Samstag , 31. Oktober 2020
Gerade Angebote für Familien und junge Mütter wie die Delfi-Gruppen werden jetzt schon wieder stark nachgefragt. (Foto: Fabs)

Das Bedürfnis nach Kontakt

Lüneburg. Unter dem Strich werden am Ende des Jahres wohl „um die 60 000 Euro Miese“ stehen, schätzt Matthias Skorning. Keine Frage, Corona ist auch an der Evangelischen Familien-Bildungsstätte in Lüneburg nicht spurlos vorbeigezogen. Viele Kurse mussten abgebrochen oder von vornherein ganz abgesagt werden, da fehlen Skorning als Leiter der Einrichtung und seinem Team wichtige Einnahmen. Gleiches gilt für die Honorarkräfte, die mangels Beschäftigung über Monate kein Geld bekommen haben. Doch Trübsal blasen ist Skornings Sache nicht, zumal es einige Entwicklungen gibt, die ihn zuversichtlich stimmen.

Nach und nach fährt die Bildungstätte ihren Betrieb jetzt wieder hoch. 60 bis 70 Prozent des regulären Angebotes seien schon wieder möglich, sagt Skorning, der mit seinem Team gerade das neue Programm für das zweite Halbjahr vorgestellt hat. Statt eines dicken Heftes ist es diesmal eine Broschüre mit Basisinformationen, Details zu einzelnen Kursen gibt es im Internet – das spart Kosten. Das Angebot reicht von Rücken-Fitness und der interkulturellen Frauengruppe über Gitarrenkurse und Ferienaktionen für Kinder bis hin zum Babysitterkursus und zum Info-Abend zur Altersvorsorge.

Beliebt: Angebote für werdende oder junge Eltern

Was Skorning angesichts dieser Rahmenbedingungen besonders freut: „Die Leute rennen uns in einigen Bereichen die Bude ein, gerade was Angebote für werdende oder junge Eltern angeht. Da spüren wir ein totales Bedürfnis – auch nach gesellschaftlichem Kontakt.“ Er macht das an einem Beispiel deutlich: „Ich habe mit einer Mutter gesprochen, die in der Corona-Zeit aus Hamburg nach Lüneburg gezogen ist. Die erzählte, dass ihr Baby außer ihr und ihrem Mann noch keinen Menschen zu Gesicht bekommen hat.“ Ein FabsDelfi-Kursus wird das ändern.

Um nun wieder neu durchstarten zu können, haben Skorning und Co. an ein paar Stellschrauben gedreht. So wurde in den Räumen Bei der St.-Johanniskirche ein bisschen umdisponiert, um etwa einen Yoga-Kursus statt in einem großen Raum nun in zwei kleineren stattfinden lassen zu können. Bei manchen Angeboten wird die maximale Teilnehmerzahl etwas zurückgefahren, um Abstände zwischen den Teilnehmern einhalten zu können. Bei den Kochkursen etwa sind es fortan nur noch acht statt bisher 12, bei anderen Kursen acht statt zehn. Wer sich im Haus bewegt, muss einen Mund-Nase-Schutz tragen, im Kurs selbst aber nicht.

Die gute Nachricht bei den Veränderungen: Die Gebühren sollen stabil bleiben, obwohl die Einrichtung ihren Jahresetat von rund 400 000 Euro zu mehr als 50 Prozent aus den Teilnehmergebühren finanziert. Möglich wird das, weil die Fabs auf zusätzliche Unterstützung der Landeskirche und vom Land hoffen darf, die wegen Corona tiefer in die Kasse greifen als sonst, beide zählen ebenfalls zu den regulären Geldgebern der Fabs.

Nur wenige Honorarkräfte sind abgesprungen

Was vom Minus dann noch übrig bleibt – Skorning rechnet mit 30 000 bis 40 000 Euro – , soll aus eigenen Rücklagen bestritten werden. Von den 146 Kursleitern seien rund 120 nun wieder für Angebote eingeplant, einige wollen aus eigenem Antrieb noch pausieren, zum Beispiel weil ihr Partner zur Risikogruppe zählt. Nur wenige der Honorarkräfte seien in der Krise abgesprungen und hätten sich anderweitig orientiert. „Wir kommen mit einem blauen Auge aus der Krise“, ist der Fabs-Leiter zuversichtlich.

Die neue Broschüre liegt unter anderem in Kitas, Büchereien, Kirchengemeinden, Bioläden, Buchhandlungen bei Gynäkologen und Kinderärzten aus. Das komplette Programm gibt es auf familienbildungsstaette.de im Internet. Kontakt: (04131) 44211.

Von Alexander Hempelmann