Donnerstag , 1. Oktober 2020
Seit dem Unglück am Mittwoch fehlen zwei Pferde in der Herde an der Ilmenau. Was genau passiert ist, kann derzeit aber niemand sagen. (Foto: t&w)

Häcklingen: Zwei Pferde auf Wiese schwer verletzt

Häcklingen/Melbeck/Deutsch Evern. Neele Beckhusen kann es noch immer nicht fassen: Am Mittwochmorgen wurden zwei ihrer Pferde schwer verletzt auf ihrer Wiese zwischen Melbeck, Deutsch Evern und Häcklingen gefunden. Eines der Tiere musste kurz darauf vom Tierarzt eingeschläfert werden, das andere wurde umgehend in die Tierklinik gebracht. Auch Wolfsberaterin Ulrike Kruse hat sich am Mittwoch ein Bild von der Situation vor Ort gemacht, kann einen Wolfsangriff aber weder bestätigen noch ausschließen. „Es ist schwer zu sagen, was da passiert ist.“

„Die eine Stute lag stark blutend und in Seitenlage abseits der Herde.“
Neele Beckhusen, Halterin

Laut Halterin Neele Beckhusen herrschte auf der Koppel an der Ilmenau am Dienstagabend noch Frieden, bei der morgendlichen Fütterung jedoch habe sich ihrer Mutter ein schreckliches Bild geboten: „Die eine Stute lag stark blutend und in Seitenlage abseits der Herde“, berichtet die 24-Jährige. Der Tierarzt habe schließlich einen Bruch am Hinterbein diagnostiziert und die Hannoveraner-Stute von ihrem Leid erlöst. „Das andere Tier ist noch in der Klinik. Die Stute hat eine Griffelbeinfraktur“, erzählt Neele Beckhusen weiter. Unklar sei, ob sie jemals wieder mit ihrer Reiterin bei Spring- und Vielseitigkeitsturnieren starten wird. „Aber das ist zweitrangig. Wir hoffen einfach nur, dass sie ohne Schmerzen alt werden kann.“

Bremsspuren vor dem Zaun

Derweil warten alle Beteiligten auf die Ergebnisse eines Gentests, den Ulrike Kruse am Mittwoch durchgeführt hatte. Die Wolfsberaterin hält es allerdings für eher unwahrscheinlich, dass ein Wolf auf die Pferde losgegangen ist. „Die Wunde, die das tote Pferd hatte, sah nicht nach einer Bisswunde aus, und wir haben auf der ganzen Wiese keine Spuren gefunden.“ Zwar habe es in der Vergangenheit durchaus schon bestätigte Wolfsangriffe auf Pferde in Niedersachsen gegeben, dabei habe es sich aber in der Regel um Ponys oder Jungpferde gehandelt. Die beiden verletzten Tiere bei Häcklingen jedoch waren beide ausgewachsen und über 1,65 Meter groß.

Sie weideten seit März mit vier weiteren Artgenossen an der Ilmenau – wie bereits im Vorjahr umzäunt von einem Stromzaun. Irgendetwas werde sie in der Nacht in Panik versetzt haben, vermutet Ulrike Kruse. Das könnten aber genauso gut ein Hund wie das sogenannte „Wendisch Everner Paar“ oder andere Wölfe gewesen sein. Woher die Verletzungen stammen, bleibt also zunächst ungeklärt. „Es gab deutliche Bremsspuren vor dem Zaun“, sagt Beckhusen. Der Zaun selbst sei aber unbeschädigt.

Lüneburgs Nabu-Kreisvorsitzender Thomas Mitschke wollte gestern keine Ferndiagnose vom Schreibtisch aus abgeben, nur so viel: „In der Regel geht der Wolf nicht auf Huftiere los.“ Das glaubt auch Neele Beckhusen, darum habe sie den Gentest gedanklich auch bereits zu den Akten gelegt. „Vielleicht war es eine Verkettung schrecklicher Zufälle, die zu diesem Unfall geführt hat“, überlegt die 24-jährige Reiterin. „Das ist wie ein schlechter Traum.“

Von Anna Petersen