Freitag , 30. Oktober 2020
Lars Werkmeister will mit vielen Beteiligten Lüneburgs Stärken noch besser nach außen transportieren. Foto: t&w

Auch eine Frage des Geldes

Lüneburg. Es ist nur ein kleiner Überschuss von 22.000 Euro, den die Lüneburger Marketing GmbH (LMG) für das Jahr 2019 verbuchen kann. Und auch der konnte unterm Strich nur durch Einsparungen erzielt werden. Denn seit Jahren haben die Werber der Stadt ein Problem: Erlöse im Tourismus gehen zurück, Sponsoren zu finden, wird schwieriger. Der Umsatzrückgang belief sich auf 100.000 Euro. Das sei aber kein Lüneburg-spezifisches Problem. Geschuldet sei es einem Rückgang bei der Vermarktung touristischer Leistungen wie Hotel-Vermittlungen.

Viele Kunden nutzen Internetplattformen

Die Tourist-Info verzeichne weniger Buchungen, weil viele Kunden Internetplattformen wie booking.com nutzen. Das erläuterte LMG-Chef Lars Werkmeister im Wirtschaftsausschuss des Rates. Dort stellte er auch Überlegungen für ein neues Stadtmarketing-Konzept vor, die mit den Gesellschaftern erarbeitet wurden.

Im Vergleich zu vielen anderen Städten halten sich Zuschüsse von den Gesellschaftern mit den Personalkosten und sonstigen Kosten nicht die Waage, machte Werkmeister deutlich. Das habe die Gesellschaft jahrelang durch den Erfolg im Tourismus kompensieren können.

Doch nun klafft ein finanzielles Loch durch die Umsatzrückgänge. Gleichzeitig werden immer wieder Stimmen laut, dass die Marketing GmbH neue Wege beschreiten müsse, damit Lüneburg mit seinen Angeboten im Wettbewerb mit anderen Städten besteht. „Durch die finanzielle Konstellation gibt es einfach wenig Spielraum für Neues“, erläuterte Werkmeister.

Wie bei vielen anderen Unternehmen sieht auch die Prognose fürs laufende Jahr düster aus. Aufgrund der Corona-Pandemie sei von einem erheblichen Fehlbetrag auszugehen, da die Tourist-Info wochenlang geschlossen war und Veranstaltungen abgesagt wurden, erklärte der LMG-Chef. Mit der Kampagne „Wir für Lüneburg“ habe man – trotz Kurzarbeit – einen Beitrag geleistet, um die lokale Wirtschaft zu unterstützen.

„Lüneburg – Erlebnis Salzstadt“

Trotz Corona wurde auch an einem Ansatz fürs Stadtmarketing-Konzept gearbeitet. Werkmeister: Handel, Gastronomie, Eigentümer, Vereine, Kulturschaffende sowie Politik und Verwaltung sind Lüneburgs Stadtgestalter. Sie sind es, die für Einkaufserlebnisse, kulturelle, gesellschaftliche sowie Freizeitangebote, gastronomische Vielfalt und vieles mehr sorgen, was Kunden von nah und fern zieht. Gemeinsam mit den Stadtgestaltern wolle seine Gesellschaft ein Markenkonzept erarbeiten, auf dessen Basis Bürger und Besucher angesprochen werden sollen.

Ein Markenkonzept orientiert sich an dem, was eine Stadt besonders ausmacht. Als Beispiel nannte Werkmeister die Stadt Innsbruck, die „Erfolgsmuster“ wie zum Beispiel alpine Welt, Sport oder pulsierende Stadt zu ihren Markenzeichen gemacht hat. Für Lüneburg wurden mehrere Themenwelten ausgemacht. Sowohl für Bürger wie auch Touristen relevant und für die Innenstadt wichtig sind: Erlebniseinkauf, Kulturstadt, Gastlichkeit, Architektur und Geschichte. Diese könnten unter das Dach „Lüneburg – Erlebnis Salzstadt“ gebracht werden. Mit den Stadtgestaltern sollen dann Ideen und Umsetzungen erarbeitet werden, um bestimmte Zielgruppen besser anzusprechen.

Ein Beispiel: Zum Stadtfest kommen zwar immer viele Besucher, doch es hagelt auch immer wieder Kritik, das Programm sei seit Jahren immer dasselbe. Mit den möglichen Partnern aus dem Bereich Kulturstadt könnte überlegt werden, wie das Netzwerk der Kulturschaffenden seine „Themen im Programm spielen könnte, denn die Markenpartner sind die Experten, deren Know-how und Kreativität genutzt werden sollte“. Auch der Lokalbonus sei eine Aktion, „die in diesem Kontext erhalten bleiben könnte, bei dem Erlebniskauf und Gastlichkeit kombiniert werden“, meint Werkmeister.

Bis zum Jahresende sind Workshops geplant

Das Marketing selbst sieht die Themen als Leitlinie für seine eigenen Aktivitäten, zum Beispiel für Veranstaltungen oder die Vermarktung im Internet. Aus Sicht von Werkmeister bietet das Konzept eine aktive Einbindung vieler Stadtgestalter sowie professionelle Ansprache von Kunden.

Bis zum Ende des Jahres sind Workshops mit den Stadtgestaltern zur Erweiterung des Konzepts geplant. In der nächsten Sitzung des Aufsichtsrates geht es ums Geld, denn es ist absehbar, dass die aktuellen Mittel nicht reichen.

Von Antje Schäfer