Samstag , 24. Oktober 2020
Urlaub im Sommer 2020: Am Flughafen und im Passagierflugzeug nur mit Maske. Foto: AdobeStock

Locker im Norden, rigide im Süden

Lüneburg. Nach sechs Monaten im Seuchenmodus ist den meisten Deutschen der Griff zur Maske vor Betreten eines Geschäftes in Fleisch und Blut übergegangen. Klaglos hinterlassen wir unsere Kontaktdaten, bevor wir beim Kellner Essen ordern. Wie gehen andere Völker mit dem Coronavirus um? Welche Regeln gelten anderswo? Mittlerweile sind die ersten Lüneburger aus dem Urlaub zurück. Wir wollen von Ihnen wissen: Wie war die schönste Zeit des Jahres im Zeichen der Pandemie?

Wohin Sie sich mit Ihren Erfahrungen wenden können, lesen Sie am Ende des Textes. Zum Auftakt berichten LZ-Redakteure, wie es ihnen ergangen ist: Ingo Petersen aus der Landredaktion war in Österreich, in einem abgeschiedenen Tal in Kärnten. „Insgesamt war der Umgang mit den Coronaregeln dort lockerer. Statt den Ellbogengruß zu entrichten, umarmten sich die Einheimischen.“ Zudem gab es zu Beginn seines Urlaubs keine Maskenpflicht beim Einkaufen, in Taxis oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Als sich dann aber St. Wolfgang am Wolfgangsee mit 62 Infizierten zu einem Corona-Hotspot entwickelte, steuerte Wien gegen. „Die Regeln wurden verschärft. Fortan galt in Lebensmittelläden, in Banken und bei der Post die Maskenpflicht.“ In Restaurants mussten keine Kontaktdaten hinterlegt werden.

194 Neuinfektionen in 24 Stunden

Derzeit steigen die Infektionszahlen. So meldeten die Behörden am Mittwoch 194 Neuinfektionen in 24 Stunden – den höchsten Wert seit mehreren Wochen.

Von Lockerheit unter südlicher Sonne hat Andreas Tamme nichts gemerkt. Der LZ-Fotograf hat Urlaub auf Mallorca gemacht. Schon die Flüge liefen unter Hochsicherheitsbedingungen ab. Im Flugzeug galt Maskenpflicht. Nur wenige Passagiere durften gleichzeitig ihre Plätze einnehmen oder verlassen. In den Flughäfen wurde automatisiert Fieber gemessen. „Die Mallorquiner halten sich deutlich konsequenter an die Maskenpflicht und die Abstandsregeln als die Deutschen“, hat Tamme beobachtet. Auch unter freiem Himmel war die Mund-Nase-Bedeckung obligatorisch. In der Ferienanlage „standen alle paar Meter Spender mit Desinfektionsmitteln. Statt eines Frühstücksbüffets gab es ein nach seinen persönlichen Wünschen zusammengestelltes Frühstück.“ Trotz der Vorsichtsmaßnahmen fürchten die Balearen derzeit eine zweite Welle, am Dienstag gab es 228 Neuinfektionen – insgesamt gibt es auf den Inseln derzeit mehr als 1000 aktive Corona-Fälle.

Schweden fährt bei der Seuchenbekämpfung einen Sonderweg, verzichtete auf einen Lockdown, ließ Schulen, Kitas und Restaurants offen. Überrascht war Kultur-Redakteurin Dietlinde Terjung daher, dass sich in der südschwedischen Provinz Schonen überall Warnhinweise fanden „und auch angenommen wurden“. Im Hotel gab es eine Frühstückstüte statt eines Buffets. „Zwar gibt es in Schweden keine Maskenpflicht, doch viele Bürger trugen eine freiwillig.“

Die Schweden zahlen für ihren liberalen Ansatz mit einer hohen Sterberate. So sterben in Deutschland laut Statistik 11 Menschen pro 100 000 Einwohner an Corona, in Schweden sind es 56. Die Zahl der Neuinfektionen hingegen sinkt, am Montag waren es 139.

Hohe Bandbreite an Reaktionen

Der Autor dieses Berichts erlebte in den Niederlanden einen lockereren Umgang mit den Coronaregeln als daheim – und eine hohe Bandbreite an Reaktionen. Nur in einem Buchladen in Utrecht und einem Lebensmittelladen auf Texel wurde er aufgefordert, sich die Hände zu desinfizieren und eine Maske zu tragen. Nur ein Restaurant auf der Nordseeinsel verlangte Kontaktdaten. An Utrechts Grachten wurde zwar eine Einbahnstraßenregelung für die Passanten verhängt, doch die wurde nur während der Haupteinkaufszeit von Stadtbediensteten durchgesetzt. Abstandsregeln wurden in der quirligen Innenstadt Utrechts kaum beachtet, allerdings wurden in einem nahen Park für Sportler, die ihre Kurse nun draußen wahrnahmen, mit Kreide Areale auf dem Rasen markiert.

Angesichts steigender Neuinfektionszahlen – 575 am Dienstag – wächst in den Niederlanden die Furcht vor der zweiten Welle. Premierminister Mark Rutte warnte vor einem zweiten Lockdown.

Wie waren Ihre Erfahrungen im Urlaub: Plexiglas zwischen Sonnenliegen oder Party auf Virus komm raus? Senden Sie eine Mail mit Telefonnummer, Urlaubsort und Stichworten zu Ihren Erfahrungen an joachim.ziessler@mh-lg.de. Ich rufe zurück.

Von Joachim Zießler