Montag , 28. September 2020
Der Plastiker Heiko Prodlik-Olbrich beschäftigt sich schon lange mit Legenden um den heiligen Mauritius. Foto: t&w

Neue Mauritius-Büste im Lüneburger Salzmuseum

Lüneburg. Der heilige Mauritius war schon immer für viele Berufsgruppen zuständig. Er ist Schutzpatron des Heeres, der Infanterie, der Messer- und Waffenschmiede und wurde angerufen vor Kämpfen, Gefechten und Schlachten. Darüber hinaus wird er unter anderem verehrt von Glasmalern, Tuchwebern, Färbern – und von Salzsiedern. Deshalb fand Hilke Lamschus, Leiterin des Lüneburger Salzmuseums, dass Mauritius in ihrem Haus angemessen vertreten sein sollte. Jetzt ist es soweit.

Kunst-Steinguss mit Gold-Patina

Der Kontakt mit einem Künstler, der sich mit Mauritius auskennt, kam über eine Museumsmitarbeiterin zustande. Heiko Prodlik-Olbrich schuf eine Büste aus Kunst-Steinguss, überzogen mit einer Gold-Patina. Nun steht das Werk als Dauerleihgabe in der Museumsabteilung Legendenbildung, der schimmernde Kopf hebt sich deutlich vor dem dunklen Hintergrund ab. „Mich hatte die Aufgabe fasziniert, eine ästhetische Form zu finden, die den Leidensweg dieses frühchristlichen Märtyrers ikonografisch symbolisiert“, sagt der Plastiker aus Springe am Deister.

Prodlik-Olbrich war 2007 als Kulturbotschafter der Stadt Springe zu einer Messe nach Niort/Frankreich eingeladen worden. Auch Coburg war zu Gast – und die Stadt trägt Mauritius im Stadtwappen. Angeregt durch die Profildarstellung des Nordafrikaners, begann der Bildhauer noch am Messestand mit seiner Büste.

Eine wahrhaft legendäre Gestalt, nicht alle historischen Quellen passen zusammen, wie das bei der Verehrung von Heiligen eben so ist: Mauritius – auch Mauricius, Moritz, Maurice – wurde wohl bei Theben in Ägypten geboren und starb angeblich um 290 in Agaunum (Saint-Maurice im Wallis). Er war der Überlieferung nach der Anführer der Thebäischen Legion und wird in der katholischen und der orthodoxen Kirche seit dem 4. Jahrhundert als Heiliger verehrt.

Mauritius war ein christlich getaufter Kommandeur, heute würde man sagen: im Rang eines Generals. Unter den römischen Kaisern Diokletian und Maximian wurde seine Legion im Zuge der Christenverfolgung über die Alpen geschickt. Mauritius wollte aber nicht gegen seine christlichen Glaubensbrüder kämpfen. Maximian ließ daraufhin die rebellierende Truppe dezimieren, etwa jeder zehnte Soldat wurde hingerichtet. Das führte nicht zum Erfolg, Maximian ging immer brutaler vor, am Ende wurde die gesamte Legion (6600 Mann, überwiegend christlichen Glaubens) getötet. Mauritius starb als Letzter den Märtyrertod.

Die Frisur veranschaulicht die Biografie

Die Büste im Salzmuseum verlangt nicht nur den Blick des Betrachters auf das Gesicht: „Die auf den ersten Blick extravagante und modern anmutende Haargestaltung ist mein Versuch, die legendäre Biografie des Mauritius bildhaft zu veranschaulichen“, sagt Prodlik-Olbrich: „Drei Haarstränge sind zu einem innig geflochtenen Zopf verbunden. Zusammen mit einem hell hervorgehobenen „heiligen Dreieck“ – also die Trinität – auf der Stirnseite ist sein christliches Glaubensbekenntnis versinnbildlicht. Aber im Verlauf seines Dienstes als Kommandeur durchqueren Zwerchbänder, also Querbänder, diese innig geflochtene Ordnung des christlichen Glaubens und verursachen bei dem Soldaten eine wirre Verknotung: Die christliche Thebäische Legion wurde den heidnischen Römern zur Christenverfolgung unterstellt.“

Der heilige Mauritius hat in der Gegenwart eine Debatte über Rassismus ausgelöst: Der „Mohr von Coburg“ solle nach einer Internetkampagne zweier Frauen aus dem Stadtwappen verschwinden – in einer Stadt, in der es beispielsweise, wie in anderen Orten auch, eine „Mohren-Apotheke“ gibt, dazu eine Mohren-Garde und eine Mohrengasse. Die Nazis hatten den allgegenwärtigen Mohr aus dem Stadtwappen verbannt, er ist längst zurückgekehrt.

Europaweit gibt es 480 Kirchen und Klöster mit Mauritius als Patron, dazu gehören auch die Klöster Ebstorf und Medingen. Sein evangelischer und römisch-katholischer Gedenktag ist der 22. September.

Von Frank Füllgrabe