Donnerstag , 24. September 2020
Mehrmals täglich hält ein ICE derzeit in Lüneburg. Die Bahn aber überlegt, Fernhaltepunkte zu streichen. (Foto: A/t&w)

Sorge um Fernhaltepunkte

Hannover/Lüneburg. Die Fernverkehrshaltepunkte der Deutschen Bahn in Hamburg-Harburg, Lüneburg, Bad Bevensen, Uelzen und Celle sollen gesichert werden. Dafür sprach sich der Niedersächsische Landtag am Mittwochnachmittag einstimmig aus. Damit folgte das Plenum einem Antrag, den der Amelinghausener Landtagsabgeordnete Detlev Schulz-Hendel (Grüne) eingebracht hatte. Anlass ist die Sorge, dass die Bahn die geplante Sanierung der Zollkanalbrücke in Hamburg-Veddel zum Anlass nehmen könnte, den Fernverkehr auf der Strecke zunächst vorübergehend und dann dauerhaft auszudünnen.

Angestoßen wurde die Debatte bereits im April 2019, als Pläne der Deutschen Bahn öffentlich wurden, dass rund die Hälfte der 112 Fernzughalte in Hamburg-Harburg durch Brückenbauarbeiten auf der Veddel wegfallen könnten. Das wäre vor allem für Pendler aus Richtung Süden eine Erschwernis. Sie müssten dann zunächst mit S-Bahn oder Metronom in die entgegengesetzte Richtung zum ohnehin schon überlasteten Hamburger Hauptbahnhof fahren, um dort in die Fernzüge einzusteigen, so eine Befürchtung. Davon wären übrigens auch Niedersächsische Landtagsabgeordnete betroffen, die mit dem ICE nach Hannover fahren wollen …

„Im Entwurfsstadium des Sommerfahrplans Fernverkehr sind die Halte Celle, Uelzen, Bad Bevensen und Lüneburg weiterhin berücksichtigt.“
Bernd Althusmann, Verkehrsminister

Die Bahn wies bereits vor einem Jahr die Sorge um eine Ausdünnung der Fernhalte von sich, verschob aber auch die geplante Brückensanierung zunächst auf Anfang 2020. Jetzt ist von einer Brückenerneuerung 2021 die Rede. Und die Sorge bleibt offenbar auch im Landtag präsent. Deshalb wurde nun die Landesregierung dem Antrag folgend aufgefordert, „in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Senat gegenüber der Deutschen Bahn darauf hinzuwirken“, dass die Anzahl der Halte von Fernverkehrszügen im Bahnhof Hamburg-Harburg „im Netzfahrplan nicht verringert wird“. Auch während der Sanierungsarbeiten solle die Reduzierung auf ein Minimum beschränkt und rechtzeitig kommuniziert werden, heißt es. Schulz-Hendel sagte im Plenum, es könne so verhindert werden, „dass sich mehr Menschen frustriert von der Bahn abwenden und wieder aufs Auto umsteigen“. Auf Wunsch von SPD/CDU wurde in dem Antrag zudem auch der Fortbestand der Halte in Lüneburg, Bad Bevensen, Uelzen und Celle gefordert.

Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) äußerte am Ende der Debatte seine Hoffnung, dass sich „die Beeinträchtigungen durch die auf 2021 verschobenen Baumaßnahmen“ auch für den Nahverkehr im Sinne Zehntausender Pendler möglichst gering gehalten werden. Und nach einem Austausch mit der Deutschen Bahn hatte er zudem noch gute Nachrichten zu verkünden: „Im Entwurfsstadium des Sommerfahrplans Fernverkehr sind die Halte Celle, Uelzen, Bad Bevensen und Lüneburg weiterhin berücksichtigt.“ Er gehe davon aus, dass die Bahn das auch so umsetzen werde. „Und wir haben mitgeteilt bekommen, dass für den Fahrplan 2021 der Fernverkehrshalt Hamburg-Harburg weiterhin gesichert werden soll.“

Indes gelang dem Amelinghausener Schulz-Hendel mit dem Antrag ein parlamentarischer Achtungserfolg für die Grünen. Schulz-Hendel zur LZ: „Ich glaube, das war das erste Mal in dieser Wahlperiode, dass die Groko einem Oppositionsantrag zugestimmt hat.“ CDU und SPD wollten den Antrag eigentlich mit einer Änderung umwidmen, damit auch ihre Fraktionen mit als Antragsteller genannt werden, hatten das aber bei der vorherigen Abstimmung im Fachausschuss verdaddelt. Die Grünen hatten die Änderungswünsche in ihren Antrag übernommen und so Zustimmung erhalten. Sogar Ex-Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) sprang in der Plenardebatte Schulz-Hendel zur Seite. Er verspüre bei SPD/CDU einen „Geschäftsordnungsschmerz“. Hingegen breche sich seine Fraktion „keinen Zacken aus der Krone“ einen guten Vorschlag zu unterstützen, auch wenn er von jemand anderem komme. Der Beschluss fiel dann einstimmig.

Von Dennis Thomas