Samstag , 19. September 2020
Pfeile weisen an der IGS Lüneburg auf den "Rechtsverkehr" hin, der in den Gebäuden gilt. Foto: be

Lüneburgs Schulen bereiten sich auf den Unterricht vor

Lüneburg. Binnen drei Wochen mussten sich die Schulen auf das sogenannte Szenario A, den „eingeschränkten Regelbetrieb“, vorbereiten. Das Kultusministerium hatte den entsprechenden Rahmenhygieneplan Anfang August veröffentlicht, heute startet der Schulalltag wieder. Die Klassen sollen in voller Stärke unterrichtet werden, das Abstandsgebot wird im Unterricht ebenso aufgehoben wie die Maskenpflicht. So soll nun wieder fast die gesamte Stundentafel erfüllt werden können. Doch für einen reibungslosen Ablauf müssen Schüler und Lehrer einiges beachten.

Grundsätzlich gilt: Die Schüler werden ab heute in „Kohorten“ eingeteilt, in denen der Mindestabstand aufgehoben wird. Eine Kohorte besteht in den meisten Schulen aus einem Jahrgang. Das Wichtigste sei, dass sich die verschiedenen Kohorten untereinander nicht mischen, verdeutlicht Martin Meier-Schütze, Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lüneburg. An der Oberschule am Katzenberg in Adendorf werden sogar die einzelnen Klassen so gut es geht voneinander getrennt. „Klassenübergreifende Kurse haben wir auf ein absolutes Minimum reduziert“, sagt Rektor Hendrik Six. Das funktioniere, weil die Schule mit knapp 400 Schülern recht klein sei.

An den meisten Schulen hat jede Kohorte einen eigenen Ein- und Ausgang, es gibt klare Pausenbereiche, eine feste Sitzordnung im Klassenraum, und auch das Mittagessen darf nur zeitlich oder räumlich getrennt eingenommen werden.

Außerhalb der Klassenräume gilt die Maskenpflicht

In allen Schulgebäuden gilt außerhalb des Klassenraums Maskenpflicht. Am Gymnasium Oedeme müssen Schüler auch draußen in der Pause einen Mund-Nase-Schutz tragen. „Es ist uns nicht möglich, für jeden Jahrgang abgetrennte Pausenareale zu stellen“, begründet Direktor Stefan Schulz.

Dass die Maskenpflicht und das regelmäßige Händewaschen eingehalten wird, sei eine der größten Herausforderungen, sind sich die von der LZ befragten Schulleiter einig. Dabei sind sie auch auf die Mitarbeit der Mädchen und Jungen angewiesen. „Jeder Schüler muss in seinen Schulplan eintragen, dass er seine Hände gewaschen hat, die Lehrkraft kontrolliert dies dann zu Beginn der Stunde“, skizziert Six das Vorgehen an der Oberschule Adendorf.

Bei den Grundschülern seien hier die Eltern in der Pflicht, sagt Daniela Tiesing, Leiterin der Anne-Frank-Schule in Kaltenmoor. „Wenn ein Kind ohne Maske zur Schule kommt, können wir es ja nicht nach Hause schicken. Wir haben deshalb zwar Masken hier, wenden uns in solchen Fällen aber auch an die Eltern und weisen sie in freundlichem Ton darauf hin, dass das Thema Maskenpflicht nicht zur Disposition steht“, sagt sie.

Zu Gunsten des Infektionsschutzes verzichten die meisten Schulen auf jahrgangsübergreifende Arbeitsgemeinschaften. Am Gymnasium Oedeme werden nur AGs angeboten, bei denen sich höchstens zwei Jahrgänge mischen. Die Schule am Katzenberg in Adendorf verzichtet indes vollständig auf den nachmittäglichen Ganztagsunterricht. „Um mit den entstandenen Lernrückständen umzugehen, wird es in diesem Halbjahr eine Zusatzstunde in den Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch geben“, erklärt Six. Den Ganztag sieht er frühestens im Februar 2021 zurückkehren.

Trotz aller Maßnahmen bleibt ein Restrisiko

Auch in der Anne-Frank-Schule startet die Nachmittagsbetreuung nicht sofort, jedoch ist ein entsprechendes Angebot in Planung. „Wenn möglich, soll auch das nicht kohortenübergreifend stattfinden“, betont Daniela Tiesing. Um Lernrückstände aufzufangen, sollen an der Grundschule auch zusätzliche Förderkurse am Nachmittag angeboten werden.

Daniela Tiesing sieht trotz aller Vorkehrungen ein Restrisiko. Es sei schlichtweg nicht möglich, die Lehrer nur in einer Kohorte einzusetzen. Und auch wenn für diese das Abstandsgebot gilt, bleibe eine Frage dennoch offen: „Was passiert, wenn es in einer Kohorte einen Fall gibt? Können die Lehrer dann gar nicht mehr eingesetzt werden?“

Den größten Knackpunkt im Rahmenhygieneplan des Landes sieht Gesamtschulleiter Meier-Schütze indes in der Lüftung. „Man muss alle 45 Minuten bei voll geöffnetem Fenster lüften“, gibt er die Vorgaben wieder. „Stellen Sie sich aber mal vor, dass da eine 5. Klasse vor Ihnen sitzt: Die Aufsichtspflicht gebietet es, dass man die Kinder bei geöffnetem Fenster nicht allein lässt. Das heißt, die Schüler müssten eigentlich alle den Raum verlassen – das geht aber natürlich nicht immer.“

Kultusministerium hat Regen und Kälte vergessen

Genau dort lauert für Meier-Schütze die nächste Schwachstelle: „Der Rahmenhygieneplan kennt weder Regen noch Kälte.“ So wurden Regen-Pausen nicht bedacht. „Wir haben natürlich trotzdem getrennte und überdachte Aufenthaltsbereiche für diese Situation eingeplant“, betont er, aber dies zeige, wie schwierig die Umsetzung der Maßnahmen in der Praxis tatsächlich ist.

Trotz allem sind die Schulleiter überzeugt, dass der Schulalltag funktionieren wird. „Wir haben die Sicherheit der Schüler und der Lehrkräfte so weit wie möglich gewährleistet“, meint Schulz. Daniela Tiesing ist sicher, dass sich die Kinder schnell an neue Situationen gewöhnen können. Sollte sich das Infektionsgeschehen verschlechtern, können die Schulen schnell auf die Szenarien B oder auch C umschwenken. „Das hatten wir ja beides schon vor den Sommerferien und können daher aus Erfahrungen schöpfen“, ist Six zuversichtlich.

von Lilly von Consbruch

Schülertransport

Keine zusätzlichen Busse

Die Schülerbeförderung wird ab Schuljahresbeginn wieder im „Regelbetrieb“ erfolgen. Die Zahl der Busse für die Schülerbeförderung wird trotz Corona-Mindestabstand nicht aufgestockt. Dazu sagt Lüneburgs Kreissprecherin Urte Modlich: „Die Schülerbeförderung erfolgt im Rahmen des Öffentlichen Personennahverkehrs. Da der Mindestabstand häufig nicht eingehalten werden kann, gilt eine konsequente Maskenpflicht, die überprüft wird.“
Darüber hinaus hat der Kreis alle Schüler, die in „Radentfernung“ von der Schule wohnen, gebeten, das Fahrrad zu nutzen, um die Busse zu entlasten.