Fahrzeug abgeschlossen hat, muss sich keine Sorgen machen, die Versicherung übernimmt die Schadensregulierung. Fahrzeughalter, die lediglich eine Haftpflichtversicherung haben, müssen die Schäden am eigenen Auto grundsätzlich selbst tragen, wenn niemand sonst für den Schaden verantwortlich gemacht werden kann.

Fahrlässig oder Vorsatz?

Oft entstehen Brände durch Unachtsamkeit von Bürgern. Entsteht durch fahrlässiges Verhalten ein Waldbrand, zahlt die private Haftpflicht-Versicherung des Verursachers für den Schaden, bei Vorsatz hingegen in der Regel nicht.