Freitag , 23. Oktober 2020
Die Mieten im Landkreis sind leicht gesunken, bleiben aber laut einer aktuellen Analyse auf einem sehr hohen Niveau. Foto: AdobeStock

Lüneburgs Mieten fallen gegen den Trend

Lüneburg. Die Erkenntnis dürfte niemanden überraschen: Wohnen wird auch in Norddeutschland immer teurer. Selbst die Corona-Pandemie und die wirtschaftlichen Verwerfungen haben daran bislang nichts geändert. Zu dieser Einschätzung kommt eine Analyse des Internetportals immowelt, die 62 Landkreise und kreisfreie Städte in den Blick genommen hat. Danach sind in 54 der untersuchten Kreise und Städte die Angebotsmieten von 2019 auf 2020 gestiegen. Was dagegen überraschen dürfte: Lüneburg gehört zu den Ausnahmen.

Für den Vergleich herangezogen wurden Wohnungen zwischen 40 und 120 Quadratmetern, allerdings nur solche, die auf dem Portal vermehrt nachgefragt wurden. Bei den ermittelten Mietpreisen handelt es sich jeweils um Nettokaltmieten bei einer Neuvermietung.

Den stärksten Anstieg verzeichnet der Landkreis Ostholstein: Vor einem Jahr kostete der Quadratmeter im Durchschnitt noch 8 Euro, aktuell sind es 9 Euro – ein Plus von 13 Prozent. Dank der Lage direkt an der Ostsee und der beliebten Urlaubsgegenden Timmendorfer Strand oder Fehmarn ist der Landkreis besonders attraktiv, was zu einer hohen Nachfrage nach Wohnraum führt.

9,10 Euro pro Quadratmeter

In Lüneburg sind die Mieten hingegen um ein Prozent gesunken, allerdings war hier das Niveau schon deutlich höher. Für das erste Halbjahr 2019 nennt die Analyse eine mittlere Miete von 9,20 Euro pro Quadratmeter, für das erste Halbjahr 2020 sind es 9,10 Euro. Nur in vier anderen Landkreisen müssen Mieter noch mehr fürs Wohnen hinblättern: Im Kreis Stormann sind es 9,80 Euro, in Segeberg, Harburg und Pinneberg jeweils 9,50 Euro. Das zeigt: Im unmittelbaren Speckgürtel von Hamburg, der Wirtschaftsmetropole im Norden, ist es am teuersten. Auch bei den Städten liegt nur eine über dem Lüneburger Mietniveau: In Hamburg liegt der mittlere Mietpreis aktuell bei 12,10 Euro (+ 3 Prozent).

Die Verbreitung von Homeoffice als Folge der Corona-Krise könnte aber auch für manchen Anstieg in stark ländlich geprägten Gebieten verantwortlich sein, mutmaßen die Macher der Analyse. Ein Beispiel dafür ist Lüneburgs Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg, wo die Mieten ebenfalls um 13 Prozent geklettert sind – allerdings auf einem aus Lüneburger Mieter-Sicht beneidenswert geringen Niveau: 4,50 Euro sind hier nun für den Quadratmeter fällig. Ein Blick auf die aktuellen Mieten in den anderen Nachbarkreisen:

■ Heidekreis 6,50 Euro (+ 8 Prozent);

■ Lauenburg: 8,40 Euro (+ 5 Prozent);

■ Uelzen: 6,30 Euro (+ 2 Prozent). ↔» Seite 20

Von Alexander Hempelmann

Wem gehört Lüneburg?

Beliebtheit lässt es teuer werden

Der hiesige Mietwohnungsmarkt war 2019 ein Schwerpunktthema bei „Wem gehört Lüneburg?“. Zahlreiche Leser hatten sich an der LZ-Aktion beteiligt, hatten Auskunft gegeben über ihre Mietverhältnisse. Eine aufwändige Analyse des Zahlenmaterials verdeutlichte, dass vor allem der anhaltende Zuzug zum Anstieg bei den Mieten beigetragen hat, denn die Hansestadt wächst seit Jahren kräftig. Lag die durchschnittliche Miete angebotener Wohnungen 2007 noch bei 6,70 Euro pro Qua­dratmeter, waren es 2018 schon 10 Euro. Diese Zahlen bezogen sich aber allein auf das Stadtgebiet, nicht auf den aktuellen Vergleich, der das ganze Kreisgebiet in den Blick nimmt. „Wem gehört Lüneburg?“ zeigte auch, dass es im Stadtgebiet bereits Wohnungen gibt, für die 20 Euro pro Quadratmeter verlangt werden.