Donnerstag , 22. Oktober 2020
Die weiteren Details der Hallenplanung sollten „jetzt den Profis überlassen werden“, fordert der FDP-Fraktionschef Finn van den Berg. (Fotos: be/t&w)

FDP-Fraktionschef van den Berg im Interview zur Arena: „Wir haben Tretminen hinterlassen“

Es findet in diesem Sommer ein munteres Ping-Pong-Spiel um das Arena-Desaster statt. Sind die Fehler der Vergangenheit schuld, wie Ihr CDU-Kollege Günter Dubber betont oder ist es die heiße Nadel, mit der auch jetzt noch gestrickt wird, wie SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp meint?

Finn van den Berg: Ich sehe auf jeden Fall die Fehler in der Vergangenheit. Nachdem das eigentliche Vorhaben, mit einem privaten Investor zu bauen und dann die Halle zu mieten, gescheitert war, hätten wir überlegen müssen, ob wir der Verwaltung wirklich zutrauen, Bauherr dieser Arena zu sein. Schließlich hatte die Gebäudewirtschaft darauf hingewiesen, dass sie mit anderen Projekten eingedeckt ist. Dass dann der damalige Landrat Manfred Nahrstedt entschieden hat, mit dem Ersten Kreisrat einen Juristen eine Halle planen zu lassen, war wohl etwas optimistisch. Wir haben der Verwaltung mehr zugetraut, als sie hätte stemmen können. Daraus sind viele Fehler erwachsen, die wir jetzt aufarbeiten müssen.
Es ist mir aber auch etwas anderes wichtig: Die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen SPD und CDU führen zu gar nichts. Die Arena wächst gerade, die bekommen wir nicht wieder weg. Da müssen wir uns jetzt zusammenreißen und das als Gemeinschaftsprojekt verstehen.

Bei Arena-Themen ist sich Ihre FDP-Fraktion beziehungsweise die Gruppe mit den Unabhängigen seltenst einig, es wirkt eher wie „Zwei Liberale, drei Meinungen“. Da gibt es vehemente Befürworter und entschiedene Gegner – wo steht die Fraktion eigentlich?

Wir haben in der Tat mit unseren drei Fraktionsmitgliedern ein ziemlich breites Spektrum abgebildet. In der Arena-Diskussion haben wir uns aufgeteilt, was die Kompetenzen angeht. Die Interessen aus der Perspektive des Sports waren mein Thema, Gisela Plaschka hatte insbesondere die Kultur im Blick und die finanziellen Fragen hat Berni Wiemann beleuchtet. Die Frage, was darf Infrastruktur kosten und wann ist Daseinsvorsorge nicht mehr zu leisten auf der einen Seite, dass uns für Lüneburg und die umliegenden Gemeinden eine solche Halle gut zu Gesicht steht und nachgefragt wird. Auf der anderen Seite war die Kostensteigerung natürlich heftig. Das haben wir abgebildet. Wir hatten da Meinungsvielfalt, Fraktionszwang gibt es bei uns nicht.

Was bleibt der Kreispolitik jetzt noch an Möglichkeiten?

Ich rate allen Fraktionen dazu, natürlich weiter den Fokus auf der Arena zu haben, aber mit Blick auf Wahlkampf keine überzogenen Forderungen zu stellen, um sich vermeintlicherweise die Wählergunst zu sichern. Der Wähler wird sich da seine Meinung gebildet haben und bei der Kommunalwahl auch zum Ausdruck bringen.

„Da bringt es jetzt auch nichts mehr, mit wüsten Anträgen die Arena zu blocken.“
Finn van den Berg

Was die Details angeht, sind die Weichenstellungen erfolgt. Jetzt sollten wir die Profis die Halle planen lassen. Wir waren die Entscheider, jetzt ist die Stunde der Firma Reese als Projektsteuerer und – ich hoffe auch – von dem Verwaltungsteam als Projektverantwortliche. Da bringt es jetzt auch nichts mehr, mit wüsten Anträgen die Arena zu blocken. Wobei viele Fragen, die auftauchen, aus Mangel an Transparenz entstanden sind, weil die Verwaltung einfach nicht offen gesprochen hat.

Nach dem finanziellen Offenbarungseid und dem Wechsel bei der Projektsteuerung im Frühjahr 2019 ist von Verwaltung und Politik Transparenz versprochen worden. Doch neue Hiobsbotschaften kommen auch jetzt eher tröpfchenweise und oft erst nach Recherchen heraus. Wo bleibt da die versprochene Offenheit?

Ich empfinde das so, dass wir als Politik jetzt gut informiert sind. Das war unter Herrn Nahrstedt nicht immer so. Was ich bemängeln würde, ist die Kommunikation der Verwaltung. Von ihr muss dem Bürger besser erklärt werden, was jetzt passiert. Es gibt ein Bedürfnis der Einwohner zu erfahren, was mit ihrem Geld passiert. Da muss eine Kommunikation hergestellt werden. Das ist ja eigentlich nicht schwer.

Welche Rolle wollen Sie da als FDP übernehmen?

Als ich im April 2019 Fraktionschef wurde, haben wir einen Sonder-Kreistag gefordert, damit alle Fakten auf den Tisch kommen. Hier sehe ich auch unsere Rolle: Entscheidungsprozesse transparent halten und unser Handeln nachvollziehbar machen.

Jens Böther hat als neuer Landrat die Vergangenheit nicht zu verantworten, muss aber mit deren Folgen umgehen. Welche Note bekommt er von Ihnen im Halbjahreszeugnis im Fach Arena-Management – und was würde Sie bei der schriftlichen Beurteilung dazu schreiben?

(Lacht) Im Grunde genommen eine 3. Wie gesagt – die Kommunikation mit der Bevölkerung muss besser werden. Wir haben in jedem Kreisausschuss am Ende den Punkt, was gegenüber der Presse bekannt gegeben werden soll. Dieser Punkt wird immer im Schweinsgalopp durchgegangen, dabei ist das einer der wichtigsten. Da muss man stärker darauf eingehen.
Ansonsten darf man aber nicht vergessen, dass Jens Böther gleich in seinem ersten halben Jahr noch vor ganz anderen Herausforderungen gestanden hat. Corona hat er gut gemacht. Und wir – beziehungsweise die alte Verwaltungsspitze – haben ihm wirklich einige Tretminen hinterlassen.

Mit Finn van den Berg sprach Marc Rath.