Freitag , 25. September 2020
Aufgrund der Corona-Pandemie waren auch bei pro familia in den vergangenen Monaten nicht alle Beratungsangebote möglich. Künftig will die Einrichtung auch verstärkt auf Online-Angebote setzen. Foto: t&w

Eine Chance, sich weiterzuentwickeln

Lüneburg. Nach dem Lockdown stand die Frage im Raum, ob es zu einer kompletten Schließung der Lüneburger Beratungsstelle pro familia kommen könnte. „Zu Beginn der Corona-Pandemie war unklar, unter welchen Bedingungen unsere Arbeit fortgesetzt werden kann, aber inzwischen haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich hierin auch die Chance bietet, unser Angebot weiterzuentwickeln“, sagt die Leiterin Corinna Heider-Treybig.

Die größte Sorge sei gewesen, dass man die Schwangerschaftskonfliktberatung nicht mehr hätte anbieten können. „Damit wäre der Zugang zu Beratung und Abbruch massiv erschwert gewesen. Wir durften diese aber unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln weitermachen.“ Um das zu gewährleisten, musste die Beratung jedoch von zwei kleineren Räumen in den großen Gruppenraum verlegt werden. Dadurch konnte stets nur noch eine Beratung, nicht mehrere zeitgleich, erfolgen, Partner oder andere unterstützende Personen durften eine Zeit lang nicht mitkommen. Entspannung habe dann eine entsprechende Änderung des Erlasses des zuständigen Niedersächsischen Ministeriums gebracht, wonach derzeit die Konfliktberatung auch per Video oder Telefon möglich ist.

Eine wesentliche Einnahmequelle ist weggebrochen

Wegfallen mussten mit dem Lockdown die Paar- und Sexualberatung sowie die sexualpädagogischen Veranstaltungen in den Schulen. Letztere hatte sich in den vergangenen Jahren als immer wichtiger erwiesen, weil Kinder und Jugendliche viele Fragen zu Körper, Sexualität und Verhütung haben, die sie nicht immer mit den Eltern besprechen wollen. „Bisher hatten wir viele Anfragen und Aufträge von Schulen und pädagogischen Einrichtungen aus Stadt und Kreis Lüneburg sowie dem Landkreis Harburg.“ Diese mussten aufgrund der Pandemie abgesagt werden. „Das hatte zur Folge, dass uns, wie auch bei der Partnerschaftsberatung, eine wesentliche Einnahmequelle weggebrochen ist.“ Diese Situation bedeutete nicht nur für Lüneburg, sondern für alle 20 niedersächsischen Beratungsstellen und damit für den gesamten Landesverband ein finanzielles Loch. Durch den Zugriff auf Rücklagen und einen Ausgaben-Stopp bei den Sachmitteln soll das kompensiert werden.

„Wir sind dankbar für die Finanzierung durch das Land und kommunale Zuschüsse, aber das deckt unsere Kosten leider nicht komplett ab. Deshalb sind wir zur Aufrechterhaltung unserer Angebotspalette auf zusätzliche Einnahmen angewiesen. Auch Spenden helfen uns besonders in dieser Zeit weiter.“

„Wir sind allerdings eine kleine Einrichtung“

Inzwischen findet die Partnerschafts- und Sexualberatung wieder in persönlichen Gesprächen in der Einrichtung oder per Video statt. Die Zukunft gehört auch digitalen Angeboten – das ist auch bei pro familia ein Ergebnis, das man aus den vergangenen Monaten gezogen hat. So sollen zum Beispiel für Schülerinnen und Schüler Video-Fragestunden angeboten werden. Möglich sind auch Online-Seminare für Eltern bei Fragen zur psychosexuellen Entwicklung ihrer Kinder oder digitale Seminare für Lehrer zur Gestaltung des Sexualkundeunterrichts. „Parallel dazu könnten wir aber auch wieder mit kleineren Gruppen in Schulen arbeiten.“ Was wie umgesetzt werden soll, dazu ist die Lüneburger Beratungsstelle im Austausch mit dem Landesverband. „Wir sind allerdings eine kleine Einrichtung, müssen passgenaue Angebote entwickeln – auch mit Blick darauf, wie der Bedarf der Schulen ist.“ Hierzu werden zum Ende der Sommerferien Informationen auf der Homepage der Beratungsstelle zu finden sein. Corinna Heider-Treybig schaut nach vorne: „Wenn eine Vielfalt von Angeboten neu entsteht, hat so eine schwierige Zeit auch etwas Positives.“

Von Antje Schäfer