Samstag , 31. Oktober 2020
Braucht die Feldberegnung in Lüneburg ein zeitliches Verbot? Im Kreis Osnabrück wird das bereits praktiziert. (Foto: A/phs)

Kreistag: Grüne kritisieren ausufernde Beregnung von Feldern und Gärten

Lüneburg. Die Grünen im Lüneburger Kreistag wollen auch die Feldberegnung in der Region stärker regulieren, um die Grundwasserressourcen zu schonen. Eine freiwillige Selbstkontrolle seitens der Landwirte allein reiche nicht aus, heißt es. Aber auch private Gärten sowie Sportanlagen geraten jetzt in den Blick: Als Vorbild führt Michael Gaus, Vorsitzender des Kreis-Umweltausschusses, den Landkreis Osnabrück ins Feld. Dort wird zeitweise nicht nur die Feldberegnung, sondern auch die Bewässerung von privaten Grünanlagen untersagt und zwar per Allgemeinverfügung. Die Lüneburger Kreisverwaltung reagiert auf den Vorschlag reserviert.

„Die Beregnung öffentlicher und privater Grünflächen, von Sportanlagen wie Rasen- , Tennis- oder Golfplätzen sowie die Beregnung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen werden täglich in der Zeit von 12 bis 18 Uhr untersagt“, heißt es in der Allgemeinverfügung des Kreises Osnabrück, die noch bis Ende September gelten soll. Anstoß für Gaus, auch für Lüneburg so eine Regelung zu diskutieren, sei aktuell neben der geplanten Wasserentnahme durch die Coca-Cola-Tochter Apollinaris-Brands die landwirtschaftliche Feldberegnung. Gaus sagt: „Das Thema Vio-Brunnen zeigt ganz plakativ, dass es ein Fehler ist, wenn man aus dem Allgemeingut Wasser ein Privatgut macht. Es ist ebenso ein Fehler, wenn man 118 000 Kubikmeter probehalber wegkippt.“ Damit spielt er auf den erlaubten Pumpversuch bei Reppenstedt an. Doch: „Das Problem ist aber leider noch größer. Für Feldberegnung wird sehr viel Wasser entnommen. An diesem Thema arbeiten wir seit Längerem.“

Verschwendung kann sich niemand erlauben

Zwar werde derzeit noch die Grundwasserbilanz 2019 für den Kreis Lüneburg erarbeitet, heißt es. Fest steht aber, dass im vergangenen Jahr 12 938 390 Kubikmeter Grundwasser für die Feldberegnung entnommen wurden. Hinzu kommen laut Landkreis knapp 500 000 Kubikmeter aus dem Elbeseitenkanal.

Tatsächlich hatte der Umweltausschuss des Lüneburger Kreistags auf Initiative der Grünen zuletzt 2019 das Thema Feldberegnung immer wieder kritisch diskutiert. Eine verbindliche Beschränkung der Beregnungszeiten wurde aber nicht weiterverfolgt, nachdem Landwirtschaftsvertreter wiederholt erklärt hatten, dass es ohnehin im ureigenen Interesse jedes Landwirts sei, bei heißer Witterung sparsam mit Wasser umzugehen. Zumal jeder Ackerbauer im Zehn-Jahres-Durchschnitt ein von der Unteren Wasserbehörde beim Kreis festgelegtes Wasserkontingent hat, das einzuhalten ist. Das bedeutet, in trockenen Jahren darf mehr entnommen werden, in nassen Jahren muss das ausgeglichen werden. Eine Verschwendung von Wasser als Betriebsmittel könne sich deshalb niemand erlauben, sagt auch Jens Uffmann, Vorsitzender des Dachverbands Feldberegnung im Landkreis Lüneburg.

„In diesen Tagen bei dem Ostwind und der Hitze beregnen wird ab frühem Mittag nicht mehr, wegen der hohen Verdunstung“, sagt Uffmann auf LZ-Nachfrage. Dafür plädierten auch immer wieder die Fachverbände. An dem Vorschlag der Grünen kritisiert er, dass die zeitliche Einschränkung zu pauschal sei. „Es gibt Tage mit bedecktem Himmel, an denen auch tagsüber eine Beregnung wirtschaftlich sinnvoll sein kann.“ Uffmann warnt vor weiteren Verboten. „Durch Verbote wird Produktion nur verlagert oder verhindert. Unsere Wasserkontingente haben wir selber stark im Blick.“ Dass es dennoch vereinzelt schwarze Schafe gibt, belegen rund 30 Bußgeldverfahren beim Landkreis.

Bußgeldverfahren von 2018 laufen noch

Die Bußgeldverfahren beziehen sich laut Fachdienst Umwelt des Landkreises aber noch alle auf das extreme Dürrejahr 2018, in dem sehr lange und sehr viel beregnet wurde und einige über das erlaubte Maß hinaus Wasser auf den Acker schossen. „In rund 30 Fällen wurden Verfahren eingeleitet. Einige Verfahren laufen wegen erhobener Einsprüche noch“, erklärte kürzlich Fachdiensleiter Stefan Bartscht auf LZ-Nachfrage. „Räumlich verteilen sich die Ordnungswidrigkeiten auf das ganze Kreisgebiet. Die Bußgeldhöhe bemisst sich nach der zu viel entnommenen Wassermenge und berücksichtigt auch den Mehrertrag, den die Beregner hatten. In vielen Fällen geht es um Beträge von mehreren Tausend Euro.“

Allgemeinverfügung nicht gerechtfertigt

Doch wie sieht es nun mit den Grundwasserständen aus und für wie sinnvoll hält die Kreisverwaltung den Vorschlag der Grünen zur Begrenzung der künstlichen Beregnung? Dazu sagt Kreissprecher William Laing auf LZ-Nachfrage: „Derzeit liegen dem Landkreis Lüneburg keine Daten seitens des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz; Anm.d.R.) vor, die auf einen aktuell kritischen Grundwasserstand im Landkreisgebiet hinweisen. Somit wäre eine Allgemeinverfügung für den gesamten Landkreis Lüneburg nicht gerechtfertigt.“

Ohnehin könne der Landkreis als Untere Wasserbehörde gezielte Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers treffen, falls an irgendeiner Stelle Missstände auftreten sollten. Laing: „Dies hat einen deutlich stärkeren Effekt als das grundsätzliche Verbieten von Grünflächenberegnung. Für den Landkreis Lüneburg ist daher eine ähnliche Allgemeinverfügung wie in Osnabrück aktuell nicht sinnvoll.“ Zudem müsste sie zusätzlich mit dem Landkreis Uelzen und der Hansestadt Lüneburg abgesprochen werden, weil die Grundwasserkörper gemeinsam bewirtschaftet werden. Dementsprechend sei eine Einzellösung fachlich nicht sinnvoll.

Von Dennis Thomas