Dienstag , 29. September 2020
Lüneburgs Parteien sortieren sich erst langsam für die Wahl 2021. Foto: Adobe Stock

Schafft es Pols zum vierten Mal?

Lüneburg. Seit voriger Woche ist klar, dass bei der Bundestagswahl 2021 die SPD mit Olaf Scholz an der Spitze ins Rennen geht. Dabei steht noch gar nicht fest, wann der nächste Bundestag gewählt wird. Es läuft aber alles auf einen der beiden Sonntage in der zweiten Septemberhälfte nächsten Jahres hinaus.

Auch noch nicht klar ist, wie der Wahlkreis, zu dem die Stadt und der Landkreis Lüneburg gehören, genau aussehen wird. Werden nach der Sommerpause die Pläne Wirklichkeit, die Wahlkreise zu verringern, um den Bundestag zu verkleinern, könnte es den benachbarten Wahlkreis Rotenburg I-Heidekreis treffen. Der würde dann aufgeteilt, der Wahlkreis Lüneburg/Lüchow-Dannenberg bekäme wahrscheinlich Munster und Wietzendorf zugeschlagen.

Keine weiteren Bewerber

Bei der CDU ist praktisch schon alles geklärt. Eckhard Pols hatte bereits Ende des vorigen Jahres seine Ambitionen signalisiert. Der 58 Jahre alte Lüneburger will den Wahlkreis zum vierten Mal hintereinander für seine Partei holen. Parteiinterner Gegenwind ist – anders als in Vorjahren – nicht zu erwarten. Die beiden CDU-Kreischefs Felix Petersen und Uwe Dorendorf hatten bereits im Frühjahr nach weiteren Bewerbungen gefragt – Fehlanzeige.

Eigentlich wollten die Christdemokraten am 4. September bereits alles klar machen und Pols offiziell nominieren. Doch die Wahlkreis-Diskussion macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Nunmehr peilen Petersen und Dorendorf den 30. Oktober an.

Anderen kommt die Hängepartie durchaus gelegen. Bei der SPD ist das der Fall. Dass Hiltrud Lotze nach drei Versuchen – davon einem erfolgreichen – noch mal Anlauf nimmt, ist jedenfalls unwahrscheinlich. Lotze selbst sagt nur „Ich habe das drei Mal gemacht…“

„Wir sind mit Julia Verlinden im Gespräch“

Aber wer es bei den Sozialdemokraten machen will, ist offen. „Es gibt Interessenten“, sagt Unterbezirks-Vorsitzende Andrea Schröder-Ehlers, lässt aber lediglich durchblicken, dass man angesichts des ungewissen Wahlkreis-Zuschnitts nichts überstürzen würde. Nur bei der Frage, ob das keine Herausforderung für den scheidenden Oberbürgermeister wäre, lässt sich Schröder-Ehlers aus der Reserve locken: „Also dazu würde ich Ulrich Mädge nicht raten.“

Raten kann derzeit auch nur Grünen-Kreissprecherin Andrea Glass. „Wir sind mit Julia Verlinden im Gespräch“, sagt sie. Aber ob die 41-Jährige zum dritten Mal antritt oder im gleichen Monat bei der Lüneburger Oberbürgermeisterwahl kandidiert, lässt diese derzeit offen (LZ berichtete).

Während Eckhard Pols zuletzt stets mit den meisten Stimmen das Direktmandat holte, kam Julia Verlinden bei den beiden vorigen Wahlen über die Grünen-Landesliste ins Parlament – zuletzt als niedersächsische Spitzenkandidatin. Ihre Liste stellen die Grünen erst im März auf. Verlinden bleibt also noch etwas Bedenkzeit.

Was passiert, wenn sie ins Lüneburger Rathaus zieht? Oliver Glodzei schaffte im vorigen Jahr einen Achtungserfolg für die Grünen – mit einem Ergebnis jenseits der 25-Prozent-Marke kam er in die Stichwahl für die Bürgermeisterwahl in der Samtgemeinde Gellersen. Der 49-jährige Politikwissenschaftler, den alle nur Olli nennen, arbeitet als Unternehmensberater bereits zeitweise in Berlin. In seiner Partei ist er so etwas wie eine Geheimwaffe. Er galt schon als Einsatzreserve bei der Landratswahl.

„Ich plane, wieder anzutreten“

Bei der FDP sagt Kreischef Edzard Schmidt-Jortzig: „Ich plane, wieder anzutreten.“ Entscheidungen sollen nach den Herbstferien fallen. Spannend wird, wie die Liberalen bei der Wahl abschneiden und ob sich der Jurist auf der Landesliste seiner Partei verbessern kann – die zog 2017 bis Platz 7, Schmidt-Jortzig stand auf Platz 9.

Noch knapper war es damals bei Michèl Pauly, der bei den Linken in Niedersachsen auf Platz 6 stand. Die fünf Bewerberinnen und Bewerber vor ihm schafften den Sprung. Pauly erwägt derzeit indes nicht, sich nochmals für den Bundestag zu bewerben, sondern plant, sich mehr auf die Kommunalpolitik zu konzentrieren. Entscheidungen sind aber auch bei der Linke noch nicht gefallen.

AfD-Kreischef Stephan Bothe setzt darauf, dass die Region auch von seiner Partei im nächsten Bundestag vertreten wird. „Wir sind aktuell in verschiedenen Gesprächen – auch mit prominenten Personen“, sagt er und kündigte eine Entscheidung für Anfang 2021 an. Aktuell gehört Wilhelm von Gottberg aus dem im Wahlkreis liegenden Schnega dem Bundestag an. Der 80-Jährige ist dort der älteste Abgeordnete und will 2021 aber nicht mehr antreten.

Von Marc Rath