Sonntag , 25. Oktober 2020
Es bleibt dabei: Die Grundschule Lüne soll saniert und erweitert werden. (Foto: t&w)

Sanierung geht weiter

Lüneburg. Dirk Neumann hatte gewissenhaft gerechnet, doch am Ende landete nicht nur sein Antrag im politischen Reißwolf. Der AfD-Politiker hatte sich in der jüngsten Ratssitzung dafür stark gemacht, die Sanierungsarbeiten an der in die Jahre gekommenen Grundschule Lüne zu stoppen und stattdessen einen Neubau zu errichten. Das nahmen die Grünen als willkommenen Anlass, erneut eine Grundschule fürs Hanseviertel zu fordern.

„Ich war erschrocken, dass es so eine Schule überhaupt noch gibt“, sagte Neumann mit Hinweis auf Architektur und Alter der beiden aus den 1960er-Jahren stammenden Gebäudekomplexe in Lüne. Ein solches Lernumfeld fördere nicht die Motivation von Schülern und Lehrern. Zudem bedeute eine Sanierung, wie sie jetzt geplant ist, „immer auch Stückwerk“, obendrein seien die Altbauten mit Schadstoffen belastet.

Neumann rechnete vor, dass aus seiner Sicht lediglich 2,2 Millionen Euro für einen Neubau in die Hand genommen werden müssten und nicht 4,7 Millionen Euro, wie von der Verwaltung angegeben. Das Geld dafür könne günstig auf dem Kapitalmarkt aufgenommen werden, lediglich Zinsen in Höhe von 25 000 Euro jährlich würden anfallen. Das aber sei eine Investition „in einen absoluten Kernbereich“. Da bis jetzt noch nicht sehr viele Aufträge vergeben seien, sei jetzt der richtige Zeitpunkt, die Sanierung zu stoppen.

Anträge kommen„reichlich spät“

Stadtbaurätin Heike Gundermann zeigte sich irritiert von dem Antrag, dieser und auch der Antrag der Grünen käme „reichlich spät“. 2,2 Millionen Euro seien für die Sanierung bereits vergeben, weitere drei Millionen Euro submittiert. Überhaupt habe es zahlreiche Sitzungen dazu im Schulausschuss und im Bauausschuss gegeben, wo davon nicht die Rede gewesen sei.

Anders als die AfD, forderten die Grünen eine eigene, zweizügige Grundschule als Ganztagsschule fürs Hanseviertel. Im Gegenzug sollte die Grundschule in Lüne ebenfalls zweizügige Ganztagsschule werden, noch ist sie fünfzügig.

Sowohl Philipp Meyn (SPD) als auch Sonja Jamme (CDU) zeigten für derartige Überlegungen kein Verständnis. Dies würde Entschädigungen „in nicht unerheblicher Höhe“ zur Folge haben, sagte Jamme, während Meyn die Grünen an ihre Zustimmung zu den aktuellen Umbauplänen am Standort Lüne erinnerte. „Jetzt geht es bei Ihnen aber wohl eher nach dem Motto: Was interessiert mich mein Beschluss von gestern.“

Frank Soldan (FDP) erinnerte daran, dass bei einer Zweizügigkeit ein Ganztagsschulkonzept nicht mehr umsetzbar sei, was Susanne Neuhaus (Grüne) mit der Bemerkung quittierte, dann könne aus der Zwei- ja eine Dreizügigkeit gemacht werden.

Zu wenig Schüler im Hanseviertel

Das wiederum ließ Stadtbaurätin Gundermann bemerken, dass es dafür gar nicht genügend Schüler im Hanseviertel gäbe. Und Holger Nowak (SPD) wiederum ließ wissen, dass die beantragten Fördermittel für die Sanierung in Lüne und nicht für einen Neubau im Hanseviertel zu verwenden seien.

Wenig begeistert von den Anträgen zeigte sich auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge: „Jetzt, wo es endlich losgeht, wollen Sie alles wieder auf den Kopf stellen.“ Mehrkosten von drei Millionen Euro und eine Verlängerung der Bauzeit von zwei Jahren wären die Folge. Auch würde dies den Bund der Steuerzahler auf den Plan bringen, „und als Verwaltungschef werde ich Einspruch gegen diese Verschwendung öffentlicher Mittel einlegen“.

„Wir wollen das Hanseviertel besser machen“, ließ Ulrich Blanck (Grüne) die an dem Antrag der Grünen zweifelnden Ratsmitglieder wissen. Schließlich gebe es in dem Neubaugebiet entsprechenden Bedarf.

„Den gibt es auch in der Goseburg. Warum setzen Sie sich nicht dafür ein, dass dort eine Grundschule entsteht?“, wollte Eckhard Neubauer (SPD) wissen. Ob er damit sagen wollte, dass die Goseburg als traditionelles Arbeiterviertel Lüneburgs für die Grünen eher weniger attraktiv ist als das zumeist gutsituierte Hanseviertel, blieb offen.

Von Ulf Stüwe