Dienstag , 29. September 2020
Birgit Wortmann daheim am Arbeitsplatz, die gewebten Seidentücher sind immer Unikate. Foto: t&w

FormArt 2020: Lüneburger Weberin stellt Unikate aus Seide aus

Lüneburg. Ein schicker Schal aus feiner Seide, in den schillerndsten Farben – ein typisches Utensil für Frauen, sollte man meinen. „Von wegen“, sagt Birgit Wortmann, „unter meinen Kunden sind auch viele Männer.“ Solche beispielsweise, die ihren Look im dezent-seriösen Anzug „ein wenig aufpeppen“ wollen. Die Lüneburger Weberin hat sich auf die Verarbeitung feiner Seidengarne spezialisiert, mit ihren kostbaren Unikaten ist sie seit Jahrzehnten bundesweit auf Kunsthandwerksmärkten präsent – natürlich auch auf der Form­Art, die am Freitag, 4. September, in der Kulturbäckerei in eine neue Runde geht.

In ihrem ersten Leben war Birgit Wortmann Grund- und Hauptschullehrerin, Mathe, Religion, Erdkunde. Aber da war auch immer das Interesse für Kunst und Kunsthandwerk, außer Schmiedearbeiten erprobte die gebürtige Berlinerin so ziemlich alles, was denkbar war, auch Seidenmalerei. Bei einem Österreich-Urlaub, auf einem Werkhof, entdeckte sie die Welt der Webereien für sich.

Ein eigenes Verfahren zum Einfärben der Fäden

Bei einem Schnupperkurs von Webermeister Heinz Meier im Kloster Lüne wurde die Sache konkreter, Birgit Wortmann lernte bei Inge Seeling im Wendland und legte 1995 ihre Prüfung als Gesellin im Weberhandwerk ab. Teppich, Handtücher, Tischdecken, die Weberin arbeitete sich mit Wolle durch das klassische Repertoire und entdeckte die Seide. Neben der wunderbaren Haptik war die Kunsthandwerkerin von den möglichen Farbeffekten fasziniert.

Sie entwickelte ein eigenes Verfahren, die normalerweise homogenen Kettfäden (die im Webstuhl senkrecht auf- und ablaufen) in verschiedene Farben einzufärben; die – querlaufenden – Schussfäden bleiben eintönig. So entstehen Muster, die sich nicht reproduzieren lassen, jede Stola, jedes Tuch ist ein Einzelstück.

Apropos Stola, ein liturgisches Gewandstück: Birgit Wortmann ist auch in der Kirche präsent, als Prädikantin ist sie ehrenamtlich im Kirchenkreis Lüneburg aktiv. Prädikanten wiederum sind Absolventen einer speziellen theologischen Unterrichtung. Sie bearbeiten vorliegende oder verfassen selbstständig eigene Predigten und dürfen frei verkündigen.

Größte Arbeit ist ein sieben Meter langer Teppich

Die wohl größte Arbeit der Weberin ist ein liturgischer Teppich, ein Interpendium. Im Lüner Gemeindehaus Zehntscheune verbindet der rund sieben Meter lange Teppich die Kanzel mit dem Altar. Für das Schussgarn hatte Wortmann die Seiten einer etwa hundert Jahre alten Bibel zu Fäden gedreht und sie auf dem Handwebstuhl in das Objekt eingewebt.

▶ Auch die dreitägige Form­Art 2020, veranstaltet vom Verein Angewandte Kunst Lünebugr (AKL), läuft natürlich unter Coronabedingungen ab. Der Gastgeber ist also verpflichtet, Eintritt zu nehmen und die Kontaktdaten der Besucher zu erfassen. Es wird mehr freie Fläche geben in dem geräumigen Gebäude. Rund zwei Dutzend Aussteller/Innen – aus dem Raum Lüneburg und als auswärtige Gäste – vertreten die Bereiche Mode, Möbel, Keramik, Taschen, Lampen, Schmuck & Teppich. Eröffnung: Freitag um 17 Uhr (bis 20 Uhr), am Wochenende ist die FormArt jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Frank Füllgrabe