Samstag , 26. September 2020
Job und Familie unter einen Hut zu bekommen, ist nicht leicht. Die Corona-Krise hat die Situation für viele Eltern aber noch verschärft. Symbolfoto: AdobeStock

Eltern kommen an Belastungsgrenzen

Lüneburg. Viele Eltern stoßen an ihre Belastungsgrenzen, wenn sie Job und Familie unter einen Hut bringen wollen, selbst wenn der Betrieb, in dem sie arbeiten, familienfreundlich ist. Die Corona-Krise hat die Situation für viele Eltern noch verschärft, weiß die Lüneburger Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft und zitiert in einer Pressemitteilung Cécile Meyer-Bartsch von der Mölders Holding mit Sitz in Bad Bevensen. „Viele Eltern wussten manchmal einfach nicht mehr, was sie tun sollen“, sagt die Personalleiterin.

„Wir können nicht alles auffangen“

Soweit wie möglich habe das Familienunternehmen seine Mitarbeiter unterstützt: mit bezahlter Freistellung, der Umstellung von Schichten und der Aufstockung des Kurzarbeitergeldes zum Beispiel. „Aber wir können nicht alles auffangen“, sagt Meyer-Bartsch. Als Mutter von zwei Kindern ist Cécile Meyer-Bartsch doppelt beschäftigt mit dem Thema Familie und Beruf in Zeiten der Corona-Krise. Sie stört vor allem eines: „Die Eltern werden von der Politik alleingelassen. Es gab keine Lösung, und es gibt keine Lösung.“ Sie hätte sich zum Beispiel gewünscht, dass die Kitas über den Sommer hinweg geöffnet hätten. Denn viele Eltern hatten ja schon vorher etliche Urlaubstage für die Kinderbetreuung verbraucht.

Die Manzke-Gruppe in Vastorf zum Beispiel bietet während der gesamten Sommerferien eine Kinderbetreuung an, erstmals ist das auch für die Herbstferien geplant. „Wir wollen vermeiden, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Urlaub ausschließlich für die Kinderbetreuung nutzen müssen“, sagt der Personalverantwortliche Jannis Opalka. „Sie sollen sich schließlich auch erholen.“ Wenn es nach Opalka gegangen wäre, hätte er bereits viel früher eine eigene Betreuung auf die Beine gestellt. „Doch wir konnten natürlich kein Risiko eingehen und haben uns an die gesetzlichen Vorgaben gehalten. Stattdessen haben wir bei der Einteilung des Personals sehr darauf geachtet, dass unsere Mitarbeiter ihre Kinder betreuen können.“ Und manch ein Lkw-Fahrer habe seinen Nachwuchs kurzerhand mit zur Arbeit genommen und auf den Kindersitz neben sich platziert.

Solche Beispiele sollten Schule machen, hofft Monika Scherf auf positive Veränderungen für die Zukunft. „Plötzlich stehen Angebote bereit, die es vorher nicht gab. Homeoffice ist für alle möglich, für Männer genauso wie für Frauen“, sagt die Leiterin des Amtes für regionale Landesentwicklung in Lüneburg. Sie ist damit nicht nur Vorgesetzte von rund 200 Mitarbeitern, sondern soll auch positive Impulse für die Entwicklung der Region geben. „Familien können sich neu organisieren und arrangieren. Ich bin sicher, dass viele Unternehmen und Organisationen auch nach der Corona-Zeit in Zukunft Homeoffice und mehr Flexibilität bei Arbeitszeitmodellen anbieten werden, und das ermöglicht am Ende vielleicht sogar mehr Chancengleichheit.“

„Was früher nicht ging, ging jetzt“

Mit ihren eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Homeoffice hat Scherf durchweg positive Erfahrungen gemacht. „Ich bin begeistert, wie verantwortlich sich alle umgestellt haben.“ Das Amt musste sich ad hoc organisieren und hat 75 Arbeitsplätze für zu Hause eingerichtet. „Was früher nicht ging, geht jetzt“, sagt Scherf. Arbeitgeber würden durch die zusätzliche Flexibilität auch interessanter für jüngere Bewerber.

„Diese Krise zeigt: Man muss an einem Strang ziehen“, sagt Andrea Kowalewski, Geschäftsführerin des Überbetrieblichen Verbunds Frau und Wirtschaft Lüneburg.Uelzen, der seine Mitgliedsunternehmen in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf berät. Mehr Informationen gibt es unter (04131) 303968 oder www.koordinierungsstellen-feffa.de. lz