Dienstag , 29. September 2020
Niedersachsens Kultusminister Grant Henrik Tonne setzt auf gezielte Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. (Foto: t&w)

Entschieden werden soll stets vor Ort

Adendorf. Einen Förderbescheid, mit dem die Digitalisierung der Grundschule Adendorf am Weinbergsweg vorangetrieben werden soll, übergab Niedersachsens Kultusminister Grant Henrik Tonne (SPD) am Montag in Adendorf. Etwas mehr als eine Woche vor Beginn des Schuljahrs 2020/21 beantwortete er auch noch Fragen über den künftigen Umgang mit der Corona-Pandemie.

Herr Minister, vor wenigen Tagen haben Sie erklärt, mit dem „Szenario A“, dem „eingeschränkten Regelbetrieb“ in voller Klassenstärke, in das kommende Woche beginnende Schuljahr zu starten. Wie gehen Sie vor, wenn die Zahl der Corona-Infizierten, wie zuletzt, weiter steigt?
Grant Henrik Tonne: Wir haben schon vor der Sommerpause den Schulen mitgeteilt: Bitte plant auf Basis des Szenario A, also dem eingeschränkten Regelbetrieb. Wir haben den Schulen für den Fall eines negativen Infektionsgeschehens gleichzeitig die Szenarien B und C, also bis hin zum erneuten Shutdown, mitgeteilt und wie in diesen Fällen zu verfahren ist. Auf Basis der aktuellen Entwicklung sind wir derzeit landesweit nicht in der Situation, sagen zu müssen, wir wechseln von Szenario A zu Szenario B oder gar bis hin zum Shutdown.
Die Entscheidung, ob Szenario A, B oder C zum Einsatz kommt, wäre allerdings keine landesweite Entscheidung aus dem Ministerium, sondern eine, die vor Ort unter Betrachtung der lokalen Situation durch die Gesundheitsämter zu treffen ist. Unser Ziel ist es aber, auch wenn Verdachtsfälle auftreten und die werden sicher auftreten, denn das Virus ist ja nicht weg, nicht sofort wieder in komplette Schulschließungen hineinzugehen. Statt dessen ist unser Plan, mit weniger weitreichenden Maßnahmen zu arbeiten, zum Beispiel Jahrgänge dann zu Hause zu lassen oder in einen Wechselbetrieb zu gehen. Aber wie erwähnt, die Entscheidung fällen die regionalen Gesundheitsämter vor Ort.

Die Zahl der Corona-Infektionen ist in den vergangenen Tagen stark gestiegen, die Reproduktionszahl hält sich beständig über 1. Können Sie sich kurzfristig, schon mit Schuljahrsbeginn, vorstellen, das Szenario A wieder aufzugeben?
Stand heute nein. Aber natürlich müssen wir uns weiterhin Tag für Tag die Situation anschauen, sie beurteilen und entscheiden, wie wir damit umgehen. Ich will nicht verhehlen, dass wir die Entwicklung insbesondere der letzten zwei Wochen mit Sorge betrachten.

Schüler haben im abgelaufenen Schuljahr, trotz aller Bemühungen, beim zu lernenden Stoff Rückstände erfahren müssen. Gibt es einen Plan, wie diese wieder aufzuholen sind?
Das müssen wir uns sehr individuell anschauen, also, worüber reden wir, über welche Jahrgänge reden wir, was ist jeweils vor Ort behandelt worden und was nicht? Die Ausgangslage ist hier sehr unterschiedlich an den Schulen. Wir stellen für solche Fälle den Schulen Unterlagen zur Verfügung. Wichtig ist, wenn es Defizite in grundlegenden Kenntnissen gibt, auf die immer wieder zurückgegriffen werden muss, dann gilt es, sie im neuen Schuljahr prioritär zu behandeln. Es gilt die Konzentration auf Kernkompetenzen.
Zudem haben wir die Lehrpläne entschlackt, Schulen bekommen mehr Handlungsspielraum, Themen entweder nicht oder weniger intensiv zu behandeln. Dies erfolgt dann schulformspezifisch, fachspezifisch, aber auch jahrgangsspezifisch, um fehlenden Lehrstoff aufzufangen und weitestmöglich aufzuholen und zu bearbeiten.
Ich glaube, dass wir die Situation der letzten Monate in Ruhe auf- und nacharbeiten müssen, damit bei allen Schülern die Bildungschancen gewahrt bleiben. Daher werden wir versuchen, die Rückstände in einem möglichst normalen Ablauf über die Zeit hinweg auszugleichen.

Von Ingo Petersen