Samstag , 31. Oktober 2020
Die Waldflächen sind im Landkreis Lüneburg unterschiedlich stark auf die Kommunen verteilt. Der Landkreis insgesamt hat einen Waldanteil von 32,45 Prozent. Grafik: Landesamt für Statistik

Besondere Waldarmut in Wittorf

Lüneburg. Um zu ermitteln, wohin die Reise gehen soll, ist es mitunter hilfreich zu wissen, wo die Reise beginnt. Doch manchmal geht schon die Definition des Startpunktes schief. So wie kürzlich im Fachausschuss für Raumordnung des Lüneburger Kreistags. Eine Leitfrage war und ist: Wie viel Wald und Biotope brauchen wir in Zukunft in Stadt und Landkreis Lüneburg? Als Ausgangspunkt der Diskussion präsentierte die Kreisverwaltung Daten, wie viel Waldflächen auf die Kommunen derzeit verteilt sind. Das Problem: Durch ein Versehen waren das reine Fantasiezahlen. Leider fiel teilweise auch die LZ darauf herein. Jetzt liegen die richtigen Angaben vor. Besonders interessant: Die waldärmste Kommune ist im Verhältnis zur Gemeindefläche Wittorf, Rehlingen die waldreichste.

Im Zuge der LZ-Recherche war aufgefallen, dass die vom Landkreis zu Verfügung gestellten Grunddaten zu den Waldanteilen komplett falsch waren. Daraufhin zog der Landkreis die Angaben zurück, beließ es jedoch bei der Übersichtskarte, die sich bei genauerem Hinsehen ebenfalls als falsch entpuppte. Aufgefallen war das auch LZ-Leser Hans Joachim Schollenberger. Der Lüneburger hatte sich bis 1996 im Auftrag der Niedersächsischen Finanzverwaltung mit der Bodennutzung befasst.

Amt Neuhaus hat mehr Forst als die Stadt Lüneburg

Schollenberger schreibt an die LZ: „Auf der sogenannten Geest finden wir Wald vor allem dort, wo das Gelände den Maschineneinsatz behindert oder sich wegen der geringen natürlichen Bodenfruchtbarkeit, zumal bei Wassermangel, die landwirtschaftliche Nutzung als Acker oder Grünland nicht lohnt.“ Vor dem Hintergrund war ihm auch die Darstellung der Gemeinde Amt Neuhaus ins Auge gefallen, die gemäß der Landkreis-Karte nur einen Waldanteil von weniger als zehn Prozent betragen sollte. Weit gefehlt.

Tatsächlich gilt Amt Neuhaus mit einem Waldanteil von rund 27 Prozent als „durchschnittlich bewaldet“, basierend auf Angaben des Landesamtes für Statistik Niedersachsen zum Jahresende 2018. Allerdings ist Amt Neuhaus mit rund 237 Quadratkilometern auch die flächenmäßig größte Kommune im Kreisgebiet. Damit fällt die für sich genommene eher „durchschnittliche Bewaldung“ im Vergleich zu anderen Kommunen doch besonders ins Gewicht: 64,4 Quadratkilometer oder 6440 Fußballfelder umfassen die Waldflächen in der östlichsten Gemeinde des Kreises. Zum Vergleich: Allein die Fläche der Stadt Lüneburg umfasst laut Statistik gerade mal 70,5 Quadratkilometer. Aber auch davon waren Ende 2018 rund 18,74 Quadratkilometer Wald (26,58 Prozent).

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Die Waldflächen sind im Landkreis Lüneburg unterschiedlich stark auf die Kommunen verteilt. Der Landkreis insgesamt hat einen Waldanteil von 32,45 Prozent. Grafik: Landesamt für Statistik

Die flächenmäßig drittgrößte Kreis-Kommune ist nach Amt Neuhaus und der Stadt Lüneburg die Gemeinde Rehlingen mit rund 66,25 Quadratkilometern. Gemessen am Waldanteil ist Rehlingen die mit Abstand waldreichste Kommune im Kreisgebiet: 62,93 Prozent. Das entspricht 41,96 Quadratkilometern Waldfläche. Damit ist allein der Rehlinger Forst fast dreieinhalb Mal größer als die waldärmste Kommune des Landkreises insgesamt an Fläche zu bieten hat.

Besonders viel freien, von Bäumen unverstellten Blick hat die Bardowicker Mitgliedsgemeinde Wittorf zu bieten: von den 12,03 Quadratkilometern Gemeindefläche sind nur 2,16 Prozent bewaldet. Das entspricht 26 Fußballfeldern. Zur Erinnerung: In Amt Neuhaus entspricht die Waldfläche 6440 Fußballfeldern. Wittorf gilt mit diesem sehr geringen Anteil nach den Maßstäben des Landeswaldprogramms als „extrem waldarm“ und ist zugleich die kreisweit waldärmste Gemeinde.

Ausgeräumte Landschaft von Artlenburg bis Hohnstorf

Mit 2,65 Prozent ähnlich karg mit Forst ausgestattet ist die Scharnebecker Mitgliedskommune Hohnstorf/Elbe bei 10,18 Quadratkilometern Gemeindefläche. Am unteren Ende der Wald-Anteils-Skala im Kreis rangieren außerdem Hittbergen (3,56 Prozent), Artlenburg (3,89) oder Handorf (4,25). Je weiter man sich aber beispielsweise von der Elbe in Richtung Heide bewegt, umso waldreicher wird es wieder.

Und wozu das Ganze? Derzeit stellt der Kreis das sogenannte Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) neu auf. Es gibt unter anderem den Rahmen vor für die Bauleitplanung der Kommunen. Siedlungsentwicklung ist aber nur ein Kapitel. Genauso werden auch Waldflächen festgeschrieben beziehungsweise Flächen, die im Gegenzug sogar gezielt von Aufforstung freigehalten werden sollen. Im alten, noch gültigen RROP ist festgelegt, dass der Wald im Landkreis insgesamt vermehrt werden soll. Die Kreistagspolitik soll nun diskutieren, ob an dem Ziel festgehalten wird. Dafür ist es hilfreich zu wissen, wie die Ausgangsposition aussieht. Die Politik hat nun die korrigierten Daten erhalten.

Zu der zunächst fehlerhaften Datengrundlage sagt Kreissprecher William Laing: Im Zuge der Karten-Bearbeitung seien „versehentlich relevante Informationen gelöscht“ worden „und es sind Rechenfehler aufgetreten“. Und: „Es gab noch einen internen Kommunikationsfehler, der dafür gesorgt hat, dass die falsche Karte rausgegangen ist.“

Von Dennis Thomas