Das Dragonerdenkmal um 1939/40. (Archiv/Sammlung Boldt)

„Friedensband“ zwischen Denkmälern

Lüneburg. Das Dröhnen von Kriegstrommeln ist auch in Lüneburg nicht mehr zu überhören. Im östlichen Mittelmeer ringen die Nato-Partner Griechenland und Türkei um vermutete Erdgasvorkommen. Vor Taiwan belauern sich China und die USA. Nach dem Zerbröseln von Abrüstungsverträgen werden Atomwaffen modernisiert. Zeit, einen Kontrapunkt zu setzen, findet das Lüneburger Friedensbündnis.

Organisatoren planen eine „bewegliche Menschenkette“

Am Wochenende vor dem Antikriegstag wollen Vertreter von über 40 Organisationen durch Lüneburg ein „blaues Band des Friedens“ knüpfen. „Das wird keine Demonstration herkömmlicher Art“, sagt Thorben Peters, Sprecher des Bündnisses. Das liegt zum einen am Coronavirus. Statt eines klassischen Marsches durch die Stadt planen die Organisatoren eine „bewegliche Menschenkette“ – ein blaues Seil wird weitergereicht und verbindet das Dragonerdenkmal im Clamartpark mit dem Johanna-Stegen-Denkmal an der Bastion.

„Wir verbinden die Denkmäler symbolisch, weil sie ihre unrühmliche Rolle bei der Vorbereitung der Weltkriege spielten“, sagt Peters. Das mythisch überhöhte „Heldenmädchen von Lüneburg“ aus den Befreiungskriegen sei „den Munitionsarbeiterinnen als Vorbild“ nahegelegt worden. „Das Dragonerdenkmal wurde von den Faschisten kurz vor dem Überfall auf Polen aufgestellt.“

Und noch etwas wird anders sein an der „beweglichen Menschenkette“, die am Sonnabend, 29. August, um 16 Uhr im Clamartpark beginnt und über den Liebesgrund zum Marktplatz führt: Es nehmen deutlich mehr Organisationen an der Demo teil, als das Thema Frieden in den vergangenen Jahren auf die Straße brachte. Peters zählt auf: „Dieses Mal haben wir mehr als 40 Mitveranstalter, beim Ostermarsch – der letztlich nur digital ablief – waren es 20; in den beiden Jahren zuvor etwa 25.“

Zwei Gründe sieht Peters, der auch Kreissprecher der Linken ist: Zum Ersten habe sich das Friedensbündnis in Lüneburg wieder etabliert, nachdem die Tradition von Friedensdemos in den 1980ern abriss. Zum Zweiten spürten viele Menschen 75 Jahre nach Hiroshima eine erneute Kriegsgefahr. „Die globalen Rüstungsausgaben belaufen sich auf zwei Billionen US-Dollar.“ Deutschlands Rolle als viertgrößter Rüstungsexporteur sieht er dabei kritisch. „20 Milliarden Euro muss Berlin ausgeben, um das 2-Prozent-Ziel der Nato zu erfüllen. Mit der Hälfte könnte man alle Schulen sanieren.“

„Fehlverhalten des Westens provoziert andere“

Den Einwand, dass Europa kein Hort der Abrüstung bleiben könne, wenn insbesondere Asien aufrüstet, lässt Peters nicht gelten: „Es ist oft genug das Fehlverhalten des Westens, das die Aufrüstung der anderen provoziert. Beispielsweise durch die Aufkündigung des Atom-deals mit dem Iran durch die USA.“

Von der EU erhofft sich Peters, dass sie keine militärischen Muskeln ansetzt, sondern sich als Friedens-Vormacht positioniert. Und von den mehr als 200 erwarteten Demonstranten zum Antikriegstag erhofft er sich „ein starkes Signal der Zivilgesellschaft, global die Konkurrenz zugunsten der Kooperation zu überwinden“.

Von Joachim Zießler