Zu schnell und zu laut fließt der Verkehr im Adendorfer Kirchweg. Foto: t&w

Kirchweg in Adendorf bleibt Streitthema

Adendorf. Rund 6000 Fahrzeuge sind es Tag für Tag, die den Adendorfer Kirchweg befahren. Die Straße, die an zahlreichen Geschäften, Praxen und dem Rathaus vorbeiführt, ist neben der Dorfstraße und dem Suren Winkel eine der drei innerörtlichen Hauptverkehrsachsen. Immer wieder gibt es so am Kirchweg auch Klagen von Bürgern – über Verkehrslärm, Raser oder Gefahrensituationen für Radfahrer. Jetzt hat sich die vor vier Jahren gebildete Interessengemeinschaft (IG) Kirchweg wieder zu Wort gemeldet.

Verkehrsbelastung gerade an Einmündungsbereichen

In einem Brief an die Landeszeitung klagt Anwohnerin und IG-Mitglied Britta Bederke über die Verkehrsbelastung, speziell über die Situation an mehreren Einmündungsbereichen, wo auf den Asphalt aufgebrachte Pflasterungen für zusätzliche Belastung sorgen: „An den gepflasterten Straßenabschnitten erschüttern Lkws die Häuser. Möbel und Wände vibrieren, Bilder fallen von der Wand“, klagt sie.

Ihr Vater Frank-Armin Bederke, Sprecher der Interessengemeinschaft, hatte vor vier Jahren im Rahmen einer Ratssitzung eine Liste mit 100 Unterschriften an Bürgermeister Thomas Maack (SPD) übergeben, in der die Gemeinde aufgefordert wurde, etwas gegen den Lärm und die Geschwindigkeitsübertretungen zu unternehmen. Britta Bederke: „Aber seither ist nichts passiert.“

Das wollen Bürgermeister Maack und sein Bauamtsleiter Christian Ninnemann so nicht stehen lassen. Sie verweisen auf mehrere Messungen, die am Kirchweg in den zurückliegenden Jahren vorgenommen wurden. Eine Tempomessung von Herbst 2017 etwa habe ergeben, dass fast 74 Prozent der Fahrzeugführer im Kirchweg langsamer als 50 km/h fuhren, weitere 17 Prozent wurden mit 50 bis 54 km/h gemessen. Rund sechs Prozent waren mit 55 bis 59 km/h unterwegs, nur wenige noch schneller.

Interessengemeinschaft fordert Tempo 30 im Kirchweg

Im Herbst 2018 sei zudem eine Schallimmissionsmessung vorgenommen worden. Dabei wurde ein „Immissionspegel“ von 63 dB(A) am Tage und von 54 dB(A) in der Nacht festgestellt. Festgestellt wurde zwar, dass unter anderem „die Orientierungswerte der DIN 18005“ überschritten wurden. Die Verwaltung erklärte aber auch, dass „nach Auffassung des Gutachters kein Rechtsanspruch auf Lärmminderungsmaßnahmen“ vorliege.

Britta Bederke will sich damit nicht zufrieden geben. Sie bemängelt unter anderem, dass die Messungen in der falschen Jahreszeit vorgenommen wurden. „Im Sommer, wenn es heiß ist, muss gemessen werden“, fordert sie. „Dann sorgen Motorradfahrer für mehr Krach, außerdem dehnen die gepflasterten Einmündungsbereiche sich aus, sorgen für mehr Lärm.“

Einen Rückbau der Pflasterung an den Einmündungsbereichen fordern Britta Bederke und ihre Mitstreiter, außerdem Tempo 30 im Kirchweg. „Aber das muss natürlich auch kontrolliert werden.“ Im Frühjahr 2019 hatte es schon einmal so ausgesehen, als könnte Tempo 30 in weiten Bereichen des Kirchwegs kommen: Der Verkehrsausschuss der Gemeinde empfahl damals einstimmig dem Verwaltungsausschuss, für den Kirchweg, zwischen Von-Stauffenberg-Straße und Kreisverkehrsplatz, beim Landkreis Lüneburg einen Tempo-30-Bereich zu beantragen.

Verhindern, dass Fördermittel verloren gehen

Dieses Vorhaben wurde aber wenig später schon wieder „auf Eis gelegt“, so Bauamtsleiter Ninnemann. Der Grund: Zunächst soll die seit langem geplante Sanierung eines Teilbereichs des Straßenzugs Grüner Weg/Lindenweg/Im Suren Winkel abgewartet werden. Verhindert werden soll, so Bürgermeister Maack, dass dafür erhoffte Fördermittel vom Land durch voreilige Maßnahmen im Kirchweg möglicherweise verloren gehen. Britta Bederke und die IG Kirchweg dauern alle diese Überlegungen zu lange. Zynisch schreibt sie: „Sie haben es eilig? Dann nehmen Sie doch den Kirchweg in Adendorf, denn hier können Sie innerhalb einer Ortschaft so schnell fahren wie Sie wollen.“ Und weiter: „Ist diese Verkehrssituation so gewollt oder ist die Gemeinde mit dem Adendorfer Verkehr schlichtweg überfordert?“

„Wir nehmen die Kritik auf jeden Fall zum Anlass, im Kirchweg noch einmal eine Tempomessanlage aufzustellen“, sagt Verwaltungschef Maack fürs Erste zu.

Von Ingo Petersen