Montag , 28. September 2020
Bislang fährt der Rufbus unter anderem in Bardowick. (Foto: dth)

Landkreis zieht beim Rufbus die Notbremse

Lüneburg. Heute sollte es eigentlich losgehen: Landkreis und KVG Stade wollten das Rufbus-Projekt auf die Samtgemeinden Dahlenburg, Ostheide und Scharnebeck ausweiten. Doch unmittelbar vor der Betriebsaufnahme zog die Kreisverwaltung am Dienstag die Notbremse: Die Pläne werden auf Eis gelegt. Hintergrund sind die dramatischen Einnahmeverluste im Öffentlichen Personennahverkehr.

Mit dem Rufbus sollen als Ergänzung zu den regulären Buslinien die ländlichen Regionen besser verbunden werden. Wie auch der Linienverkehr fährt er nach Fahrplänen bestimmte Haltestellen an, allerdings ausschließlich auf Bestellung. So ist das Rufmobil für Gellersen und Bardowick unter anderem zwischen Oedeme, Heiligenthal, Dachtmissen, Vögelsen, St. Dionys und Wittorf unterwegs, und zwar im Zwei-Stunden-Takt in der Woche von 5 bis 21 Uhr und am Wochenende von 8 bis 19 Uhr. Bleckede ist seit April 2019 in das Projekt eingebunden.

„Aktuell gilt es in erster Linie, trotz der drastischen finanziellen Einbrüche den bestehenden ÖPNV in seiner jetzigen Form aufrecht zu erhalten.“
Freia Srugis, Fachdienst Schule und Kultur

Für die drei hinzukommenden Samtgemeinden ist der Rufbus eigentlich startklar. Doch die Corona-Pandemie macht nunmehr einen Strich durch die Rechnung. Denn allein in den Monaten März bis Juni hatte die für den Linienverkehr zuständige KVG in Stadt und Landkreis Lüneburg 1,5 Millionen Euro weniger an Ticketeinnahmen, nach aktuellen Prognosen liegt das Minus laut Kreis am Jahresende bei insgesamt rund 2,8 Millionen Euro.

„Diese schwierige Situation zwingt uns leider dazu, die geplante Ausweitung des Rufmobils zu verschieben“, sagt Freia Srugis vom Fachdienst Schule und Kultur. Es gebe jetzt andere Prioritäten: „Aktuell gilt es in erster Linie, trotz der drastischen finanziellen Einbrüche den bestehenden ÖPNV in seiner jetzigen Form aufrecht zu erhalten.“

Die Entscheidung habe so kurzfristig fallen müssen. Hintergrund sei der Rettungsschirm von Bund und Ländern für den ÖPNV, dessen Rahmenbedingungen erst seit Kurzem bekannt sind. „Wir haben zwar schon jetzt rund 1,5 Millionen Euro freigegeben bekommen. Damit wir aber auch im kommenden Monat Geld vom Land erhalten und an die KVG weitergeben können, müssen wir die entsprechenden Verträge anpassen.“ Den Weg für die vertraglichen Änderungen könne nur die Kreispolitik ebnen, voraussichtlich Ende des Monats soll der Kreisausschuss dazu eine Entscheidung treffen

Der Landkreis halte weiter an seinen Erweiterungsplänen fest. Ein neuer Starttermin für die Einführung des Rufmobils in den drei Samtgemeinden gebe es aber noch nicht.

Von Thomas Mitzlaff