Den Sommer über bespielte Klaus Hoppe die Sülzwiesen. Für die nächste Zeit fehlt ihm ein klarer Kompass der Politik. Foto: t&w

Ruf nach klaren Regeln

Lüneburg. Klaus Hoppe ist ein erfahrener Veranstalter. Und einer, der Corona-Schutzvorkehrungen für sinnvoll hält. Doch manche Regeln sind für ihn nicht nur schlecht fürs Geschäft, er findet auch keine sinnvolle Erklärung dafür: Was unterscheidet eine Kulturveranstaltung mit 50 Besuchern von einer Betriebsversammlung der Polizei, deren 45-köpfige Belegschaft an Zehnertischen mit ausreichend Abstand zusammensitzt? Erstere ist in diesen Zeiten verboten, letztere nicht?

Der Geschäftsführer kann da nicht nur mit dem Kopf schütteln. Und er will es dabei nicht bewenden lassen, sondern geht jetzt auch in die Offensive. „Wir brauchen klare Regeln ohne willkürliche Grenzen“, lautet seine wichtigste Forderung zum Beispiel beim Blick auf die Videoschalte der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder. „Wir brauchen ein Konzept“, sagt er und setzt auf eines, „das mit Mut und Verantwortung gepaart ist“.

Wir – das sind 85 Festangestellte und 120 geringfügig Beschäftigte, mit denen Hoppe auch in Zukunft weiter arbeiten möchte. Von den 85 „Festen“ hat er vier verloren, die jetzt in anderen Sparten arbeiten. Viele von ihnen sind bei Campus noch in Kurzarbeit. Für die 120 Aushilfen gibt es derzeit praktisch nichts zu tun.

Café Valinta musste sofort schließen

Der Veranstaltungsbereich von Campus kam im März von einem auf den anderen Tag zum Erliegen. Das Café Valinta direkt auf dem Uni-Campus musste sofort schließen, denn das Uni-Areal war praktisch menschenleer. Weiter liefen jedoch die fixen Kosten. Wenn zum 4. Oktober die Erstsemester und einige Verwaltungsmitarbeiter dort wieder beginnen, setzt der Geschäftsführer auf einen zaghaften Beginn. Doch ob es für schwarze Zahlen reicht, bezweifelt Hoppe.

In der Ritterakademie wurde während des Lockdowns der für den Sommer geplante Umbau vorgezogen. Nun strahlen Saal und Nebenräume in frischem Glanz – und ohne Gäste. Dass nur Veranstaltungen bis 50 Gäste möglich sind, empfindet Hoppe als „reine Willkür“. Diese Regelung orientiere sich nicht an der Größe der Räume. Er könne hier Abstände wie in der Gastronomie einhalten, doch es gebe keine Genehmigung. So musste am vorigen Wochenende die Festveranstaltung der Manzke-Friedensstiftung ausfallen. Hoppe setzt jetzt auf Tagungen bis zu 50 Personen und, dass die Kreispolitik dort ihre Sitzungen abhält.

„Für die Gastronomie ist das ein volles Desaster“

Wenn sich am 4. September im Theater wieder der Vorhang hebt, gibt es auch eine Bühne für die Gastronomie. „In den beiden kleineren Sälen dürfen wir am Platz servieren“, freut sich der Campus-Manager, aber im Großen Haus ist das nicht möglich. Zudem werden die Besucher kurz vor Aufführungsbeginn ins Haus geschleust und nach den Aufführungen – ohne Pause – wieder hinaus. „Für die Gastronomie ist das ein volles Desaster“, ahnt Hoppe.

Partys in der Kultstätte Vamos sieht er „auf absehbare Zeit nicht“. „Wie soll denn eine Kennenlern-Party in Corona-Zeiten ablaufen?“, fragt Hoppe und muss selbst das Gesicht verziehen. Die vereinbarten Tagesmieten muss er nur zu 50 Prozent bezahlen, aber die Einnahmen liegen bei Null. Auch für die Campus-Eventmanufaktur, die etwa das jährliche Rote-Rosen-Fanfest organisiert, gibt es derzeit keine Arbeit. 290.000 Euro an Liquiditätskrediten hat die Campus Management GmbH bis Juni aufgenommen. Doch jetzt sieht Hoppe seine Gesellschaft am Scheideweg. „Wir sind als Mischkonzern aufgestellt“, verweist er auf Bereiche wie Immobilien- und Hausverwaltung oder Car-Sharing. Das mildere die Situation etwas. Auch die Entschädigung des Landkreises für die Auflösung des Arena-Betreibervertrages überbrücke die aktuelle Situation

Aufgeben ist nicht sein Ding

Es führt aber auch zu Problemen: Das Mittelstandsprogramm des Bundes greift erst bei Einnahmeausfällen von mehr als 40 Prozent. Da liegt Campus mit all seinen Zweigen knapp darunter. „Die Verluste sind aber da“, ärgert sich Hoppe, der hier auch eine Wettbewerbsverzerrung sieht.

Aufgeben ist indes nicht sein Ding. Eher das Gegenteil. So wollte er mit dem Lüneburger Openair-Kultursommer auch ein Zeichen setzen, dass es weitergeht. „Unser Konzept hat bundesweit in der Branche Vorbildfunktion gehabt und ist kopiert worden“, freut sich Hoppe. Ebenso, dass Crew und Partner unkompliziert mitgezogen haben – „auch wenn wir dabei am Ende nichts verdient haben“.

Die Verlängerung der Kurzarbeit auf zwei Jahre stimmt ihn positiv, dass die Bundespolitik die Zeichen erkennt. Alle Programme müssten bis zur „Corona-Endzeit“ verlängert werden, denn seine ganze Branche werde in der gesamten Zeit mit den massiven Einschränkungen zu kämpfen haben. „Wenn ich Kredite beantrage, muss ich wissen, ab wann ich sie zurückzahlen muss und wie und woher.“ Das sei „ja alles nur Mathe“ – und am Ende aber auch eine Prise Psychologie.

Von Marc Rath