Der Baustoff Holz und viel Glas sorgen für Wärme und Licht in der Eine-Welt Kirche. 7000 Erdproben kann der der Eine-Erde -Altar aufnehmen, aktuell sind es 5535. Foto: uk

Viele Erden – eine Welt

Schneverdingen. Erde ist braun? Falsch. Erde hat viele Farben: weißer Sand von den Bahamas, fast schwarzer Mutterboden aus Deutschland, rote Erde aus Kenia oder gelber Schwefelboden aus Äthiopien. In nahezu allen Farben versammelt der Eine-Erde-Altar Bodenproben aus aller Welt.

Das imposante Werk der Künstlerin Marianne Greve gilt als Hauptattraktion der Eine-Welt-Kirche in Schneverdingen – einer Kirche, die in ihrer Symbolik die bedrohte Schöpfung in den Mittelpunkt rücken sollte. Das war der Ansatz, unter dem das Gebäude als regionales Projekt der EXPO 2000 in Hannover entstand. Zwanzig Jahre später hat die Eine-Welt-Kirche nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt. Für die evangelische Markusgemeinde ist sie aber mittlerweile viel mehr: ein Ort für ein lebendiges Gemeindeleben.

„Dieser Altar öffnet die Seele“

Ingrid Rösch gehört zu dem Team von Ehrenamtlichen, das Führungen für die jährlich rund 8000 Besucher anbietet. Sie kann sich noch gut an die Anfänge erinnern. Kein Haus aus Stein, sondern eine Konstruktion aus Holz und Glas sollte der noch jungen Gemeinde eine eigene Kirche bescheren. Das Holz, außen Eiche, innen Fichte, sollte aus heimischen Wäldern stammen, die Kuppel den freien Blick gen Himmel gewähren. „Die Älteren waren damals skeptisch“, sagt Rösch schmunzelnd, „aber heute finden alle in der Gemeinde unsere Kirche toll.“

Woran das liegt? „Sie ist nicht so erdrückend wie manche alten Kirchen“, sagt Rösch. „Alles hier ist hell, freundlich und warm. Jeder fühlt sich auf Anhieb wohl.“ So erging es auch Pastor Dr. Kai-Uwe Scholz, erst seit Juni Seelsorger der Gemeinde: „Ich war sofort hingerissen.“ Wenn er vor dem fast sieben Tonnen schweren dreiflügeligen Altar steht und predigt, dann wähnt sich der Geistliche genau am richtigen Platz: „Wir fühlen uns umarmt von den geöffneten Flügeln. Wir stehen hier als Teil der Schöpfung, als Kinder dieser einen Erde.“ Das müsse man im Gegensatz zu vielen Kirchenaltären mit Heiligendarstellungen nicht erklären. „Dieser Altar öffnet die Seele.“

In sieben Jahren ist der Altar gefüllt 

Und er erzählt Geschichten. Sie stecken hinter den Erdbüchern, diesen schmalen Plexiglas-Boxen, gefüllt mit 500 Gramm Erde. Noch sind einige Lücken im Altar sichtbar, Ingrid Rösch weiß es genau: „7000 Erdbücher passen hinein, 5535 sind es aktuell. In fünf bis sieben Jahren ist er voll.“ Anfangs hätten die Schneverdinger Erden aus dem Urlaub mitgebracht, erzählt Rösch, hinter mancher Box steckten aber mittlerweile auch sehr persönliche Geschichten: „Es gibt lustige und traurige Erdbücher.“ Das aus Ostpreußen ist anrührend: „Die Erde hat ein alter Herr unter einer Bank in seiner alten Heimat eingesammelt, auf der er zum ersten Mal ein Mädchen geküsst hat.“ Kürzlich feierte die Gemeinde erstmals ein „Erdfest“, mit dem der Altar wieder um neue Erden ergänzt wurde. Bodensatz vom Baikalsee und Geröllteile vom Brocken im Harz sorgen für neue Farbnuancen. Auch ein Feriengast aus Kerpen-Monheim westlich von Köln hatte Boden mitgebracht, berichtet Scholz: „Seine Heimatgemeinde wird für den Braunkohletagebau dem Erdboden gleichgemacht. Das war sehr emotional.“

Die Eine-Welt-Kirche an der Ernst-Dax-Straße ist von Ostern bis zum 31. Oktober täglich von 15 bis 17 Uhr geöffnet, dazu montags bis sonnabends von 10 bis 12 Uhr. Eine Führung dauert etwa 2945 Minuten und kostet 1 Euro pro Person. Anmeldungen unter (05193) 800828.

von Ute Klingberg-Strunk

Tipp

Heidegarten mit vielen Farben

Nicht nur Erde hat viele Farben, auch Heide ist keinesfalls nur lila: Wer ohnehin vor Ort ist, sollte auch einen Abstecher in den Heidegarten Schneverdingen am Landschaftsschutzgebiet Höpen machen. Dort blühen rund ums Jahr etwa 200 Calluna-Sorten. Von zartrosa bis purpurviolett reicht die Palette, dazwischen leuchtet es weiß oder zartgelb. Alles zusammen ergibt in akkurat geformten Beeten ein wunderschönes Farbspiel.

Den besten Überblick hat man vom Aussichtsturm im Heidegarten Höpen, oder man ergattert als Besucher mit etwas Glück einen Platz auf einer Bank am Rand: Hier kann man den Blick weit über die Wiesen schweifen lassen. Nicht nur für Botanik-Fans ist der Heidegarten interessant, sondern auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität: Mit Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl kommt man auf den befestigten Wegen mühelos voran, Parkplätze liegen gleich nebenan. Das Areal ist rund ums Jahr frei zugänglich, der Weg von der Schneverdinger Stadtmitte ausgeschildert