Mein Ort: Bitter/Elbe in Amt Neuhaus; ... ein Alt-Hannoversches Bauerndorf mit 59 Einwohnern, gegenüber von Hitzacker. Ich: Angelika Hoffmann, Rentnerin, wohne seit 2004 hier mit meinem Mann. Wir sind Naturfreunde, aber keine Selbstversorger. Weitere Mitbewohner: Ein Islandhund. Und ein (sehr altes) Islandpferd. (Alle Fotos: privat)

Ein alternatives Leben

Angelika Hoffmann lebt am Rand des Landkreises und versucht dort, noch klimafreundlicher zu leben (Serie Teil 5)

Bitter/Elbe. Unsere Stadtfreunde sind bei jedem Besuch von neuem begeistert. Diese Ruhe. Diese Stille. Diese wunderbare Natur. Ja, genau deswegen sind wir hier. Keine 20 Schritte und ich stehe auf dem Deich mit Blick in die weite Elblandschaft, viel Himmel über mir. Dafür nehmen wir einiges in Kauf. Ein uraltes Haus mit Aludach aus der DDR-Zeit, die weiten Wege mit dem Auto, die Dunkelheit im Winter ohne Straßenlampe in Sichtweite.

Wir achten schon lange auf Bio und Öko und regional. Leider brauchen wir für nahezu jeden Einkauf/Ausflug/Besuch bei Freunden/Kultur das Auto. Zu den nächsten Supermärkten sind es hin und zurück 40 und in die Kreisstadt 150 Kilometer. Fahrrad als Transportmittel scheidet hier aus. Das Pferd und ich sind zu alt, Reiten ist auch nicht mehr.

Der viel zu große ökologische Fußabdruck ist unter diesen Bedingungen kaum kleiner zu kriegen. Oder vielleicht doch? Wenigstens ein bisschen?

Darum die Teilnahme an der 100-Punkte-Aktion. Der CO₂-Abdruck soll so gering wie möglich bleiben, die App „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ zählt mit und gönnt einem nur 100 „Klimapunkte“ pro Tag. So die Theorie.

Ganz ehrlich – Punktezählen interessiert mich aktuell gerade gar nicht mehr. Aber nun in der Kontaktsperre wegen der Corona-Pandemie kommt mir (und dem Klima!) genau das zugute, was ich als Vorbereitung für meine Selbsterfahrungs-Woche wissen wollte: Was habe ich bisher übersehen? Habe ich Alternativen?

Ein paar klitzekleine Weichen habe ich also neu gestellt. Solange wir können, wird das so bleiben. Danke für den Impuls an die LZ-Redaktion.

Von Angelika Hoffmann

Mein Lebensraum Ein kleiner Elbhof von 1751.Er steht unter Denkmalschutz.
Mehr Wege zu Fuß: Mein treues Pferdchen sechs Kilometer entfernt besuchen, putzen und mit alten Brotresten füttern. Wandern zusammen mit dem Hund entlang der Elbe. Oder in unseren Sanddünen. Lebenswelten um mich herum neu entdecken und staunen.
Die Verkaufswagen Seit Jahr und Tag fahren sie herum, dreimal pro Woche kommen Bäcker oder Schlachter vorbei, haben auch Obst, Käse, was Süßes im Wagen. Nun hänge ich den Einkaufsbeutel als Halte-Zeichen an den Zaun. Wunderbar, wenn die Ladentheke aufklappt und freundliche Menschen mich bedienen – wie Laura Prillwitz (l.) und Jasmin Müller aus Vielank. Das Foto entstand vor der Kontaktsperre, jetzt stehen die Frauen hinter Plastik.
Die Mühle ... im Nachbarort Kaarßen. Ich muss mich eben auf die knappen Öffnungszeiten einrichten. Zwar gibt‘s kein Mehl, aber der Müller Günther Carmohn verkauft auch. Tierfutter und größere Mengen Vogelfutter – lose. Plastikfrei.
Die wilden Kräuter ... aus Garten und Elbwiesen – so vielfältig und gesund schon morgens auf den Quark. Jeden Tag neue kennenlernen.