Juliane Smykalla aus Ventschau besucht in Warschau regelmäßig „Pani Anna“, sie ist 94 Jahre alt und Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz. (Foto: privat)

Einsatz für die Versöhnung

Ventschau/Warschau. Das Freiwillige Soziale Jahr, das Juliane Smykalla seit dem vergangenen Sommer in Polen leistet, ist ein ganz besonderes. Regelmäßig besucht die 21-Jährige mit anderen Freiwilligen die 94-jährige „Frau Anna“, die sie auf Polnisch „Pani Anna“ nennen, eine Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, hilft im Haushalt, spricht mit ihr. Später, im Büro, arbeitet die junge Frau aus Ventschau an polnischen Kriegsgräberlisten, recherchiert dazu in Archiven, sucht Kontakt zu deutschen Friedhöfen, um Informationen zu polnischen Kriegsgräbern zu bekommen. Für die „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ (ASF) ist Juliane Smykalla seit einem Jahr in Polen, würde gern noch ein weiteres Jahr anhängen.

Als Juliane Smykalla vor etwas mehr als einem Jahr ihr Abitur an den Berufsbildenden Schulen II in Lüneburg gebaut hatte, war für sie schon klar, dass auf Schule nicht gleich Studium oder Ausbildung folgen sollen. Ziel war ein „ein Soziales Jahr, etwas, das einen gewissen Sinn mit sich bringt“.

Der Traum der jungen Frau aus Ventschau wurde wahr, als sie auf die „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ aufmerksam wurde, die seit 1958 Friedensdienste und Begegnungsprogramme, unter anderem in Europa und Israel, organisiert. Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und ihren Folgen steht im Mittelpunkt der Arbeit. Und auch das Einsatzgebiet war schnell klar: „Meine Eltern kommen beide gebürtig aus Polen, ich bin mit der Sprache und Kultur aufgewachsen. Das Land, die Sprache und die Kultur sind ein Teil von mir.“

Bei der „Stiftung für Polnisch-Deutsche Aussöhnung“ in Warschau begann Juliane Smykalla vor einem Jahr ihre Arbeit. Zu den Hauptaufgaben der Stiftung gehören die Auszahlung von Entschädigungsleistungen an polnische NS-Verfolgte und ehemalige Zwangsarbeiter, dazu humanitäre und soziale Hilfe für Betroffene.

Unterstützung von Paten erforderlich

Und offensichtlich hat Juliane Smykalla in Polen gute Arbeit geleistet, denn: „Ich habe von der Organisation die Möglichkeit bekommen, ein weiteres Jahr als Freiwillige in Polen zu arbeiten.“ Allerdings nicht in Warschau, sondern in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) in Oświęcim, deutsch Auschwitz. Die wird vor allem von Jugendgruppen oder Schulklassen besucht, die das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besichtigen und an themenorientierten Workshops teilnehmen. In der Begegnungsstätte erzählen auch regelmäßig Zeitzeugen – unter anderen „Pani Anna“ aus Warschau.

Für ihr erstes Jahr in Polen hatte Juliane Smykalla einen „Patenkreis“ aufgebaut, der sie unterstützte. Um in Polen bleiben zu können, benötigt sie erneut einen Kreis, der sie und die Arbeit der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ unterstützt. Wer helfen will, wendet sich 29per E-Mail an julianesmykalla@t-online.de.

Von Ingo Petersen