Samstag , 31. Oktober 2020
Für Daheimgebliebene ist es nicht immer einfach, einen Corona-Test machen zu lassen. (Foto: Adobe Stock)

„Die waren zwar nett, aber inkompetent“

Lüneburg. Als Ines B. in der Landeszeitung von der Odyssee einer Lüneburgerin las, die nach dem Besuch einer Hochzeitsparty tagelang in Lüneburg vergeblich versuchte, trotz entsprechender Symptome einen Corona-Test machen zu können, fühlte sie sich gleich an ihre eigene Situation 14 Tage zuvor erinnert. Auch ihre Familie befürchtete eine Infektion mit Covid-19, einen Arzt für einen Abstrich zu finden, habe sich aber Geduldsspiel erwiesen. Da stellt sich die Frage: Gibt es im Kreis Lüneburg eigentlich ein funktionierendes Test-Prozedere für Daheimgebliebene?

Ja, sagt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN). Sie räumt aber auch ein, dass es aufgrund widersprüchlicher Gesetzesvorgaben auch für Ärzteschaft und Mitarbeiter an Hotlines nicht ganz einfach sei, den Überblick zu behalten, welcher Patient in welcher Situation wo getestet werden muss.

Daheimgebliebene, die sich testen lassen wollen, müssen sich an ihren Hausarzt wenden, der verweist in der Regel an eine der fünf Infektionspraxen, die es in Stadt und Kreis Lüneburg gibt. Wer entsprechende Symptome hat, muss den Test nicht bezahlen. „Der Hausarzt darf den Test auch selbst machen, gibt dem Betroffenen aber zumeist die Kontaktdaten der nächsten Infektionspraxis“, sagt KVN-Sprecher Uwe Köster.

Doch warum verrät die KVN nicht, welches diese Infektionspraxen sind? „Wir wollen vermeiden, dass die überrannt werden“, erklärt Köster die „Schleife“ über die Hausärzte. Dabei war es genau dieser Umweg, der Patienten in den vergangenen Wochen offenbar immer wieder zur Verzweiflung trieb. Denn sie schilderten in E-Mails an die LZ, wie zum Beispiel der Hausarzt ihnen etwa eine Infektionspraxis nannte, diese aber wegen Urlaubs geschlossen hatte.

Defizite in der Informationskette

Da habe es dann womöglich Defizite in der Informationskette gegeben, bedauert Köster: „Jedem Hausarzt steht über den internen KVN-Zugang im Internet die gesamte Liste zur Verfügung.“ Engpässe dürfe es eigentlich selbst dann nicht geben, wenn einige Infektionspraxen wegen Urlaubs geschlossen seien: „Wir haben eine flächendeckende Versorgung auch von Uelzen über Lüneburg bis Winsen/Luhe.“

Doch was ist, wenn Patienten zum Wochenende plötzlich über typische Corona-Symptome wie Geschmacksverlust und hohes Fieber klagen? So wie die Familie von Ines B. „Bei uns ging es am Freitag richtig los“, schildert sie. Mit ihrem ebenfalls erkrankten Sohn und deren Tochter versuchte sie es unter verschiedensten Telefonnummern, selbst unter der Bereitschafts-Hotline 116117 habe man nicht helfen können: „Die waren zwar sehr nett, aber völlig inkompetent“, so Ines B. Letztlich sei die Familie bis Montag in freiwilliger Quarantäne geblieben.

Für akute Fälle am Wochenende sei der ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig, und der könne auch Corona-Tests abnehmen, sagt KVN-Sprecher Köster dazu. Doch da hakt es offenbar in der Umsetzung: Denn nicht immer hat er, wie im Fall der Hochzeitsgäste, ein entsprechendes Röhrchen dabei. Die ärztliche Notfallpraxis sollen Betroffene dagegen nicht aufsuchen, sagt Lüneburgs KVN-Geschäftsführer Oliver Christoffers. Denn man will vermeiden, dass mögliche Covid-19-Infizierte in Kontakt mit anderen Notfallpatienten kommen.

Ines B. kann übrigens aufatmen: Der Test, der dann schließlich am Montag gemacht wurde, war bei allen Familienmitgliedern negativ. Und auch die Hochzeitsgäste hatten sich nicht mit Covid-19 infiziert.

SPD-Antrag

Testzentrum für Lüneburg

Die Berichterstattung der LZ zum Thema Corona-Test hat die SPD-Kreisfraktion zum Anlass genommen, mit einem Dringlichkeitsantrag für die Sitzung des Kreisausschusses am Montag, 31. August, darauf zu reagieren. In ihrem Antrag fordern die Sozialdemokraten Lüneburgs Landrat Jens Böther auf, „umgehend ein gut erreichbares Corona-Testzentrum für die Bevölkerung des Landkreises wieder in Betrieb zu nehmen“.

Zur Begründung werden die von der LZ geschilderten Schwierigkeiten sowie die „faktische Unerreichbarkeit“ des Testzentrums in Rosche (Landkreis Uelzen) mit öffentlichen Verkehrsmitteln genannt. Mit den Abstrichzahlen vom Dienstag dieser Woche untermauert die SPD ihren Antrag. Demnach wurden insgesamt 118 Abstriche vorgenommen, davon 73 bei Personen aus dem Landkreis Lüneburg. lz

Von Thomas Mitzlaff