Dienstag , 22. September 2020
In der ehemaligen Gaststätte Gasthaus Reinstorf ist das One World - dort findet am 3. September „Ein Abend für Jan Fedder“ statt. Foto: t&w

„Ein Abend für Jan Fedder“ im One World Reinstorf

Reinstorf. Tim Pröse wuchs in Essen auf, lebt in München und hat über ein Original des Nordens ein Buch geschrieben, das ihn an die Spitze der Spiegel-Bestsellerliste katapultierte: „Jan Fedder – Unsterblich“. An den im Dezember vergangenen Jahres gestorbenen Hamburger Schauspieler erinnert am Donnerstag, 3. September, um 18 Uhr im One World Reinstorf „Ein Abend für Jan Fedder“. Tim Pröse erzählt und liest, die Gruppe Albers Ahoi liefert dazu eine frische Brise Maritimes. Möglicherweise wird um 20 Uhr eine zweite Vorstellung folgen. Was Jan Fedder ausmachte, erzählt der Journalist und Autor Pröse im Interview.

Ein Münchner schreibt über einen Hamburger, der den Norden verkörpert hat. Wie kommt das zusammen?

Tim Pröse: Vor zehn Jahren brachte ich viele Stars aus „Das Boot“ in der Originalkulisse bei München wieder zusammen für eine Art Klassentreffen. Das ging Fedder, der im Film den Bootsmannsmaat Pilgrim spielte, besonders zu Herzen. Und so erinnerte er sich an mich zehn Jahre später, als er das Biografie-Projekt angehen wollte, und rief mich an.

Sie haben bereits Bücher über Didi Hallervorden und Mario Adorf geschrieben. Was reizte Sie an einer Biografie über Jan Fedder?

Ähnlich wie Hallervorden und Adorf war Jan Fedder ein Unverwechselbarer. Einer der letzten großen Charakterköpfe und Originale unter den deutschen TV-Schauspielern. Diese Spezies ist vom Aussterben bedroht und da ist es wichtig, ihnen ein Denkmal zu errichten, eines zwischen Buchdeckeln… Mit diesem Vermächtnis im Gepäck gehe ich jetzt auf große Lesereise durch Norddeutschland. Die Menschen vermissen Jan, und auch für mich ist er nicht richtig gestorben. Er hat so viel an Erinnerungen hinterlassen, die ich in dem Buch „Jan Fedder. Unsterblich“ verewigen durfte.

Jan Fedder ist den Menschen vor allem durch die Vorabend-Serie „Großstadtrevier“ vertraut. Wie erklärt sich daraus seine große Beliebtheit?

Er füllte diese Rolle ja fast drei Jahrzehnte aus, mit ihm wuchsen Generationen auf. Und er spielte schon zu einer Zeit, als sich die ganze Familie noch vor dem Fernseher versammelte. Aber da war noch mehr. Er war ja auch der Kult-Bauer Brakelmann aus „Neues aus Büttenwarder“ und ein gefeierter Charakterdarsteller in den Siegfried Lenz-Verfilmungen. Am meisten stolz aber war er, ein Volksschauspieler gewesen zu sein. Und zwar nicht irgendeiner, sondern der letzte große Volksschauspieler!

Inwieweit war Jan Fedder am Entstehungsprozess des Buches beteiligt?

Er rief mich vor anderthalb Jahren an und fragte mich, ob das nun nicht der richtige Moment sei, sein Leben aufzuschreiben. Ein Glücksmoment. Und in der Tat: Ihm blieb nur noch wenig Zeit. Von da an durfte ich ihn ein ganzes Jahr lang begleiten. Wir trafen uns ein Dutzend Mal, in seiner Wohnung auf St. Pauli, auf seinem Bauernhof in Schleswig-Holstein, am Filmset. Ich konnte ihm noch kurz vor seinem Tod das fertige Manuskript zukommen lassen. Was ich mit ihm erlebte, erzähle ich nun in Reinstorf in dieser wunderbaren Location. Und ich freu mich, dass die Band Albers Ahoi genau die Lieder spielen und singen wird, die Jan liebte.

Von Hans-Martin Koch