Samstag , 24. Oktober 2020
Matthias Schuh ist Museumsgärtner am Kiekeberg. (Foto: Freilichtmuseum)

Gärten mit Geschichte

Rosengarten-Ehestorf. Die „Wurzel der Barbaren“ hat ein gespaltenes Image. Den einen ist sie zu sauer, die anderen lieben genau das an ihr – Fakt aber ist: Sie ist sehr robust und voller Vitamine und Mineralstoffe. Und genau das hat ihr früher zu enormer Bedeutung verholfen: „Rhabarber wurde damals im Bereich Winsen auf riesigen Flächen angebaut und dann auf der Bahn nach Berlin gebracht, denn die Stangen sind gesund und unempfindlich“, erklärt Matthias Schuh, Gärtner im Freilichtmuseum am Kiekeberg. Es gibt viele Geschichten, die er zu erzählen weiß.

Gerade im Sommer bietet die weitläufige Einrichtung in Ehestorf nicht nur Einblicke in die alte Architektur von Heide und Marsch – sie lädt auch ein zu Spaziergängen durch die Gärten und zu Gesprächen mit den Experten. „Mitunter bin ich mehr damit beschäftigt, den Besuchern Informationen über die Grünanlagen zu geben, als diese zu pflegen“, sagt Matthias Schuh lachend, „aber da gibt es einfach enorm viel drüber zu sagen.“

Ob als Versorgungs- oder auch Ziergarten: Je nachdem, wann sich die Anlagen wo befanden, erfüllten sie einen bestimmten Zweck: „So zeigen wir beispielsweise im Nutzgarten am Pringens Hof den typischen Gemüseanbau in der Heide des 19. Jahrhunderts“, erklärt der Fachmann, „hier wachsen vor allem Hülsenfrüchte und Kartoffeln. Aber auch Erdbeeren, Porree, Sellerie und Rüben. Als typisches Wintergemüse der Region gilt und galt der Kohl, deshalb haben wir hier den Braunkohl, die historische Form des heutigen Grünkohls. Braunkohl ist etwas herber als sein moderner Verwandter, dem die gesunden Bitterstoffe fehlen.“

Ganz anders wurden die Gärten zu Beginn des 20. Jahrhunderts indes in der Marsch genutzt: Dort führten die Bewohner sehr kleine Betriebe, in denen Gemüse für die nah gelegene Stadt Hamburg angebaut wurde. „Hier gedeihen Sorten wie die ,Hamburger-Markt-Herbst‘-Erbsen, ,Hamburger- Markt-Schwert‘-Stangenbohnen oder ,Vierländer-Blut-Rhabarber‘“, sagt Matthias Schuh, „der fruchtbare Boden der Marschen ermöglichte diese Vielfalt.“

Pflanzenmarkt kann stattfinden

Aber auch Gartenparzellen aus der Nachkriegszeit, Landgärten mit historischen Obst- und Gemüsesorten oder Heilkräuter aus dem Schäfer-Ast-Garten können Besucher erleben und studieren. Kleine Tafeln geben detaillierte Auskunft, wenn sich der Experte doch mal um die Flora und nicht um die Gäste kümmern kann – sollten diese denn Bedarf nach mehr Informationen haben.

Den können sie aber auf alle Fälle beim kommenden Pflanzenmarkt stillen: Nachdem die Veranstaltungen im Frühling coronabedingt ausfallen mussten, darf das Ereignis im August stattfinden: Rund 80 Aussteller werden am 29. und 30. August auf dem gesamten Museumsgelände zwischen 10 und 18 Uhr ihre eigenen, teilweise sehr exotischen Züchtungen und Pflanzen präsentieren. Vom Nutz- bis zum Ziergarten: „Ob Gemüse oder Staude, hier ist für jeden Balkon oder Garten das richtige dabei“, sagt Matthias Schuh.

„Wir erwarten auch in diesem Jahr trotz der Pandemie wieder eine Vielzahl wahrer Pflanzenexperten – darunter ein Aussteller, der allein 80 verschiedene Arten Phlox mitbringt“, so der Gärtner. Präsentiert werden die blühenden und duftenden Gewächse meist dort, wo sie später auch wachsen sollen: „Also eben im Schatten oder in der Sonne.“ Aber auf alle Fälle im Freien. Marion Junker, Pressesprecherin des Freilichtmuseums erklärt: „Wir werden in diesem Jahr nichts im Innenbereich anbieten, zudem gelten Regeln wie auf dem Wochenmarkt.“

Von Ute Lühr