Dienstag , 29. September 2020
Wookie Mayer verdreht als Gitte Kuhlmann Bruno Maiwald den Kopf. Die Folgen mit ihr sind ab dem 1. September zu sehen. Foto: be

Ein Lockenköpfchen für den brummigen Bruno

Lüneburg. Sie ist gerade erst zehn Tage in Lüneburg, als das Interview mit der LZ ansteht. Und doch hat sie binnen dieser kurzen Zeit schon eine Menge gesehen von der Region. „In der Altstadt bin ich durch jede Straße mindestens einmal gelaufen. Ich war am Kalkberg, im Liebesgrund, eigentlich in allen städtischen Grünanlagen, denn ich bin ein Naturmensch. Ich war am Inselsee und bin im Reihersee geschwommen. Am Wochenende habe ich einen Ausflug nach Lauenburg gemacht, nächste Woche möchte ich dann nach Bleckede.“ Das Ausflugsprogramm ist ein angenehmes Extra, nach Lüneburg gekommen ist sie aber aus beruflichen Gründen: Wookie Mayer übernimmt eine Rolle bei den Roten Rosen. Für die 65-Jährige, die in München aufgewachsen ist und lebt, ist es eine Lüneburg-Premiere. Ihre Entdeckungsreise startete sie ganz klassisch. Während andere längst zum Smartphone greifen und sich via Google Maps oder anderer Apps leiten lassen, um unbekanntes Terrain zu erkunden, greift sie stets zum Stadtplan aus dem Buchhandel: „Ich liebe Pläne“, sagt sie. „Und ich bekomme beim Blick auf den Plan schon immer so ein Gefühl, wo es mich hintreibt.“ Und auch in Lüneburg hat sie ihr Gefühl bisher nicht getäuscht. „Was ich gesehen habe, hat mir super gefallen“, versichert Wookie Mayer, die mit bürgerlichem Namen Dagmar heißt, aber irgendwann zu einer Ableitung ihres Spitz-namens aus Kindertagen – Wuggerl steht für „Lockenköpfchen“– wechselte.

Fernsehzuschauer kennen den Lockenkopf womöglich aus der „Lindenstraße“, „Sturm der Liebe“, „In aller Freundschaft“, „Kurklinik Rosenau“ oder „Die Rosenheim-Cops“. Doch auch im Münchner Tatort, im Film über den Kaufhaus-Erpresser Dagobert und in Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen war sie zu sehen. Begonnen hatte ihre TV-Karriere Mitte der Achtziger – zunächst argwöhnisch beäugt vom Vater: „Der wollte unbedingt, dass ich was Anständiges lerne. Er hat gesagt, wenn ich nicht Jura, Medizin oder BWL studiere, bekomme ich keinen Pfennig als Unterstützung. Ich habe mich dann für die Psychologie entschieden, das ist ja fast wie Medizin. Und mein Vater war zufrieden“, erzählt sie schmunzelnd. Doch ihr eigenes Ziel verlor sie nicht aus den Augen, schon während des Studiums mischte sie bei Theaterproduktionen mit, nach nur einem halben Jahr als Psychologin in der Familientherapie der Stadt München wechselte sie zur Filmhochschule. Dort habe sie viele Kontakte geknüpft zu Regisseuren, die sie später dann in ihren Filmen besetzten. „Meine Eltern haben mich dann mal an einem Filmset besucht. Als mein Vater gesehen hat, dass es mir da gut ging und ich auch Geld verdient habe, war er beruhigt.“

Sehnsucht nach den Schildkröten

Nach Lüneburg gelotst hatte sie mit seiner Empfehlung beim Team jetzt ihr Kollege Wolfgang Häntsch, der die Rolle des Bruno Maiwald spielt. Und da passt es natürlich gut, dass die Neue in ihrer Rolle als Gitte Kuhlmann ausgerechnet jenem Bruno den Kopf verdreht. Wookie Mayer sagt zu ihrer Rolle: „Gitte ist eine coole Person: ein weltreisender Ex-Hippie. Sie lebt in Kopenhagen, produziert Schmuck und Taschen aus Plastikmüll und hat ein Schiff, das sie für Chartertouren vermietet. Sie kommt nach Lüneburg, weil sie von Thomas ein spezielles Siegel haben möchte. Und da trifft sie auf Bruno und merkt gleich, dass da irgendwas ist zwischen den beiden.“

Wie lange Gitte und damit auch Wookie Mayer in Lüneburg bleiben, ist noch nicht ganz klar. Zunächst mal gilt ihr Vertrag für sieben Wochen. Noch ein bisschen Zeit also, um die Gegend zu erkunden. Und dabei hat die begeisterte Schwimmerin und Tangotänzerin hin und wieder auch Begleitung: „Mein Freund lebt in Hamburg, so können wir uns jetzt jedes Wochenende sehen.“ Nur eines fehlt ihr derzeit dann doch: „Ich habe ein Haus auf einer griechischen Insel – mit Schildkröten, einer Katze und einem großen Garten. Wegen Corona kann ich da derzeit immer noch nicht wieder hin. Das alles fehlt mir sehr.“

Von Alexander Hempelmann