Freitag , 23. Oktober 2020
Die Sorge vor weiter zunehmendem Lärm durch die künftige A39 treibt die Anwohner der Ostumgehung seit Jahren um. Foto: t&w

Der Tunnel allein reicht nicht

Lüneburg. Die geplante A39-Trasse ist keine 20 Meter Luftlinie von seiner Wohnstraße im Lüneburger Stadtteil Moorfeld entfernt. Der Lüneburger Borwin Pahl setzt sich seit Jahren für einen adäquaten Lärmschutz an der heutigen Ostumgehung ein, die zur Bundesautobahn erweitert werden soll. Die Landesbehörde für Straßenbau und -verkehr in Lüneburg ist Vorhabenträgerin des A39-Baus von Lüneburg bis Wolfsburg. Zum Schutz der Anwohner ist der Bau eines Autobahntunnels von 398 Metern Länge geplant. Derzeit läuft die Online-Konsultation zum ersten Bauabschnitt der A39 bei Lüneburg (LZ berichtete). Wichtige Fragen zum Lärmschutz im Zusammenhang mit dem Tunnel seien aus Pahls Sicht von der Behörde aber bisher nur unzureichend oder gar nicht beantwortet worden. Bis jetzt.

Die LZ hat sich die von Pahl zusammengefassten Kernfragen der Anwohner zu eigen gemacht und als Presseanfrage an die Landesbehörde gerichtet. Die schriftlichen Antworten gab nun Annette Padberg, Fachbereichsleiterin Planung und Projektleiterin für die A39.

Für den 1. Bauabschnitt der A39 wurde 2017 ein Planänderungsverfahren eingeleitet. Anlass war die Berücksichtigung eines zusätzlichen Fahrstreifens zwischen den Anschlussstellen Lüneburg-Nord und Erbstorfer Landstraße in beiden Fahrtrichtungen. Welche Konsequenzen für die Tunnelplanung ergeben sich daraus?

Annette Padberg: Aus dem Planänderungsverfahren 2017 ergeben sich für die Hauptabmessungen des Tunnels mit einer Tunnellänge von 398 Metern zwei Tunnelröhren keine Veränderungen. Die lichte Breite des Tunnels bleibt bei 2 x 14 Metern. Die Aufteilung der Fahrstreifen ändert sich ebenfalls nicht.

Um wie viele Meter müsste der geplante Autobahntunnel nach Süden verlängert werden, damit die an der Erbstorfer Landstraße geplante vier Meter hohe Lärmschutzwand ausreicht, um den Anwohnern den gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutz zu gewährleisten, und wie teuer wäre diese Verlängerung?

Mit einer Verlängerung des Tunnels nach Süden wird die Einhaltung der Grenzwerte in der Erbs­torfer Landstraße nicht erreicht, lediglich die Erhöhung der Lärmschutzwand an der Erbstorfer Landstraße führt zu einer Einhaltung der Grenzwerte. Mit dem geplanten Lärmschutzkonzept aus einer Kombination von Tunnel, Wänden, Wällen und offenporigem Asphalt wird ansonsten die Einhaltung der Grenzwerte nach der 16. Bundesimmissionsschutzverordnung erreicht. Für die Gebäude an der Erbstorfer Landstraße ist in den aktuellen Planunterlagen eine Lärmschutzwand mit vier Metern Höhe ergänzt durch passiven Lärmschutz vorgesehen. Die Einhaltung der Grenzwerte an den Gebäuden an der Erbstorfer Landstraße ist nur möglich, wenn die Lärmschutzwand an der Erbstorfer Landstraße auf 7,50 Meter erhöht wird.

Wie teuer sind lärmschutzfreundlich gestaltete Tunnelportale mit einkragenden Lärmschutzwänden und -wällen und inwiefern sind diese Gegenstand der aktuellen Planung?

Für die Gestaltung der Lärmschutzwände und des Tunneldeckels ist ein Gestaltungsdialog mit der Stadt Lüneburg vorgesehen. Erst wenn die Ergebnisse daraus vorliegen, können Kosten benannt werden. Die Höhe der Lärmminderung ist maßgeblich davon abhängig, wo die obere abschirmende Kante der Lärmschutzwand endet (Beugungskante), ob es sich nun um eine gerade, gebogene oder hineinkragende Lärmschutzwand handelt. Diese Bauform fügt sich jedoch bei hohen Lärmschutzwänden besser in das Landschaftsbild ein und hat sich in der Konstruktion als langlebig und wartungsarm bewährt.

Ist es aus Sicht der Landesbehörde denkbar, dass sich die Stadt Lüneburg an den Kosten beteiligt, so wie es bei der Lärmschutzwand an der Ostumgehung zum Schutz der Anwohner in dem Neubaugebiet Schlieffen-Kaserne der Fall war?

Eine Kostenbeteiligung der Stadt Lüneburg ist grundsätzlich für die im Zuge der Gestaltungsdialoge vereinbarten zusätzlichen Maßnahmen denkbar, hierzu werden weitere Abstimmungen mit der Stadt geführt.

Von Dennis Thomas