Donnerstag , 1. Oktober 2020
Ulrich Blanck hat in seinem Garten einen Sammeltank für Regenwasser vergraben. Foto: t&w

Regenwasser sinnvoll nutzen

Lüneburg. Mitunter sind die Böden nach langer Trockenheit derart hart und fest, dass sie bei einem starken Regenschauer das Wasser kaum aufnehmen können. Vor allem im städtischen Bereich fließt es dann als Oberflächenwasser ungenutzt in die Kanalisation. Dabei könnte es nicht nur für die Gartenbewässerung sinnvoll eingesetzt werden, sondern auch für die häusliche Toilettenspülung.

Die Lösung könnten Regenwasserzisternen auf privaten Grundstücken bis hin zu Regenwassernutzungsanlagen sein. Zumindest einen Sammeltank für Regenwasser hat auch der Lüneburger Ulrich Blanck im Garten. Jetzt ergreift der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Lüneburger Stadtrat die Initiative und regt unter anderem ein kommunales Förderprogramm zur Regenwassernutzung an.

Regenwasser statt Trinkwasser für den Garten nutzen

Das Bild ähnelt dem in vielen Lüneburger Vorgärten und Hinterhöfen. Irgendwo am Rand, meist in einem Beet versteckt, guckt ein Gullydeckel aus dem Boden. Meist verbirgt sich darunter allerdings ein Sickerschacht für die Niederschlagsentwässerung, mit Überlauf in die Kanalisation. Bei Ulrich Blanck hingegen kommt ein rund 5000 Liter fassender Regenwassertank zum Vorschein, der über Fallrohre auch teilweise das anfallende Regenwasser von den Dachflächen des Hauses aufnimmt. Eine Tauchpumpe aus dem Baumarkt reicht, um das unterirdische Wasserreservoir für die Gartenbewässerung anzuzapfen – und damit spart er Trinkwasser. Und im Gegensatz zu einer Regentonne ist das Wasser in der Zisterne vor Verdunstung geschützt und kann länger vorgehalten werden.

„Ein nachhaltiger Umgang mit Wasser erfordert auch einen bewussten Umgang mit Niederschlagswasser“, sagt Blanck und schreibt es auch so in einer aktuellen Anfrage an die Stadtverwaltung. „Die Techniken und Produkte zur Nutzung von Regenwasser im Haushalt sind mittlerweile ausgereift. Ein technisches Regelwerk steht hierzu zur Verfügung.“ Er verweist auf Angaben des Umweltbundesamtes, wonach ein Vier-Personen-Haushalt pro Jahr zirka 40 Kubikmeter oder 40 000 Liter Trinkwasser durch Regenwassernutzung ersetzen kann. Bis zu 60 Kubik könnten es sein, wenn das aufbereitete Regenwasser auch zum Wäschewaschen benutzt würde.

Anschaffungskosten sind hoch

Aber laut Blanck seien die Anschaffungs- und Installationskosten zumindest einer Regenwassernutzungsanlage mit 2500 bis 5000 Euro relativ hoch. Deshalb will er in seiner Anfrage von der Stadtverwaltung wissen, welche Fördermöglichkeiten es zur Errichtung von Anlagen für Regenwassernutzung gibt und ob die Umsetzung eines kommunalen Förderprogramms möglich und sinnvoll sei. Das Thema dürfte auch bei der kommenden Stadtratssitzung zur Sprache kommen. Mit Blick auf die entstehenden Neubaugebiete geht er aber noch einen Schritt weiter, er fragt: „Können Anlagen zur Regenwassernutzung in Bebauungsplänen und Baugenehmigungen festgesetzt werden?“ Die Antwort steht noch aus.

Parallel hatte die LZ eine Anfrage an die Stadtpressestelle gestellt, mit ähnlichem Inhalt, und wollte wissen: Wäre es aus Sicht der Stadtverwaltung sinnvoll, bei künftigen Neubaugebieten Zisternen zur Auflage für private Häuslebauer zu machen, damit Wasser aus der Oberflächenentwässerung gehalten und beispielsweise zur Wässerung von Gärten genutzt werden kann? Für die Stadt antwortet Suzanne Moenck: „Man kann in Bebauungsplänen immer nur ganz bestimmte Vorgaben machen und Festlegungen formulieren. Nicht alles, was vielleicht wünschenswert wäre, ist über den Bebauungsplan zu regeln – wenn es nicht dem Gesetz entspricht, hat man am Ende nichts gewonnen. Ob Zisternen zur Auflage gemacht werden können oder auch andere Vorkehrungen in der Richtung, lässt sich daher nicht aus dem Stand beantworten. Das müssten wir genauer prüfen.“

Von Dennis Thomas