Dienstag , 20. Oktober 2020
Im Sommer sind die Kitas drei Wochen lang dicht. Das könnte sich aber bald ändern. Foto: Adobe Stock

Kommt eine neue Ferienregelung?

Lüneburg. Es sind die Sommerferien der kleinsten Lüneburger: Drei Wochen lang haben die Kitas in der Hansestadt zu. Nicht alle zeitgleich, aber alle stets im Juli oder August. Doch diese Schließzeiten stehen zur Disposition. In der Stadtverwaltung gibt es Überlegungen, sie ganz oder teilweise abzuschaffen. Eltern könnten ihren Urlaub dann flexibler planen, allerdings wäre ein kompletter Verzicht für die Kitas bei der Personalplanung eine enorme logistische Herausforderung, außerdem wohl nicht ganz billig, denn es wären zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher erforderlich. Doch vor einer Entscheidung will die Verwaltung in Kürze die Eltern befragen, wie sie zu dem Thema stehen.

Bereits für dieses Jahr war ein Verzicht auf die Schließung im Sommer ein Gedankenspiel. Schließlich hatten viele Eltern einen großen Teil ihrer Urlaubstage schon aufgebraucht, weil die Kitas zwischenzeitlich wegen Corona komplett geschlossen waren. Doch schnell war klar: So kurzfristig ließ sich das nicht umsetzen. Deshalb schwenkte die Verwaltung um, bot aber immerhin eine Notbetreuung für den Sommer an. Die Überraschung dabei: Die Resonanz war mau, die Eltern von gerade mal 57 Kindern nahmen das Angebot für den Nachwuchs in Anspruch.

Mehr Flexibilität für die Urlaubsplanung

Vom Tisch ist das Thema aber nicht, im Gegenteil. „Ich bin überzeugt, dass wir flexibler werden müssen. Corona war da quasi nur ein Beschleuniger“, sagt Pia Steinrücke, Dezernentin für Bildung, Jugend und Soziales bei der Stadt Lüneburg, als Verantwortliche. Eine durchgehende Öffnung der Kitas im Sommer böte ja nicht nur Eltern den Vorteil, dass sie ihren Familienurlaub variabler und zu kostengünstigeren Zeiten buchen könnten, auch die Erzieherinnen wären flexibler hinsichtlich ihrer Erholungsphasen. „Wir haben da durchaus Rückmeldungen bekommen, dass sich einige genau das wünschen“, sagt die Dezernentin und verweist darauf, dass andere Kommunen, gerade in den neuen Bundesländern, aber auch in NRW, auf Schließzeiten gänzlich verzichten. Gleichwohl biete eine feste Schließzeit, wie es sie aktuell gibt, auch Vorteile: „So haben auch die kleinsten Kinder schon ein Feriengefühl“, sagt Pia Steinrücke.

Eine komplette Streichung der Schließzeiten schon im nächsten Jahr hält sie aktuell aber für wenig wahrscheinlich. Denn es bedürfe viel Vorlaufzeit bei der Planung: „Wir müssten bei Eltern früh abfragen, wann sie Urlaub machen wollen, um unseren Personaleinsatz zu planen. Außerdem bräuchten wir sicher mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um das Betreuungsverhältnis das ganze Jahr über aufrechterhalten zu können. Wir müssten quasi jetzt schon neue Kräfte suchen.“ Fraglich, ob der Markt die überhaupt hergibt.

Vorstellbar sei für sie aber, dass die drei Wochen im nächsten Jahr schon auf zwei Wochen zusammenschmilzen – quasi als erster Schritt. Oder dass es wieder eine Art Notbetreuung im Verbund gibt, also von drei bis vier Kitas stets eine auch im Sommer ein Angebot macht – ohne zusätzliche Kosten für die Eltern.

Drei Mal eine Woche statt einmal drei Wochen

Pia Steinrücke sagt klar: „Wir wollen auf dem Weg dahin alle einbinden: Unsere 324 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genauso wie die Eltern und auch die freien Träger. Denn das Ganze ergäbe ja nur dann Sinn, wenn die auch mitmachen.“

Doch ganz gleich, wie die künftige Regelung aussehen wird, eines sei klar: Die Kita- und Krippenkinder sollen in jedem Fall insgesamt drei Wochen Kita-frei haben, so sehe es auch der Betreuungsvertrag zwischen Stadt und Eltern vor: „Kein Kind soll das ganze Jahr über durchgehend in die Kita gehen. Auch sie brauchen mal Urlaub.“ Doch es müssten eben nicht zwingend weiterhin drei Wochen Ferien am Stück sein, auch eine Aufsplittung wäre möglich.

Um die Elternwünsche genauer zu erfassen, soll nach der Sommerpause nun eine Befragung starten. Das Ergebnis will die Verwaltung dann im Jugendhilfeausschuss des Rates vorstellen. Mit allen Mitteln etwas ändern, will aber auch Steinrücke nicht, die sagt: „Wenn am Ende dabei rumkommt, dass bei einem Sommer ohne Schließzeit nur noch eine Gruppe pro Einrichtung da wäre, würde sich der ganze Aufwand nicht lohnen.“

Von Alexander Hempelmann