Dienstag , 29. September 2020
Es ist vorgesehen, rund 400 Kilometer bestehender Strecken innerhalb des Schienennetzes zwischen Hamburg, Bremen und Hannover zu modernisieren bzw. aus- und umzubauen. (Grafik: DB)

Amerikalinie fest im Visier

Soltau/Lüneburg. Parallel zu den Untersuchungen für eine Ausbauvariante der Bahnstrecke Lüneburg-Uelzen wird auch an anderen Stellen des Streckennetzes die Ertüchtigung vorangetrieben, die zum Projekt „Hamburg/Bremen-Hannover“ gehören beziehungsweise „optimiertes Alpha-E“. Erste Planungsschritte hat die Deutsche Bahn jetzt für den Ausbau, die Elektrifizierung und Ertüchtigung der Amerikalinie zwischen Langwedel und Uelzen eingeleitet. Zunächst ist mit der Bestandserfassung der Infrastruktur auf der 97 Kilometer langen Strecke begonnen worden. Die ersten Planungsleistungen, die Grundlagenermittlungen und Vorplanung wurden im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung an ein Planungsbüro vergeben. Die Deutsche Bahn als Vorhabenträgerin übernimmt das Projektmanagement.

Ortsumfahrungen bleiben auf der Tagesordnung

Unterdessen laufen auch für den umstrittenen Ausbau der Strecke Lüneburg-Uelzen die Voruntersuchungen weiter – immer noch. Dabei geht es auch um die zuletzt heiß diskutierten möglichen Ortsumfahrungen Lüneburgs und Deutsch Everns, die zu einer neuen Eisenbahntrasse durch den Lüneburger Westkreis führen könnten, ausgelegt für Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h. Wenn denn nicht die Bestandsstrecke durch die Stadt ausgebaut würde oder eine komplett neue Trasse entlang der A7 entstünde, wie von Stadt und Landkreis Lüneburg favorisiert.

Zuletzt hatte die LZ Ende Juni über den Sachstand berichtet. Auf LZ-Nachfrage sagte jetzt Armin Skierlo, Sprecher Großprojekte bei der Deutschen Bahn: „Die Untersuchungen laufen immer noch. Hier geht Sorgfalt vor Schnelligkeit.“ Derzeit würden sich die Bahnplaner weiter mit der Vieregg-Rössler-Studie auseinandersetzen, die von fünf Bürgerinitiativen in Auftrag gegeben worden war. Darin wird neben dem Ausbau Lüneburg-Uelzen unter anderem auch ein viergleisiger Ausbau nördlich von Lüneburg thematisiert.

Ähnlich wie in Stadt und Landkreis Lüneburg, sorgen sich auch Bewohner, Bürgerinitiativen und Kommunen an der Ausbautrasse im Heidekreis um den künftigen Lärmschutz. Befürchtungen gibt es somit auch in den Städten Munster und Soltau. Schließlich sollen einmal lange Güterzüge in kurzen Zeitabständen und mit bis zu 80 Kilometern pro Stunde wieder über die Amerikalinie rollen.

Laut Deutscher Bahn solle nach der Grundlagenermittlung und der Vorplanung eine Vorzugsvariante für den Ausbau definiert werden. Dafür ist auch eine eisenbahnwissenschaftliche Untersuchung (EBWU) notwendig, die die Leistungsfähigkeit der Eisenbahninfrastruktur beleuchtet. Letztlich gehe es um eine wirtschaftlich-optimale Betriebsqualität, so eine Sprecherin der Bahn.

Zur Umsetzung hat die Bahn eine Projektgruppe initiiert. Den fehlenden Kontakt kritisieren indes Jörg Eggers und Stephan Müller von der hiesigen Bürgerinitiative Unsynn. „Wir wollen so schnell wie möglich ins Gespräch kommen“, sagt Eggers. Coronabedingt sei das schwierig, im Moment allerdings fehle den Bürgerinitiativen ein Sachstand. Es gebe nur viel Getöse, unter anderem zu den Gesprächen, die mit den Bürgermeistern von Munster und Soltau geführt worden seien.

Dabei bestehe schon viel grundsätzlicher Gesprächsbedarf. Denn entlang der Verbindung gibt es 58 Bahnübergänge. Viele kleine Übergänge stünden möglicherweise vor der Schließung. Frühzeitige Information sei dringend erforderlich.

Was die stärkere Frequenz auf einer Bahnstrecke bedeuten kann, das hat Stephan Müller von Bürgerinitiative Unsynn zurzeit direkt vor Augen. In seinem Wohnort Bispingen hat der Güterverkehr auf der OHE-Strecke stark zugenommen, seitdem das Containerterminal in Harber bei Soltau ausgebaut worden ist. Wie berichtet, plant auch die OHE den Ausbau der bisherigen Nebenstrecke der Heidebahn Soltau-Lüneburg.

Mit Argusaugen achtet auch die Bürgerinitiative Unsynn darauf, dass die Ergebnisse des Dialogforums Schiene-Nord eingehalten und nicht aufgeweicht werden. Dazu gehört der Lärmschutz, der beim Ausbau der Amerikalinie über dem eigentlich gesetzlich vorgeschriebenen Maß liegen soll. Der müsste vom Bundestag extra beschlossen werden – ähnlich wie in Lüneburg, sollte auch dort der Ausbau stattfinden. „Der Ausbau kann nicht gegen die Menschen umgesetzt werden“, sagt Müller. Denn letztlich sei der zusätzliche Lärmschutz auch Gesundheitsschutz, der sich nicht mit Geld beziffern lasse.

Streckenausbau zwischen Hamburg, Bremen und Hannover

Inbetriebnahme ab Mitte der 2030er

Mit dem Ausbau der Bahnstrecken im Dreieck Hamburg/Bremen und Hannover, rund 400 Kilometer sind es, soll die Voraussetzung für eine höhere Streckenkapazität und die Auflösung existierender Engpässe im Verkehrsraum geschaffen werden. Außerdem soll die Attraktivität der Seehafenanbindungen und der hafenaffinen Wirtschaft gesteigert, somit die wirtschaftliche Bedeutung der norddeutschen Region erhalten bzw. verbessert werden, heißt es von der Deutschen Bahn. Erste Bauarbeiten sollen Mitte der 2020er-Jahre beginnen. Die sukzessive Inbetriebnahme soll dann in der ersten Hälfte der 2030er-Jahre erfolgen.

Von Anja Trappe und Dennis Thomas