Auf der Suche nach neuen Spuren aus alten Epochen in der Oldendorfer Totenstatt sind (von links) Lukas Eckert, Lorenz Luick, Projektleiterin Dr. Julia Menne und Bezirksarchäologe Dr. Mario Pahlow. Fotot: bau

Auf den Spuren der Vorzeit

Oldendorf/Luhe. Die Oldendorfer Totenstatt gehört zu den archäologisch bedeutendsten Fundstellen in der Lüneburger Heide. Dort sind Grabanlagen aus nahezu allen vor- und frühgeschichtlichen Epochen zu sehen: Allerdings ist die Stätte noch immer nicht vollständig erforscht. Das wiederum ruft Wissenschaftler auf den Plan.

So ist die Oldendorfer Totenstatt seit Oktober 2019 immer wieder Ziel einer Feldforschung von Studierenden unter der Regie von Projektleiterin Dr. Julia Menne vom Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie an der Universität Hamburg in Kooperation mit dem Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern und dem Lüneburger Stützpunkt des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Vor Kurzem erst rückten Julia Menne und ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter Lorenz Luick und Lukas Eckert sowie Bezirksarchäologe Dr. Mario Pahlow mit jeder Menge Hightech wie dem „Fluxgate- Magnetometer“ im Gepäck für geophysikalische Arbeiten und für eine 3D-Laservermessung an.

Im Fokus stand eine kleine, frisch gerodete Waldfläche neben der eigentlichen Totenstatt. „Hier schauen wir mit unseren Geräten nichtinvasiv unter die Geländeoberfläche, um mögliche archäologische Strukturen zu erfassen“, erklärte Julia Menne.

Abweichungen im natürlichen Erdmagnetfeld

Entsprechende Befunde wie Gruben, Gräben, Feuerstellen oder auch Funde wie Eisenobjekte verursachen nach Auskunft der Projektleiterin Abweichungen im natürlichen Erdmagnetfeld. „Diese lassen sich messen und grafisch darstellen.“ Im Fall der Oldendorfer Totenstatt hoffen die Archäologen, abgetragene Grabhügel, Nutzungsareale der Urgeschichte oder auch neue Gräber aufzufinden – bereits mit erstem Erfolg.

Auf der aktuellen Untersuchungsfläche ist laut Julia Menne ein neuer Grabhügel zum Vorschein gekommen. „Diesen werden wir jetzt besonders eingehend mit Geoelektrik erkunden, um einen 3D-Eindruck des Hügels zu bekommen.“ Weitere Flächen der Totenstatt sollen in den nächsten Monaten untersucht werden.

Interessierter Beobachter während der Erkundungen war der Amelinghausener Helmut Borkowski. Der 80- Jährige ist seit 50 Jahren als Hobby-Archäologe in der Region unterwegs. Seine Funde in dem Gelände hatten den entscheidenden Anstoß gegeben, dort verstärkt nach noch unentdeckten Grabhügeln zu suchen. „Es kann sein, dass die Ausdehnung der Grab- und Siedlungslandschaft viel größer als angenommen ist“, sagte Julia Menne. Die weiteren Arbeiten werden das zeigen.

Von Marcel Baukloh

Hintergrund

Nahezu ungestört erhalten

In der Oldendorfer Totenstatt sind verschiedenste, Jahrtausende alte Bestattungsformen auf engstem Raum zu sehen: Hünenbetten, Grabhügel, Urnengräber sowie Brand- und Körperbestattungen. Weil das Areal schon sehr früh unter Denkmalschutz gestellt wurde, ist es nahezu ungestört erhalten. Das älteste Grab ist ein sogenanntes „kammerloses Hünenbett“. Innerhalb seines 60 Meter langen und sieben Meter breiten, von Findlingen eingesäumten Erddamms, war zunächst keine Grabkammer aus Stein sichtbar. Erst bei Ausgrabungen stellte sich anhand von Bodenverfärbungen heraus, dass es sich um eine hölzerne Grabkammer handelte.